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Marchese Antinori – Das toskanische Starweingut

Marchese Antinori – Das toskanische Starweingut
Copyright Kevin Cruff

Die Familie Antinori besitzt nicht nur ein Weingut in der Toskana, sondern gleich elf Betriebe. Damit zählt die Florentiner Adels-Familie, deren Weinwurzeln bis ins Jahr 1385 zurückreichen, zu den grössten, bedeutendsten und dazu renommiertesten Weinproduzenten ganz Italiens. Grund genug, sich einmal vor Ort umzusehen.

Das neuste Weingut der Familie nennt sich Antinori nel Chianti Classico und liegt etwa eine halbe Stunde von Florenz entfernt in der Nähe der Ortschaft San Casciano Val di Pesa. Fertiggestellt wurde es nach siebenjähriger Planungs- und Bauphase im April 2012 und kostete immerhin gut 100 Millionen Euro. Dabei sieht man es kaum. „Wir wollten das Gebäude so in die hügelige Landschaft integrieren, dass man es auf den ersten Blick nicht bemerkt“, meint Albiera Antinori. Die Mittvierzigerin und älteste der drei Töchter des Marchese Piero Antinori ist daher auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Tatsächlich ist von aussen nicht einmal andeutungsweise zu erkennen, dass der grossteils unterirdisch gelegene Bau die stattliche Grösse von rund 40.000 Quadratmetern einnimmt. Neben Büros, einem Museum, einem multimedialen Raum für bis zu 186 Personen, einem Weinshop und einem grossen Restaurant ist hier auch ein verglaster, einige Stockwerke umfassender Weinkeller integriert. Hier können alle Phasen der Weinerzeugung wie auf einer Bühne von den Besuchern beobachtet werden, von der Traubenannahme bis zur Flaschenabfüllung.

Eine experimentierfreudige Familie

Da hätte man viel zu sehen, schliesslich werden derzeit pro Jahr rund 3 Millionen Flaschen produziert. Und zwar mit vom Feinsten, was Antinori zu bieten hat, etwa Pèppoli Chianti Classico und Marchese Antinori Chianti Classico Riserva. Aber Albiera, die Vizepräsidentin des Familienunternehmens, hat auch noch andere Favoriten, etwa den Solaia, das Aushängeschild der Antinoris, oder die Weine von der Tenuta di Monteloro in Pontassieve bei Fiesole. Dort experimentiert sie auf bis zu 600 Meter hohen Lagen mit weissen Rebsorten, die man in der Toskana eher nicht erwartet. „Wir wollen dort Weine produzieren, die einen nördlichen Charakter aufweisen“, erläutert sie. Der Mezzo Braccio ist ein rebsortenreiner Riesling und der Scabrezza ist eine Cuvée aus Pinot Blanc und Pinot Grigio. Demnächst kommen dort auch noch Gewürztraminer und Sauvignon Blanc in Ertrag.

Aber ist die enorme Investition in die neue Kellerei kein Wagnis angesichts der meist billigeren Konkurrenz aus südlicheren Regionen? Da verweist sie auf ein Zitat ihres Vaters, der einmal sagte, dass die Weine aus Apulien oder Sizilien weniger mit den toskanischen Gewächsen, sondern eher mit Weinen aus Übersee vergleichbar seien. Die Toskana aber sei und bleibe eine komplett andere Liga. „Keine Imitation, sondern Originalität und ein eigener Stil sind wichtig, dann haben unsere ebenso wie andere gute toskanischen Weine auch weiterhin eine grosse Zukunft“, meint Albiera, die wie ihre Familie die Kombination Wein und Essen liebt und das auch gerne weitervermittelt.

Das passende Essen zum Wein

Daher eröffneten die Antinoris auch gastronomische Projekte, etwa die beiden Cantinetta Antinori in Zürich und Wien. „Dort kann man erleben, wie gut unsere Weine zum Essen passen.“
Nicht nur dort. Denn zu ihrem Weinfavoriten Tignanello, der nun auf dem Tisch steht, servieren die Kellner gerade Albieras Lieblingsessen zu diesem Weinklassiker: Risotto mit Taubenbrüstchen und ein klassisches „Bistecca alla Fiorentina“, das Steak vom berühmten toskanischen Chianina-Rind. Und tatsächlich, beide Gerichte sind traumhafte Begleiter zu diesem Super Tuscan.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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