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Weingut Rudolf Fürst – Mehr als ein Burgundermärchen

Weingut Rudolf Fürst – Mehr als ein Burgundermärchen
Copyright Weingut Rudolf Fürst

Es war einmal. Ein 21-Jähriger wollte in die weite Welt, um dort die Geheimnisse erfolgreicher Winzerkunst kennenzulernen. Doch dann wurde seine Welt auf den Kopf gestellt.

Franken ist Silvanerland, so das Motto der örtlichen Weinwerbung, klar, und die Erde ist eine Scheibe. Wer die Region immer noch für ein Land dieser weissen Traube hält, sollte einmal nach Bürgstadt fahren. Zu Paul Fürst, Chef des Weinguts Rudolf Fürst, und zu seinen Toplagen Hunsrück und Schlossberg. Von Weissweinreben keine Spur. Stattdessen herrliche Spätburgunderstöcke, um die ihn selbst die allermeisten Winzer in der Pinot Noir-Kultregion Burgund beneiden würden.

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Zumindest spätestens seit Anfang 2013, als auf einer Vergleichsprobe von je 20 internationalen und deutschen Spätburgunder-Weinen in Hongkong ausgerechnet ein deutscher Rotwein Sieger wurde, der 2006er Centgrafenberg Spätburgunder „R“, eine weitere Toplage des fränkischen Winzerstars.

BBIB, Burgund beginnt in Bürgstadt, titelte damals die Presse. Nun ja, zugegeben, Paul Fürst hat ein Faible für französische Burgunder, besitzt zudem französische Pinotpflanzen und arbeitet auch mit französischen Barriques. Doch ihn einfach als genialen Kopierer französischer Winzerkunst zu betrachten, wäre völlig falsch. Denn Paul Fürst kann mehr, viel mehr.

Von klein auf Grosses vor

Doch erst zurück zu den Anfängen. Auch wenn Paul Fürst schon seit seiner früheren Jugend Winzer werden wollte, als Kind war er wenig begeistert, wenn er in den damals 1,5 Hektar Weinbergen in der Lage Bürgstädter Centgrafenberg mithelfen musste und von dort aus sehen konnte, wie sich seine Schulfreunde im Freibad direkt gegenüber amüsieren durften.

Doch mit 18 begann er seine Ausbildung in einigen deutschen Weinbetrieben und wollte drei Jahre später nach Kalifornien, um sich dort den letzten Schliff zu holen. Kurz vor der Abreise aber starb sein Vater Rudolf Fürst und Paul musste als ältester Sohn zusammen mit seiner Frau Monika sofort die Verantwortung übernehmen. Das tat er auch – und wie.

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Kelterhaus im Weingut Rudolf Fürst

Nach und nach kaufte er Rebflächen hinzu, zuerst einmal am Centgrafenberg und erwarb später noch Filetstücke in den Lagen Bürgstädter Hunsrück und Klingenberger Schlossberg. Von Beginn an bewies er sein Geschick im Umgang mit dem Spätburgunder und spätestens seit die Zeitschrift „essen & trinken“ ihn Anfang 1994 ihren Lesen präsentierte, wurde er auch bei Nichtweinbücher-Lesern weit über die fränkischen Grenzen hinaus bekannt. Zuerst natürlich als Rotwein-Fürst. Doch zeigte er damals bereits, dass er auch Weisswein kann. Ob Weissburgunder, Chardonnay, Riesling oder Silvaner, Paul Fürst beherrscht auch diese Sorten äusserst beeindruckend und kann eben damit weit mehr als seine Kollegen aus Burgund.

Starkes Duo

Heute bewirtschaftet Paul Fürst rund 20 Hektar Rebflächen und führt seit 2007 zusammen mit seinem Sohn Sebastian, der sein Handwerk unter anderem auch in Burgund lernte, den Betrieb. Mittlerweile zählt ihr Name nicht nur zur deutschen Winzerelite, sondern ist auch international eine grosse Nummer. Und Paul Fürst hat das einst Versäumte längst nachgeholt und nicht nur Kalifornien bereist. Nur den letzten Schliff, den braucht er nicht mehr.

Wie es sich für ernstzunehmende Toperzeuger internationalen Niveaus gehört, beherrschen die beiden Fürsts auch die Kunst der überzeugenden Basisweine, zu der die Weissweinlinie „pur mineral“ und die Rotweinlinie „Tradition“ zählen. Richtig geschmacks-künstlerisch wertvoll sind dann die Reserveweine „R“ und die Grossen Gewächse, mit denen Vater und Sohn regelmässig locker die 90 Punkte-Grenze überschreiten. Und die Grossen Gewächse vom Spätburgunder der Lagen Hunsrück und Schlossberg befinden sich meist in der Top 10-Liste deutscher Rotweine.

Das hat man längst auch ausserhalb der Landesgrenzen registriert und so sind die fürstlichen Weine in vielen bekannten Restaurants in aller Welt anzutreffen. Und auch die Franken haben sich damit abgefunden, dass sie nicht mehr nur Silvanerland sind.

Wie aber wird es bei Paul und Sebastian Fürst weitergehen? Sicher auf höchstem Niveau und dafür wird neben der weitgehend ökologischen Bewirtschaftung auch die Arbeit im neuen Kelterhaus sorgen, in dem der Burgunderausbau noch schonender stattfinden soll.

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Da mag es ratsam erscheinen, sich mit einigen Jahrgängen einzudecken und später einmal Vergleichsproben mit den Fürst-Weinen durchzuführen. Und auch wenn man ausserhalb von renommierten Restaurants nur schwer an ältere Weine von Paul und Sebastian Fürst herankommt, es macht Spass, auch seine 10 bis 15 Jahre alten Spätburgunder zu geniessen.

„Am meisten freuen wir uns, wenn unsere Kunden begeistert erzählen, welche gereiften Flaschen sie beispielsweise vom Centgrafenberg getrunken haben“, beschliesst Paul Fürst das Interview. Und öffnet ein paar ältere Jahrgänge.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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