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König Riesling – eine Rebsorte mit Charakter

König Riesling –  eine Rebsorte mit Charakter
Copyright iStockphoto kiko_jimenez

Etwas Geheimnisvolles umweht die Rebe mit dem eigenwilligen Namen. Ganz genau weiss nämlich niemand, wann die vor allem in Deutschland, in den USA und in Australien angebaute Königin aller weissen Sorten das Licht der Welt erblickte. Aber dass sie eine Menge Vorzüge in sich vereint, ist den meisten klar. Ein so weites Spektrum, vom durstlöschenden Trockentropfen bis zum edelsüssen Strohwein, bietet kaum ein Konkurrent.

Für die Fans des Rieslings gibt es nichts anderes, nichts Besseres, nichts, was dem Ruf und dem Geschmack ihrer Lieblingssorte nahe käme. Für alle anderen ist die Rebe mit dem deutschen Namen ein Unikum: einerseits von unstreitigem Ruhm, andererseits mit einigen speziellen Eigenschaften ausgestattet. Riesling besitzt mehr Säure als die meisten anderen kultivierten Edel-Rebsorten dieser Welt, und die aus ihm erzeugten Weine unterscheiden sich in einem ungewöhnlichen Masse voneinander.

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Kraftvoll und trocken kann Riesling sein, edelsüss und alkoholarm auch. Sogar das, was sonst keiner kann, bekommt die Spezialität hin: frische, duftige Weine mit unglaublicher Leichtigkeit und dramatischer Finesse. „Ich versuche, immer einen trockenen Riesling mit zehn Prozent Alkohol zu erzeugen“, sagt Moselwinzer Ulrich Stein aus Alf. Funktioniert fast in jedem Jahr.

ZENTRUM DEUTSCHLAND

In Deutschland ist Riesling die wichtigste weisse Sorte – seit dem Abklingen der Neuzüchtungsmode und trotz erstklassiger Silvaner oder Weissburgunder mittlerweile unumstritten. Rund 23.000 Hektare sind im Lande mit Rieslingreben bepflanzt – fast ein Viertel der Gesamtfläche und mit leicht steigender Tendenz.

Auch im internationalen Vergleich nehmen die hiesigen Anbaugebiete eine Sonderstellung ein: In Deutschland werden mehr Rieslinge gekeltert als in allen anderen Staaten der Welt zusammen. Die USA kommen zwar, was den Anbau der säurefrischen Spezialität angeht, auf Rang zwei, weisen aber trotzdem lediglich knapp 4.600 Hektare auf, Australien folgt danach, Frankreich (fast ausschliesslich das Elsass) auf Rang vier. Dass die österreichischen Rieslinge berühmt sind, darf nicht über ihre geringe Menge hinwegtäuschen: Nicht mal 1.900 Hektare sind in der austriakischen Republik mit der Königssorte bestockt.

INTERNATIONALER STIL UND EIN HAUCH AROMA

Die Österreicher sind allerdings bekannt geworden für das, was man auch als Gegenstück des typisch leichten Moselrieslings einstufen darf. Kraftvoller trockener Wein voller Schmelz und mit gern mal 14 Volumenprozenten Alkohol. So was kann, wenn es entsprechend vinifiziert wurde, burgundischen Stil erreichen, kann Eleganz und Fülle miteinander verbinden, ohne die berühmt-berüchtigte Säure vermissen zu lassen.

Bei dieser handelt es sich übrigens um genau jene Eigenschaft, die Neulinge vor Riesling zurückschrecken lässt. Vor allem in schwierigen Jahren wie 2010 können Weine dieser Sorte eigenwillig sein, nach Zitrus duften und eine knackig saure Komponente beisteuern: gewöhnungsbedürftig. Eine andere Zutat heisst Aroma und lässt sich auf die Herkunft des Rieslings zurückführen. Einer der Urahnen dieser vermutlich im Rheintal entstandenen Sorte war ein Traminer-Klon, und der hat eine noch heute wahrzunehmende Würze beigesteuert.

Dass auch Heunisch, eine mittlerweise fast ausgestorbene Sorte, mit von der genealogischen Partie ist, haben Forscher inzwischen herausgefunden. Wann sie erstmals kultiviert wurde, liegt dagegen im Dunkeln des Mittelalters: Erwähnt wurde der Riesling urkundlich erstmals im 15. Jahrhundert, echte Bedeutung bekam er spätestens 300 Jahre danach.

Als Qualitätssorte wurde er damals an der Mosel propagiert, häufig auch gegen den Willen der lieber und sicherheitshalber auf säureärmere Massenträger setzenden Winzer. Vor allem in schlechten Klimaperioden – die 1960er-Jahre liefern traurige Beispiele – reift Riesling an Mosel und Rhein nämlich nur schwer aus, ergibt einen grün wirkenden, allzu sauren und kaum geniessbaren Wein.

SÜSSE ZU SALZ

In exzellenten Jahren wiederum sind faszinierende Süssweine machbar, Trockenbeerenauslesen mit reichlich Edelfäule oder Eisweine mit glasklarer Frucht. Fast verschwunden ist dagegen der Strohwein, wie ihn Moselwinzer Ulrich Stein produziert. „Ich habe lange dafür gekämpft“, sagt der Kreativerzeuger über jene Kategorie an Süssigkeit, die im deutschen Weinrecht eigentlich gar nicht mehr vorgesehen ist.

Spezialitäten aus den auf Stroh getrockneten Trauben und andere Süssweine lassen sich übrigens nicht nur mit Desserts kombinieren, sondern auch mit salzigen Speisen. Nichts schmeckt besser als eine süsse Auslese zu frischen Austern! Trockene Rieslinge passen dagegen zu vielen Fischgerichten, die feinherb ausgebauten zu manchen – aber längst nicht allen – asiatischen Speisen. Mit vielen Käsesorten und Vorspeisen kann man Riesling vereinen, mit Geflügel und hellen Fleischsorten auch.

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Und Zeit lassen darf man sich beim Kombinieren eh: Die besten Rieslinge der Welt lassen sich über viele Jahre und Jahrzehnte lagern und werden, wenn man Flaschen mit guten Korken oder besser noch Schraubverschlüssen einkauft, über einen langen Zeitraum immer besser.

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Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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