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Fruchtfliegen schaden dem Weingeschmack

3. Dezember 2017 11:25

SCHWEDEN (Uppsala) – Schon eine weibliche Fruchtfliege reicht aus, um den Geschmack einer ganzen Weinflasche zu verändern. Schuld daran sind ihre Hormone.

Von Ruth Preywisch

Jeder kennt die kleinen Fliegen, die sich gerade im Sommer und Herbst gerne auf Obst, in Säften und auch in Weingläsern niederlassen. Sind sie einmal gelandet, fischen die meisten die Fliegen einfach raus. Doch schwedische Wissenschaftler der Universität für Agrarwissenschaften haben jetzt herausgefunden, dass das nicht hilft. Denn die Fruchtfliegen verändern den Geschmack des Weins schon innerhalb von Sekunden zum Negativen.

Der Flug ins Weinglas ist bei frustrierten Männchen oft eine Mission mit selbstmörderischem Hintergrund.
Der Flug ins Weinglas ist bei frustrierten Männchen oft eine Mission mit selbstmörderischem Hintergrund.

Das ist allerdings nur der Fall, wenn es sich um weibliche Fruchtfliegen handelt. Schuld daran sind laut den Forschern Hormone, mit denen die Weibchen die Männchen anlocken wollen.  Schon ein Nanogramm des Pheromons reicht aus, um dem Wein einen unangenehmen Geruch und Geschmack zu verpassen. Die Insekten sondern pro Stunde etwa 2,4 Nanogramm des Lockstoffes ab.

Für ihren Versuch haben die Forscher in verschiedenen Gläsern mit Wein Fruchtfliegenmännchen und -weibchen versenkt und sie nach unterschiedlichen Zeitintervallen wieder herausgefischt. Der Wein wurde dann von Experten probiert. Das Ergebnis war eindeutig: Es reichte schon, wenn die weibliche Fliege nur mal kurz ins Glas gefallen war und sofort wieder rausgefischt wurde. Auch im Wein ertränken hilft nicht – die Fliegen haben das Hormon auf der Oberfläche ihres Körpers.

Doch zum Glück trifft das nur auf die Weibchen zu. Und diese sind dem Wein weit weniger zugetan als die Männchen. In einer Studie haben US-amerikanische Forscher der University of California im Jahr 2012 nämlich nachgewiesen, dass männliche Fruchtfliegen, die keinen Sex bekommen, gezielt Trost im Alkohol suchen. Die Forscher hatten im Labor männliche und weibliche Fruchtfliegen zusammengebracht, die sich zuvor bereits gepaart hatten.

Die Weibchen hatten folglich kein Interesse mehr an Sex und wiesen die Männchen zurück. Liessen die Wissenschaftler den frustrierten Fliegenmännchen anschliessend die Wahl zwischen normalem und ethanolhaltigem Futter, stürzten sie sich auf den Alkohol.

In jedem Fall scheint es angebracht, sein Weinglas in der Fruchtfliegenzeit abzudecken. Zum Schutz vor Geschmacksveränderungen, aber auch zum Schutz der Insekten vor ihrer eigenen Lust am Alkohol, die meistens tödlich endet.

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