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Mehr als Experimente – Entdeckungen aus Franken

Mehr als Experimente – Entdeckungen aus Franken
Copyright Weingut Hans Wirsching

Der Winzernachwuchs ist auf dem besten Weg, fränkische Weine mit einem neuen Image auf den Markt zu bringen. Mit individueller Note an Stelle von austauschbaren Massenweinen, so die Idee. In den Kellern wird jedenfalls munter experimentiert und die Tradition nicht selten auf den Kopf gestellt.

Ja, die Jugend. Sie hat eben ihre eigenen Gesetze. Auch im Keller. Dort geht es oft rund. Etwa bei Stefan und Matthias Ruppert aus dem Ort Hammelburg im Fränkischen Saaletal. Die „jungen Geister mit vielen Visionen“, so ihre Selbsteinschätzung, kreierten zwei fruchtig-frische Weine mit den typisch fränkisch klingenden Namen 2gether white und 2gether red, die sich von den Namen der sonstigen Weine auf ihrer Preisliste abheben wie ein Rotweinfleck auf einer weissen Tischdecke.

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Aber ein bisschen Globalisierungssprech schadet hier eben nicht, schliesslich wollen die Brüder nach ihren geradlinigen, mineralischen Silvanern bald auch ihr Rotweinniveau auf internationale Ebene heben.

Fränkische Frauenpower

International bekannt zu werden, diesen hohen Anspruch haben etwa schon die beiden Wirsching-Schwestern in Iphofen erfüllt. Lena und Andrea führen gemeinsam mit ihrem Vater eines der grössten privaten Weingüter Deutschlands und haben sich bereits mit ihrer Linie Sister Act ein Weindenkmal setzen können.

Dahinter stehen je ein Silvaner und Riesling, deren Stil die Schwestern als Resümee ihrer bisherigen Lebensläufe bezeichnen. Die 26-jährige Lena lernte im Rahmen ihres Weinwirtschafts-Studium neue Weinbereitungsmethoden in Österreich und Südtirol kennen und wollte diese zum Teil auch in Franken umsetzen. Andrea, vormals die ungekrönte Königin auf Schloss Saarstein an der Saar, brachte die Idee ein, einen wilden, schlanken Wein in eine schlanke Flasche mit, gegenüber ihren sonstigen Weinen, wildem Etikett zu füllen. Beide Vorstellungen vereinten die Schwestern in den Weinen quasi als Gedankencuvée. „Sister Act ist unkonventionell und schwungvoll, aber ohne Schleier wohlgemerkt“, erläutert Lena, in Anspielung auf den früheren Kinohit mit Whoopi Goldberg.

Der Most kommt nicht, wie sonst bei den Wirschings, in einen Edelstahltank, sondern in ein grosses Holzfass. „Ganz nach Grossväters Sitte“, meint Lena. Nach der Gärung mit den traubeneigenen, wilden Hefen bekommt er Zeit, sich zu entwickeln, bevor er rund ein Jahr später abgefüllt wird. Und das Resultat der Sister Acts brachte den Schwestern viel positiven Wirbel in der Presse.

„Wein muss für mich Spass machen, und immer das Gefühl hinterlassen, ich möchte mehr davon.“

Aber natürlich gibt es noch mehr fränkische Frauenpower. Sandra Sauer aus Escherndorf etwa, deren Vater Horst zu den ganz Grossen der deutschen Weinszene zählt, hat nicht nur den Exportanteil innerhalb weniger Jahre verdoppelt, sie setzt auch ein persönliches Weinzeichen mit dem fruchtig-frischen, unkomplizierten, süffigen JUST weiss, eine Cuvée aus Riesling und Müller-Thurgau.

„Ich stehe schon immer auf Weine die filigran, von der Säure getragen werden und nicht langweilig sind“, lautet Sandras Motto. „Wein muss für mich Spass machen, und immer das Gefühl hinterlassen, ich möchte mehr davon.“

Junge Wilde

Da stimmt ihr Melanie Stumpf-Kröger vom Weingut Bickel-Stumpf in Frickenhausen spontan zu. Zusammen mit ihrem Bruder Matthias hat sie das Ruder im elterlichen Betrieb übernommen, nachdem sie zuvor beim VDP, Verband Deutscher Prädikatsweingüter, gearbeitet hatte. Hier können beide ungestört ihrem Spieltrieb nachkommen und somit neben ihren tollen Standardqualitäten bei Mini-Vinifizierungen experimentieren.

Das Resultat kann dann so hervorragend sein wie der Silvaner Experiment Barfuss. „Wir finden es spannend wie sexy Silvaner sein kann“, meint Melanie zu diesem Wein. Das kann er, der Wein benötigt zwar anfangs mehr Luft als ein Hürdensprinter nach dem Rennen, aber strömt dann fruchtig-würzig über die Zunge. Kein Wein für den klassischen Silvanertrinker, sondern für geschmacklich aufgeschlossene Weingeniesser.

Auch Ilonka Scheuring, ausgezeichnet als Deutschlands Bester Jungwinzer 2010/2011, aus Margetshöchheim hat den elterlichen Betrieb ganz ordentlich aufgemischt. Sie überlegte zuerst was ihr schmeckt und was ihre Richtung ist. Dann führte sie eine neue Sortimentseinteilung und neue Etiketten ein, kreierte einen anderen Stil und machte aus dem damaligen Nebenerwerbsweingut einen selbstvermarktenden Betrieb, bei dem die Scheurebe eine wichtige Sorte ist. „Sie ist zwar eine Diva, aber sie fasziniert mich weitaus mehr als etwa Sauvignon Blanc“, meint Ilonka, die aus der Scheurebe einem schlanken, duftigen Wein zaubert. Sozusagen Hollywood mit fränkischen Wurzeln.

Die Scheurebe ist auch eine der bevorzugten Sorten von Christian Stahl aus Auernhofen, am Rande des Taubertals. Der, laut einem Weinführer, „Aufsteiger des Jahres 2012“, nennt einen seiner Scheurebe-Weine ganz einfach Rauschgift. Wer probiert, wird schnell wissen, weshalb.

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Zu den Entdeckungen zählt auch Johannes Zang in Sommerach, der mit der Technik seines Grossvaters und dem Wissen von heute, Topweine wie den J 40, einen kraftvollen, fruchtigen Silvaner aus 40-jährigen Reben zaubert. Ebenfalls interessant ist zudem Tobias Hemberger aus Rödelsee, der seine ersten eigenen Weine unter dem Namen Gradwanderung anbot, gemäss der exakten Winkelangabe seiner Weinberge. Deshalb trägt der Silvaner den Namen 10° und der Riesling die 22° auf dem Etikett.

Bemerkenswert ist zudem das noch relativ junge Gut Wein von 3 in Zeilitzheim, dessen Chefs Alexander von Halem, Heiko Niedermeyer und Christian Werr über ihre Aktivitäten im Blog berichten. Nun, es gibt zugegeben noch einige weitere sehr empfehlenswerte Entdeckungen in Franken. Aber wer will schon sein Wissen beim ersten Mal komplett preisgeben.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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