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Die Trentino-Traube – Teroldego im Aufwärtstrend

Die Trentino-Traube – Teroldego im Aufwärtstrend
Copyright Weingut Endrizzi

Die autochthone Sorte aus dem Trentino hat einen langen Leidensweg hinter und eine vielversprechende Zukunft vor sich.

Teroldego liefert süffige, fruchtige Rotweine mit einem Hang zum Banalitätsniveau, sagen die einen. Die Sorte ist prädestiniert für hochkarätige, langlebige und, bei aller Eleganz, intensiv schmeckende Gewächse, behaupten ihre Fans. Tatsächlich haben beide Fraktionen recht.

Der Grossteil der auf dem Markt anzutreffenden Weine liefert reichlich Belangloses für den Gaumen, denn die Sorte wird vor allem von den grossen regionalen Genossenschaften in der Regel als einfaches Tröpfchen für die einfache Küche ausgebaut.

Leider, schliesslich hat die erstmals im Jahre 1383 urkundlich erwähnte Sorte laut einer Analyse des Istituto Agrario di San Michele all’Adige unter anderem eine enge genetische Verwandtschaft zu Lagrein und Syrah. Nun könnte man die Ansicht hegen, dass man im Laufe von 630 Jahren weiss, wie man mit einer Sorte am besten umgehen kann. Doch da sie hauptsächlich im Campo Rotaliano, der Rotaliana-Ebene, daher auch ihr geläufiger Name Teroldego Rotaliano, im Etschtal auf nur rund 400 Hektar wächst, scheint man sie als Nischenrebe gerne zu vernachlässigen.

Um höhere Erträge zu erzielen, wurde ab den 1960er Jahren zudem ein Klon gezüchtet, der innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt nahezu die alten Rebstöcke verdrängte und die Sorte zu einem Massenträger verkommen liess. Recht viel daran geändert hat sich seitdem wenig.

Aber wer die rote Diva namens Teroldego versteht und mit ihr auf Augenhöhe umzugehen weiss, dem zeigt sie, welches enorme Potenzial in ihr schlummert. Dazu zählen in erster Linie die Weingüter Foradori und Endrizzi.

Verborgenes Potenzial

Die Familie Endrizzi vereint auf dem eigenen Gut
Die Familie Endrizzi vereint auf dem eigenen Gut

„Lange Zeit wurde Teroldego als Fasswein verkauft oder zum Verschnitt mit anderen Sorten verwendet, da der Farbgehalt sehr hoch ist. Dazu ist der Wein in der Jugend durchaus charmant und bietet sehr viel Sauerkirsche und Waldbeeren sowie Veilchendüfte.

Dies führte dazu, dass der Wein zu früh getrunken wurde und sein Alterungspotential unentdeckt blieb“, merkt Lisa Maria Endrici an. Die Jungwinzerin vom Weingut Endrizzi nimmt sich daher seit kurzem verstärkt dieser Sorte an.

Nun sind die überzeugendsten Weine aus der Sorte, die sehr wahrscheinlich nach dem Ortsteil Teroldeghe der Gemeinde Mezzolombardo benannt wurde, nicht allzu lange auf dem Markt. Zu den ganz grossen Jahrgängen der letzten zehn Jahre zählen der 2009er und der 2011er.

Für Christine Endrici, Mitbesitzerin des Weinguts Endrizzi, ist speziell der 2011er qualitativ einer der besten der letzten Jahrzehnte. „Der Sommer war nicht zu warm und hatte ausreichende Niederschläge, sodass die Trauben optimale Vorraussetzungen für eine gute Reife hatten.“

Das schmeckt man bereits, obwohl die Topweine dieses Jahrgangs, darunter auch der Teroldego Granato von Elisabetta Foradori ihre besten Seiten noch etwas verbergen. Eben wie eine Diva.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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