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Unterwegs auf der Sächsischen Weinstrasse

Unterwegs auf der Sächsischen Weinstrasse
Copyright Schlichtholz

Am Elbbogen nördlich von Meißen kommt der Frühling etwas eher, und der Herbst bleibt ein wenig länger. „Sächsische Riviera“ wird der liebliche Landstrich um Diesbar-Seußlitz deshalb und auch seiner hier auf fruchtbaren Lössböden gedeihenden Weine wegen genannt. Die sind seit der Wende wieder buchstäblich in aller Munde und mischten sogar in der hohen Politik mit.

Zur Erinnerung: Den Ostwinzern sollte einst per Bundestagsbeschluss das Recht verweigert werden, ihre Ware „Sachsenwein“ zu nennen. Der Name sei schon durch einen rheinischen Erzeuger besetzt. Dieses seltsame Verlangen scheiterte, und der Sachsenwein ist längst wieder ein Erfolgsprodukt.

Etwa vom kleinen Weingut der Familie Lehmann, zu Füssen des Bösen Bruders, einem Felsen am Elbufer von Diesbar-Seußlitz, der seinen Namen einer sächsischen Sage verdankt. Ihre Weinstube lädt mit einem riesigen Fass und einem schmucken Hinweisschild zur Einkehr ein. Die Gewächse aus den eigenen Weinbergen reichen vom trockenen Weissburgunder und Bacchus über den halbtrockenen Müller Thurgau bis zum lieblichen Traminer.

Selbstverständlich gibt es von jedem auch einen Schoppen im zünftigen Römer. An warmen Tagen ist die Terrasse vor dem weiss getünchten, alten Bauernhaus der beste Platz. Man sitzt unter uralten Kastanien und geniesst den herrlichen Blick auf die Elbe. Drinnen geben antike Krüge, originale Urkunden und rustikales Mobiliar der Schankstube die Patina der Tradition.

Denn schon Mitte des 16. Jahrhunderts gestattete Kurfürst August I. von Sachsen jenen Winzern im Frühjahr und Herbst Wein in Kannen im eigenen Haus „Zum Ausschank zu bringen“, die selbst über genügend Weinwuchs verfügten. Die heutigen Weinstuben waren somit die ersten Wirtschaften entlang der Elbe, der man die Konzession erteilte und in der seit 1880 eigener Rebensaft verkostet wird.

Qualität am Steilhang

Die Seußlitzer Steillagen
Die Seußlitzer Steillagen

Der Lehmann`sche Wein gedeiht auf nur 1,2 Hektar Steillage, und einiges an Trauben muss der Inhaber des traditionsreichen Familienbetriebes hinzukaufen, um so viel zu keltern, dass der Vorrat von einer Lese zur anderen reicht. Joachim Lehmann, der Seniorchef, war der erste Ostdeutsche Winzer, der sich seit 1991 bei der Deutschen Weinsiegel GmbH, mit mehreren seiner Produkte um die Auszeichnung „Deutsches Weinsiegel“ bewarb – und erfolgreich war.

Da sein charaktervoller Spitzenwein den kleinen, steilen Hanglagen regelrecht abgerungen werden muss und die erzeugte Menge so gering ist, dass ein Vertrieb nicht in Frage kommt, gehören seine Gewächse auch nicht zu den preiswertesten. Trotzdem kann man ein paar Flaschen für zu Hause mitnehmen.

Zuvor sollte man sich aber einen Abstecher in das nur ca. 12 km entfernte Meißen nicht entgehen lassen. Schon der Weg dahin, vorbei an Wein bewachsenen Steilhängen auf der einen und der Elbe mit ihrem bizarren Flusslauf auf der anderen Seite, ist ein Erlebnis. Neben dem mittelalterlichen Stadtkern, dem imposanten Meißner Dom und der berühmten Porzellanmanufaktur lohnt unbedingt der Besuch der Albrechtsburg.

Wann man am besten hinfährt? Im Herbst, denn die Highlights entlang der Sächsischen Weinstrasse sind natürlich die alljährlichen Weinfeste, wie am 25.09.-27.09.2015 in Meißen und Radebeul sowie am 03.10-4.10. 2015 die Federweissermeile in Diesbar-Seußlitz.

Weitere Informationen unter www.weingut-joachim-lehmann.de und unter www.elbweindörfer-sachsen.de

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