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Heidi Schröck – Mit Mut und Herz bei der Sache

Heidi Schröck – Mit Mut und Herz bei der Sache
Copyright Steve Haider

Sie ist eine Optimistin, Feministin, Netzwerkerin, Individualistin, Passionistin, Patriotin, Geniesserin, Partnerin – und ganz nebenbei eine der besten Winzerinnen Österreichs: Heidi Schröck ist das, was Frauen gerne sind: facettenreich. Ebenso wie ihre Süssweine, denen sie nun eine ganz neue Stimme gibt.

Was ist Mut? Ist Mut sich selbst treu zu bleiben, egal wie stürmisch es auch mal sein mag? Ist Mut eigene Wege zu beschreiten, auch wenn andere das Ziel nicht erkennen? Oder vielleicht einen Beruf zu ergreifen, der dem eigenen Geschlecht erst einmal nicht zugesprochen wird?

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Heidi Schröck ist mutig, denn sie übernahm den familiären Betrieb im österreichischen Rust am Neusiedler See Anfang der 1980er Jahre. In einer Zeit, in der Frauen nicht typischer Weise die Spitze eines Weinguts bildeten. In einer Zeit, in der Österreichs Weinwelt von einem der grössten historischen Skandale gebeutelt – und auf Identitätssuche war.

Und um diese zu finden, schenkte sie ihr Herz auch noch zwei Nischenprodukten. Ein leichter Weg sieht wahrlich anders aus. Aber dieser wäre auch nicht Heidi Schröcks Weg gewesen. „Frauen gehen anders an Dinge heran als Männer“, ist sich die Ausnahmewinzerin sicher. „Und sie sind oft mutiger.“ Eben.

Wo wir sind

Heidi Schröck bei der Lese
Heidi Schröck bei der Lese

Ihre Heimat ist das nördliche Burgenland. Am Westufer des Neusiedler Sees liegen die rund zehn Hektare Weingärten in den besten sonnenverwöhnten Lagen der Stadt Rust. Hier treffen einige Besonderheiten aufeinander, die dem Anbau von Wein wohl gesonnen sind. Der grosse Steppensee dient als Temperaturregler, der der Hitze in der pannonischen Tiefebene ihre sengenden Spitzen nimmt.

Diese Ebene entstand vor Millionen von Jahren und bildete die Basis für das heutige Terroir. Der „Ruster Schotter“ besteht aus lehmigem Sand, Kalk und Urgestein. Auch die Bernsteinstrasse – eine altertümliche Handelsroute, die einst die Nord- und Ostsee mit dem Süden verband – hinterliess in Form von Tonscherben Spuren.

Geschichten erzählen nicht nur die Böden. Auch so manche Rebe weiss viel zu berichten, denn die ältesten Weingärten wurden 1955 angepflanzt; die jüngsten 2013. Welschriesling, Weissburgunder, Grauburgunder, Gelber Muskateller, Furmint, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Blaufränkisch und Zweigelt wachsen hier unter dem wachsamen Auge und der liebevollen Pflege der Winzerin.

„Wein wird im Weingarten gemacht“, weiss Heidi Schröck. Er ist ihr liebster Arbeitsplatz. Auf du und du mit jeder einzelnen Rebe. Dem Wind zu lauschen, den Vögeln. Die Kraft und Ruhe der Natur in sich aufzunehmen. „Da draussen sein, reinigt und ist unheimlich meditativ.“ Und: „Es führt mich manchmal auch an meine Grenzen.“

Ähnlich wie beim Aufziehen eines Kindes zeigen Natur und Wetter ihr ein ums andere Mal: Pläne gehen selten auf. „Oft ist eher ein Reagieren als ein Agieren.“ Doch wenn man Dingen seinen Lauf lässt, kommt Besonderes heraus. Auch das hat sie im Lauf der Jahre gelernt.

Was sie macht

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Begeisterung, Geduld, Vertrauen, Respekt, Können und die Verbundenheit mit dem Land, auf dem ihre Vorfahren seit mehr als 300 Jahren Wein anbauen – das sind wesentliche Bausteine des Erfolges von Heidi Schröck. Auch sie erzählt Geschichten – mit ihren Weinen, die vielerorts auf dieser Welt Kultstatus geniessen.

Ihr Herz gehört zum einem dem Furmint. Einer fast vergessenen weissen Rebsorte, die erstmals im 17. Jahrhundert in Ungarn auftauchte. Ihr hauchte sie nicht nur neues Leben, sondern auch eine kraftvolle Eigenständigkeit ein. Doch vor allem gehört ihr Herz Rust – und dem süssen Gold für das der Weinort heutzutage weltberühmt ist.

Ein Erfolg, den der „Ruster Ausbruch“ – „das historische Erbe der Stadt“ – nicht zuletzt auch dem festen Glauben und dem nicht immer bequemen Weg der unermüdlichen Optimistin verdankt. „Als ich 1983 das Weingut meiner Eltern übernahm stand Österreichs Weinwelt kurz darauf mit beiden Beinen in einer Krise; war gebeutelt vom grossen Weinskandal“, erinnert sie sich.

Doch was einst wie der Untergang einer der grössten Weinnationen Europas erschien, war rückblickend eine Neugeburt. Wie ein Phönix schälte sich die Weinszene des Landes aus der Asche und breitete ihre Flügel wieder aus. Wie? „Wir mussten uns wieder finden. Unseren USP, wie man heute so schön sagt, erkennen – und ihn mit Qualität und Herzblut füllen.“ Nichts lag näher, als sich dabei auf etwas zu konzentrieren, das in Rust schon längst vorhanden und seitjeher mit dem Ort tief verwurzelt war.

Der „Ruster Ausbruch“ ist mehr als nur ein Süsswein, dessen Trauben durch den Befall der Edelfäule Botrytis Cinerea besonders konzentrierte Aromen entwickeln. „Er ist so finessenreich, nicht zu schwer, komplex und wird durch verschiedenste Stile gelebt.“ Entscheidend ist der Ursprung – „unsere Böden und Klima machen den Unterschied“ – , sein elegantes Süsse-Säure-Spiel und Gradation einer Trockenbeerenauslese von 156° Öchsle.

Um diesen Wein eine Stimme zu verleihen, gründete Heidi Schröck mit einigen Kollegen 1991 den Cercle Ruster Ausbruch. Anfangs war sie das einzige weibliche Mitglied. „Winzerinnen waren früher eben nicht an der Tagesordnung“, lacht sie beschwingt. Denn auch hier hat sich viel getan, weiss die bekennende Feministin.

Ein weiterer Sieg nach einem langen Kampf: Seit dem 14.06.2016 gilt der „Ruster Ausbruch“ im Österreichischen Weingesetz als geschützt. „Ein Meilenstein. Ein langer Weg. Mir viel ein Stein vom Herzen“, freut sie sich noch heute.

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Copyright Nicole Heiling Photography

Was sie will

Heidi Schröck liebt Süssweine. „Sie verkörpern Luxus, den man sich täglich gönnen kann“, meint sie verschmitzt lächelnd. Der „Ruster Ausbruch“ nimmt, ihrer Meinung nach, dabei den Thron vor dem süssen Gefolge aus Eiswein, Sauternes, Tocai und Co. ein. Und doch können sie alle mehr als man ihnen bislang zutraute, ist sie sicher. „Süssweine sind wunderbare Speisebegleiter.“

Genau diese Kombination Geniessern schmackhaft zu machen, ist ihr neuestes Steckenpferd. In einer Welt, in der allein schon wegen der sinkenden Promillegrenze immer weniger Wein getrunken werde, und vielen die Kombination von einem süssen Dessert und einem süssen Wein oft einfach zu süss sei, „brauchen diese edlen Weine eine neue und herausfordernde Aufgabe“, meint Heidi Schröck, die einmal mehr bereit ist, anderen den Weg zu ebnen.

Frau Schröck, Süsswein und würziges Essen – das geht?

Ganz wunderbar sogar. Denken Sie nur an den Trend der natürlichen Fruchtsäfte. Die sind auch süss und gute Speisebegleiter.

Haben Sie eine Lieblingskombination?

Oh ja. (Sie lacht herzlich.) Szegediner Gulasch, dass es bei uns so gut gibt, und dazu eine Beerenauslese. Oder ein geräucherter Wels, hauchdünn aufgeschnitten mit einer Limettencréme, Sahne, Frischkäse, Zitronenpfeffer und dazu eine Spätlese. Das ist himmlisch. Ich mag aber auch einen Ausbruch zum gereiften Gouda.

Da bekommt man ja richtig Lust zum Probieren. Was lieben Sie am Leben mit Wein?

Das nicht wissen, was dabei rauskommt. In einer gewissen Weise gestalten zu können und, dass er mich mit unheimlich vielen Menschen in Verbindung bringt. Und die Handarbeit. Bei uns ist die Lese 100 Prozent von Hand.

War für Sie immer klar, dass Sie mal das familiäre Weingut übernehmen?

Nein. (Sie schüttelt heftig den Kopf.) Ich wollte nach der Matura nicht gleich studieren und dann meinte mein Vater, ich solle doch so lange ein bissel helfen. Und dann hat’s mich nicht mehr losgelassen. Aber langweilig wäre mir eh nie geworden. Mich interessieren so viele Dinge.

Können Sie sich ein Leben ohne Genuss vorstellen?

Nein, denn Genuss ist für mich vieles. Ein gutes Essen, singen im Chor, ausgiebig wandern … wobei wandern jetzt nicht an ein gutes Essen herankommt. (Sie lacht.)

Ihre Arbeit ist geprägt von Liebe zum Produkt – aber vor allem auch zu Ihrer Heimat. Was lieben Sie an Ihrem Rust?

Die Weite. Den unendlichen Blick vom Hügel bis zum Horizont. Dass die lange Geschichte hier überall spürbar ist. Ich wohne in einem uralten Haus, das ist herrlich. Und, dass ich immer vor die Tür, einen Kaffee trinken kann und dann a bissel was los ist.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Mehrere. Freude muss immer dabei sein. Ich bin so eine Optimistin, daher „Never, never give up“ – und dabei immer Unerwartetes erwarten.

Und ein Weinmotto?

À la Fräulein Smilla … Heidis Schröcks Gespür für süss. (Sie schmunzelt.) Ich will, dass meine Arbeit nicht nur gut für mich ist. Darum bemühe ich mich, immer vorauszuschauen. Erst, wenn Ideen auch anderen dienlich sind, sind sie gut.

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Ihre beste und Ihre schlechteste Eigenschaft?

Ich bin optimistisch. Das ist die Gute. Und ein bissel stur. Das ist eher schlecht. (Sie grinst.)

Wirklich, fragt man sich still und leise, bei all dem, was sie mit Ihrer „Sturheit“ so erreicht hat …

Weitere Informationen unter www.heidi-schroeck.com

Über die Autorin

Es gibt sie ganz selten. Doch Anja Hanke hat das grosse Glück zu ihnen zu gehören: Den Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Sie liebt gutes Essen, handgefertigte Weine, erlesene Produkte und diese Verbindung an den verschiedensten Orten dieser Welt einzufangen – und für ihre Leser genussvoll aufzubereiten.

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