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Niepoort – Eine durch und durch fabelhafte Karriere

Niepoort – Eine durch und durch fabelhafte Karriere
Copyright Niepoort

Aufgewachsen ist er mit Portweinen. Die mag und macht er immer noch. Und zwar in toller Qualität. Doch international berühmt geworden ist Dirk Niepoort mit seinen Rotweinen. Darunter auch einem, der ganz einfach „Fabelhaft“ heisst.

Der erste Wein war enttäuschend, eigentlich ungeniessbar. Meinte der Vater. Das war Anfang der 1990er Jahre und das harte Urteil betraf eine Rotweincuvée namens Robustus, die Dirk Niepoort 1990 ins Fass gelegt hatte. Doch seitdem hat Dirk das Weinfieber gepackt und nie wieder losgelassen. Zum Glück. Denn dieser hartnäckige Virus lässt ihn seit dieser Zeit immer wieder auf die Suche nach alten Weinbergen gehen, auf denen möglichst viele verschiedene Rebsorten im gemischten Satz einträchtig nebeneinander wachsen. Daraus zaubert Dirk dann Weine hervor, die ganz ohne jegliche Übertreibung zu den besten Portugals zählen.

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Und sein Vater? Nun, der hat seine Meinung längst geändert und kann aus dem Ruhestand heraus mitverfolgen, was seinem Sohn schon wieder Neues einfällt. Denn davon gibt es genug. Kein Jahr, in dem nicht irgendeine neue Kreation im Hause Niepoort entsteht.

Neue Weine aus alten Stöcken

Dabei setzt Dirk hauptsächlich auf die oft enorm steilen Weinberge in Cima Corgo, vor allem rund um Pinhao, die gute Voraussetzungen für kräftige, konzentrierte und dabei gleichzeitig elegante Weine bieten. Sein Hauptanliegen ist dabei, die richtigen Böden in Verbindung mit sehr alten Weinstöcken zu finden, die hier bis zu 100 Jahre alt sein können.
„Wir haben eine ganz besondere Stellung heutzutage auf der Welt“, meint Dirk dazu. „Alte Reben und über 85 verschiedene autochthone Traubensorten pflegen zu dürfen, dieses schöne Erbe wollen wir schützen und pflegen und hegen.“

Das macht er und den Beweis tritt er mit seinen Weinen an, etwa dem Redoma, schon ein Douro-Klassiker, mit dunklen Beeren- und Kirschnoten, röstigen Holzaromen, Trockenkräuternoten und floralen Tönen, der sich im Mund mit enormer Frucht, Bitterschokolade, kräftigem Körper, schöner Dichte und langem Abgang zeigt. Aber auch an dem enorm kraftvollen, fruchtstrotzenden Batuta, dem mineralisch-fruchtigen Vertente, dem kräuter-fruchtigen Charme und dem fruchtigen, schönes Trinkvergnügen bietenden Einstiegswein Fabelhaft kommt man nicht vorbei, wenn man einen Einblick in die enorme Bandbreite der Douro-Rotweine im Allgemeinen und Dirks Weine im Besonderen gewinnen will. In Duero veritas, merkt er dazu an.

Immer auf der Suche

Dirk Niepoort hätte zum Zeitpunkt seiner ersten Weinversuche wohl selbst nicht daran gedacht, dass er einmal zum Vorreiter der neuen portugiesischen Weinwelle und Vorbild vieler jüngerer Winzer werden würde, mit denen er zum Teil auch schon zusammengearbeitet hat. Der 1964 geborene Sohn einer Deutschen und eines Holländers, dessen Vorfahren 1842 in der Hafenstadt Porto einen kleinen Betrieb gründeten, um sich mit der Produktion von Portweinen zu befassen, sollte ja nur das Erbe seiner Vorfahren fortsetzen. Bis eben der Rotweinvirus bei ihm ausbrach, gefolgt vom Weissweinvirus, Dirk bietet zwischenzeitlich Weissweine an, die es mit hochkarätigen Gewächsen aus Burgund aufnehmen können und macht sogar einen sehr bemerkenswerten Riesling aus Portugal.

Fast könnte man meinen, dass die Douro-Region für Dirk zu klein geworden ist. Denn er kaufte Ende 2012 in der Region Bairrada die Quinta de Baixo, um der roten Sorte Baga neues Leben einzuhauchen. Ausserdem macht er Weine aus der Region Dão, die nun in seinem neuen Weingut Quinta da Lomba ausgebaut werden. Der Grund dafür? „Es ist faszinierend mit verschiedenen Terroirs zu arbeiten, mit Kalkstein in Bairrada, dem Dão-Granit und dem Schiefer in Douro.“

Ausserdem arbeitet er noch mit Winzern aus anderen Ländern zusammen und kreiert mit ihnen neue Weine etwa aus der Douro-Region oder arbeitet an Projekten in Spanien, Österreich oder Südafrika, angetrieben von der Neugier, ganz andere Weine zu schaffen.
Natürlich kann Dirk auch noch Port, was er etwa mit dem 2011er Vintage eindrucksvoll beweist. „Das war ein grandioses Jahr für Portweine“, erläutert Dirk. „Ich kenne in den letzten 120 Jahren keinen Jahrgang der die Konzentration von 1945, die Erdigkeit und Pfeffrigkeit wie 1970, die Fülle von 1966 und die Harmonie wie 2005 hat. Es sind fast Gegensätze die nicht zusammen in einem Portwein existieren können.“ Na, eben doch.

Zurück zum Anfang

Ach ja, der Robustus. Ich hatte Anfang der 1990er Jahre die Gelegenheit, in Dirks Keller inmitten alter Portweine eine Fassprobe des ersten Jahrgangs zu verkosten und fand den Wein sozusagen fabelhaft. Damals hatte er noch so viele Ecken und Kanten, dass man mit dem Zählen derselben gar nicht mehr nachkam. Jeder Schluck ein Volltreffer, ein anderes Erlebnis. Zu erkennen war dabei eine enorme Frucht, eine ungeheure Kraft, Tannine fast bis zur Ewigkeit und weit und breit kein vergleichbares Gewächs mit den damals üblichen portugiesisches Weinen. Und man konnte schon damals mehr als nur erahnen, dass nicht nur aus diesem Wein etwas Geniales werden wird.

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Dieser Robustus kam übrigens nie auf den Markt, dazu waren auch die Mengen viel zu gering. Doch heute zeigt der Wein, dass er den Schock des ersten Urteils von Dirks Vater ausgezeichnet verkraftet hat. Dazu brauchte er zwar gut zwei Jahrzehnte, aber das Warten hat sich richtig gelohnt. Wie bei einem grandiosen Vintage Port.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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