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Ethos. Edition 1 – Fränkisches Jungwinzerprojekt

Ethos. Edition 1 – Fränkisches Jungwinzerprojekt
Copyright Ethos GbR

Was veranlasst 13 Menschen aus unterschiedlichen Orten, mit verschiedenen persönlichen Hintergründen und mit so ungleichen Betriebsgrößen von 3 bis 15 Hektar zu einem gemeinsamen Projekt namens Ethos, wollten wir wissen. Und haben uns schlau gemacht.

Nun, zu diesem aus dem Griechischen stammenden Begriff gibt es mehrere Synonyme wie etwa Verantwortungsbewusstsein, Charakter oder Moral. Die Moral dieser Geschichte jedenfalls ist das gemeinsame Ziel von jungen Leuten, die fränkische Weinkulturlandschaft zu revolutionieren. Aber nicht völlig auf den Kopf zu stellen, sondern eher auf die Füße. Bodenständig sozusagen, aber doch in einem anderen Kontext.

„Wir wollen insbesondere die Steillagen erhalten, umwelt- und ressourcenschonenden Weinbau betreiben, Biodiversität fördern, dazu gesellschaftliche und soziale Verpflichtungen übernehmen sowie ehrliche und faire Qualitätsweine erzeugen“, meint Markus Schmachtenberger aus Randersacker, der Sprecher der Gruppe, die auf ihrer Website mit dem Slogan „Ethos – 13 Winzer, 1 Haltung“ aufwartet.

Das klingt erst einmal wie aus einer Werbebroschüre eines Konzerns, der, aus welchen Gründen auch immer, um ein nachhaltig positives Image bemüht ist. Doch die junge Ethos-Gruppe meint es ernst. Und das ist gut so. Denn die Gruppe hat sich vorgenommen, die Ränder ihrer Weinberge zu begrünen oder Nistmöglichkeiten und Sitzstangen für Vögel, Fledermäuse und Raubvögel einzurichten.

„Wir schaffen und erhalten außerdem Lebensräume für weinbergtypische Pflanzen und Tiere. Wir erhalten, pflegen und bauen Trockenmauern und achten in besonderem Maß auf gefährdete Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Wir erhalten und pflegen Einzelbäume, Streuobstwiesen, Magerrasen, Auenflächen und Steinriegel, die für den Natur- und Artenschutz wertvoll sind“, zählt Lorenz Neder, ein weiteres Ethos-Mitglied, auf.

Und weshalb der ganze Aufwand? „Eine Weinlandschaft ist ein vielfältiges vernetztes Ökosystem, das in seiner Biodiversität erhalten werden muss“, versichert die Jungwinzerin Ilonka Scheuring. „Und weil wir davon überzeugt sind, dass Steil- und Terrassenlagen ein ganz wesentlicher Teil der fränkischen Weinkulturlandschaft sind. Außerdem glauben wir, dass man die Mühe und die Arbeit einer fränkischen Steillage im Wein schmeckt: Denn eine Steillage, die seit über 100 Jahren bewirtschaftet wird, hat einen ganz speziellen Boden mit einer ganz anderen Mineralität.“

Das Ergebnis

Anfangs gab es reichlich Diskussionen über den Stil des Weines. Nach einem Workshop an der LWG, der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, mit Dr. Hermann Kolesch und Weinen etwa aus Georgien, Italien, Kroatien und Österreich wurde die Stilistik für den Ethos. Edition 1 festgelegt.

„Wir haben uns dann für die Stilistik des Weins Ex Vero II vom Öko-Weingut Werlitsch in der Gemeinde Glanz an der südsteierischen Weinstraße entschlossen. Die klare zupackende Art dieser Cuvée sollte auch unseren Ethoswein prägen. Aber eben von unseren Silvanertrauben und nicht aus Sauvignon Blanc und Chardonnay wie beim Vero“, blickt Markus Schmachtenberger auf die Entstehung der Idee zurück.

Um den ersten gemeinsamen Wein zu präsentieren, wurden dann im Spätherbst 2015 die besten Silvanertrauben der besten Lagen aller Ethos-Betriebe von Hand gelesen und zusammen mit den Traubenhäuten im Holzbottich und in großen Tonamphoren spontan vergoren. Nach sechs Monaten wurde der Wein schonend abgezogen, nicht gepresst, und reifte ohne Schwefelzusatz in den Holz- und Tongefäßen weiter bis zum Spätherbst 2016.

Anschließend wurde er naturtrüb und unfiltriert in verschiedenen recycelten Altglas-Flaschen abgefüllt, die von einem Spülbetrieb stammen, der auf das sammeln und spülen von Altglas aus der Weinbranche spezialisiert ist. Das Resultat duftet, serviert in einem großen Weißweinglas bei 12-14°C, intensiv nach gelben und etwas exotischen Früchten, Brioche und feinen würzigen Noten. Im Mund ist der Ethos kraftvoll und doch elegant und verabschiedet sich mit einem langen Nachhall. Probe mit Auszeichnung bestanden. Die Lagerfähigkeit sollte mindestens 10 Jahre betragen. Den Endpreis hat die Gruppe auf 35 Euro festgelegt. Ein fairer Preis übrigens.

Und welche Signalwirkung erwartet die Gruppe? „Wir glauben fest daran, dass in unserem Weg die Zukunft des gesamten Weinbaus liegt. Wir wollen für nachhaltiges Denken und Handeln werben und für Themen wie Energie, Altglas, Biodiversität, Steillagen und Handwerk sensibilisieren“, meint Markus Schmachtenberger.

„Dass dieser Weg mehr Aufwand bedeutet und einen höheren Erzeugungspreis kostet sollte den Verbrauchern bewusst werden. Dieser Weg ist langfristig gesellschaftlich der bessere für Natur und Umwelt.“ Und wer sich keine Flasche für 35 Euro leisten mag, die 13 Ethos-Winzer bieten natürlich auch ihre eigenen Weine an. Mit dem selben Grundgedanken natürlich.

Frau Scheuring, was verbindet Ethos und Nachhaltigkeit?

Ilonka Scheuring: Ich befasse mich mit Nachhaltigkeit, weil ich nicht möchte, dass unsere schöne Natur uns in Zukunft nicht mehr mit dem versorgen kann was sie uns schenkt. Deswegen ist es wichtig, sich mehrmals Gedanken darüber zu machen bevor man etwas angeht. Schließlich möchte ich selbst auch nicht ausgebeutet werden, sondern einen fairen und ehrlichen Umgang in jeder Hinsicht erwarten. Ich halte Ethos für einen Denkanstoß, dafür dass wir gemeinsam etwas bewegen und sich nicht jeder selbst der Nächste ist und wir zusammen stärker sind und so auch stärker wahrgenommen werden.

Herr Neder, was bedeutet für Sie Ethos?

Lorenz Neder: Ich halte Ethos für einen Schritt in den zukunftsweisenden Weinbau. Nach der Mechanisierung und Industrialisierung des Weinbaus ist nun eine Ökologisierung des Weinbaus die einzige Möglichkeit auf Dauer wirtschaftlich und am Markt erfolgreich zu sein. In unserem Betrieb setzten wir seit rund 10 Jahren keinen mineralischen Kunstdünger mehr ein, viele Weinberge sind dauerbegrünt. Unser neues Flaschenlager wird durch eine Art Erdkollektor ohne Strom gekühlt oder beheizt.

Der neue Verkaufsraum und das Büro in Niedrigenergiebauweise werden über eine Pelletheizung betrieben. Unsere Barriquefässer sind aus Spessarteiche, quasi vor der Haustür, und wir haben einen CO2-neutralen Paketversand. Wichtig ist auch ein gutes Arbeitsklima, unsere Aushilfskräfte sind alle aus den umliegenden Ortschaften. Mit Ethos werden wir ein fränkisches Statement erschaffen, das Vorreiter für viele weitere Betriebe in Franken und Deutschland sein wird.

Die Mitgliedsbetriebe:

Weingut Hümmler
Weingut Felshof GbR
Weingut Neder
Müller! Das Weingut und Weinhotel
Weingut Scheuring
Weingut Ruppert
Winzerhof am Spielberg
Weingut Schmachtenberger
Weinbau Six
Weingut Hemberger
Weingut Stefan Bardorf
Weingut Markus Meier
Weingut Arthur und Daniel Then

Kontakt:

Ethos GbR
Klosterstraße 43
97236 Randersacker
Tel. 0931 / 70 785 0
kontakt@ethos-franken.de
www.ethos-franken.de

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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