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Revolution im Weinberg – vom Umgang mit Wasser

Revolution im Weinberg – vom Umgang mit Wasser
Copyright Carlos Serrano

Klar, ohne Wasser kein Traubenwachstum. Daher setzt man vor allem in heisseren Regionen auf Bewässerungssysteme. Und verbraucht viel Wasser um viele Trauben und viel Umsatz zu machen. Das schadet auf Dauer der Umwelt. Doch es geht auch anders.

In so manchen Regionen der internationalen Weinwelt herrscht Wasserknappheit. Schuld daran ist nicht immer nur der Klimawandel. Gerade in Zeiten des südamerikanischen Weinbooms gegen Mitte der 1990er Jahre legten viele Betriebe neue Weinberge an und begannen diese eifrig zu bewässern.

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Nun, zur Klarstellung, das ist weder ein südamerikanisches noch ein weinbaulich bedingtes Phänomen, man kennt solche Situationen auch zum Beispiel von anderen landwirtschaftlich geprägten Gegenden oder von sehr grossen, sehr gepflegten Rasenflächen in eher wasserknappen Regionen. Nach dem Motto „Viel hilft viel“, solange es dem Wachstum dient. Egal, woher das Nass kommt. Während aber ein Bilderbuchrasen im Allgemeinen ohne genügend Regen oder anderweitiger Wasserzufuhr eher zu einem bräunlichen Erscheinungsbild neigt, ist es im Grunde bei Reben anders.

Wider die Verschwendung

Ein Weinstock muss zumindest manchmal leiden, lautet eine alte Winzerregel, die noch heute ihre Gültigkeit hat. Sofern man es nicht auf Supererträge anlegt. Im Prinzip verhält es sich mit der Bewässerung wie mit der ökologischen Bewirtschaftung der Weinberge. Je weniger der Boden mit chemischen Spritzmitteln aller Art bearbeitet wird und je naturbelassener das Bodenleben ist, desto natürlicher und lagentypischer sind die Aromen, die von den Wurzeln der Weinrebe aufgenommen und an die Trauben weitergegeben werden.

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Aurelio Montes in seinem Weinkeller in Chile

Bei der Bewässerung gilt grob formuliert ähnliches: Sofern die Rebe nicht wegen akut anhaltenden Wassermangels vertrocknet, desto deutlicher wird der Lagengeschmack, das Terroir, im Wein schmeckbar.

Daher stellen auch immer mehr Spitzenweingüter in aller Welt ihre Bewirtschaftung auf ökologischen oder zumindest weitgehend ökologischen Anbau um. Das ist auch bei Aurelio Montes der Fall. Der Starwinzer aus Chile bewirtschaftet seit 2009 im Rahmen eines UNO Umweltprogramms seine Weinberge kontrolliert naturnah. Dazu ist die ökologische Bedenklichkeit von intensiver Bewässerung dem Besitzer von Viña Montes seit vielen Jahren ein Dorn im Auge.

Und das brachte ihn auf eine folgenreiche Idee. “Wir möchten beweisen, dass man nicht jedes Jahr bewässern muss“, begründet Aurelio Montes seine Experimente mit der Wasserzufuhr und will seine Forschungen durchaus als Massstab für die internationale Weinwelt im Zeichen des Klimawandels verstehen.

Denn nicht nur in Chile wird der Wassermangel während der Wachstumsphasen der Trauben zu einem ernstzunehmenden Problem. Vier Jahre experimentierte er daher zusammen mit einem Forschungsteam auf ausgewählten Parzellen mit verschiedenen Bewässerungsmengen von 0 bis 100 Prozent an fünf verschiedenen roten Rebsorten und beobachtete die Entwicklung der Trauben.

Parallel dazu wurde auch mit dem Boden, der Bodenbearbeitung, dem Rebschnitt und der Laubarbeit experimentiert. “Im ersten Jahr leiden die Pflanzen sehr, doch schon im zweiten Jahr haben sie sich erstaunlicherweise an die neue Situation gewöhnt”, so Aurelio.

Starke Resultate

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Anbaugebiet des Weingut Montes in Chile

Die bisherigen Ergebnisse seines „Dry Farming Projects“ beweisen, dass die Reben deutlich weniger Wasser benötigen als die meisten seiner Kollegen dachten. „Wir wussten nicht, worauf wir uns einlassen. Wir haben es einfach ausprobiert. Unglaublich, wie viel wir während der letzten vier Jahre gelernt haben.“, berichtet Aurelio Montes.

Vor allem Cabernet Sauvignon, Syrah und Petit Verdot kommen mit weniger Wasser leichter zurecht. Grund genug für Aurelio, sich dem Thema auch in den kommenden Jahren anzunehmen. Nicht zuletzt, da sich auch gezeigt hat, dass seine Weine aus Trauben mit geringer oder keiner Wasserzufuhr trotz Temperaturen von bis zu 40° C mehr Frucht und Körper sowie eine elegantere Struktur aufweisen. Natürlich ist der Ertrag geringer geworden.

Statt bis zu 11.000 Kilogramm pro Hektar Ertrag gibt es nur bis zu 6.000 Kilogramm, da auch das Traubengewicht um 46 Prozent niedriger liegt. Dafür schmecken die Trauben intensiver und die ideale Reife ist durchschnittlich 10 Tage früher, was in manchen Weinbauregionen gerade bei spätreifenden Sorten wichtig sein kann.

Dazu, aus ökologischer Sicht das beste, benötigte Aurelio statt der bislang etwa in der Region Valle Central üblichen Wassermenge von rund 4 Millionen Liter pro Jahr zur Bewässerung eines Hektars Rebflächen nur rund ein Viertel der Menge. Bravo Aurelio, vorbildlich.

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Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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