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Alte Reben – Genuss aus den Tiefen der Weinberge

Alte Reben – Genuss aus den Tiefen der Weinberge
Copyright Weingut Gutzler

Alte Reben sind für Spitzenwinzer wie das Salz in der Suppe, unverzichtbar. Die Oldies bringen mehr Komplexität und Raffinesse in den Wein als ihre jüngeren Verwandten.

Junge Weine aus alten Reben. Betriebswirtschaftlich macht das nicht unbedingt Sinn, geschmacklich schon. In den deutschen Weinbergen gibt es im Gegensatz zur Alterspyramide der Bevölkerung bei weitem viel zu wenige Oldies unter den Rebstöcken.

Kein Wunder, je älter die Pflanzen werden, desto weniger Ertrag liefern sie. Deshalb empfehlen die Weinbauschulen auch alle 25 bis 30 Jahre die Reben zu erneuern. Qualitätsfanatiker wie der rheinhessische Winzer Klaus-Peter Keller halten sich zum Glück nicht an diesen Ratschlag.

Keller etwa bietet ein grandioses Grosses Gewächs aus über 60 Jahre alten Reben an. Deren Trauben sind dickschalig, klein und kerngesund, bringen aber nur 10 Hektoliter Ertrag pro Hektar.

Bei derartigen Erntemengen kann man keine Flasche für 1,99 Euro verkaufen. Da wundert es nicht, wenn die Oldies oft zugunsten junger Stöcke entfernt werden. Schade eigentlich.

Das meint auch Philipp Kuhn, Chef des gleichnamigen Pfälzer Weinguts, dessen älteste Anlage ein Rieslingweinberg aus dem Pflanzjahr 1962 stammt. „Die Bezeichnung Alte Reben ist wie eine kleine Marke. Und Marken sind nun mal die besten Kaufentscheider.

Nun gut, Weine aus Alten Reben bringen weniger Ertrag und sind in der Regel etwas teurer. Aber was bieten sie den Weingeniessern ausser einem Altersbonus, der bezahlt werden muss? Eine ganze Menge. Aber die Alten sind oft etwas eigenwilliger und nicht für jeden Gaumen geeignet.

Denn je älter der Rebstock, desto ausgeprägter ist sein Wurzelnetz. Weine aus jahrzehntealten Reben, deren Wurzeln durchaus 20 Meter tief in den Boden ragen können, haben in der Regel einen dichteren, komplexeren Geschmack.

Denn durch die langen, oft sehr verzweigten Wurzeln können im Idealfall mehr Mineralstoffe aus der Weinbergslage an die Trauben weitergegeben werden. Dadurch werden die Weine dreidimensionaler und viel subtiler.

Das Geheimnis des Alters

75 Jahre alte Rebstöcke auf dem Weingut von Gerhard Gutzler
75 Jahre alte Rebstöcke auf dem Weingut von Gerhard Gutzler

Das muss sich aber nicht immer gleich auf den ersten Schluck erschliessen, meint der rheinhessische Winzer Gerhard Gutzler. Seine Erfahrung zeige, dass diese Weine vor allem mit zunehmender Reifezeit, ab zwei Jahren, jüngeren weit überlegen seien.

Doch im Allgemeinen sind die Unterschiede von Anfang an schmeckbar. Es ist eine gewisse Tiefe und Vielschichtigkeit, die diese Weine ausmachen. Die Aromenkomplexität ist grösser und die Textur ist seidiger, feiner.

Das meint auch August Kesseler, dessen älteste Anlage aus dem Jahr 1939 stammt. „Diese Weine sind schlichtweg intensiver, egal ob in Bezug auf Mineralität, Fruchtausdruck oder Komplexität“, schwärmt der Rheingauer Winzer.

Zu Recht, wie man etwa beim Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling oder dem Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder schmecken kann.

Noch deutlich ältere Anlagen besitzt Ernst Loosen vom Weingut Dr. Loosen an der Mosel.

Seine Topweine aus der Lage Wehlener Sonnnenuhr stammen von 80 Jahre alten wurzelechten Reben und auf seinem ältesten Weinberg, Erdener Prälat, stehen sogar gut 120 Jahre alte wurzelechte Reben.

Leider aber gibt es immer noch keine sinnvolle Definition in Bezug auf Alte Reben. Offiziell dürfen Weine mit dieser Formulierung schon ab etwa 25 Jahre so bezeichnet werden. Das ist schön für Grosskellereien, macht aber wenig Sinn. Denn ihren subtileren Charme entfalten Rebstöcke erst nach frühestens 40 Jahren. Daher lohnt es sich stets nachzufragen, wenn auf den Etiketten kein Hinweis auf das Pflanzalter angegeben ist.

Wie auch immer – es gibt noch einen weiteren Pluspunkt für die Alten Reben. Egal ob die Stöcke nun 36 oder 55 Jahre alt sind, als Geburtstagsgeschenk oder zu einem Jubiläum sind solche Weine ein nicht alltägliches Präsent und davon kann man im Gegensatz zu Krawatten oder Socken nie genug haben.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

Kommentare

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Frank Bank

"dichter, komplexer, subtiler, dreidimensionaler"??? Was für ein Quark. Wein ist ein Gesöff, dass besoffen machen soll. Punkt. Jedem, der Mathe in der Schule hatte, dreht sich außerdem bei der Steigerung des Wortes "dreidimensional" der Magen um.

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