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Diese Weinregionen Südafrikas sollten Sie kennen

Diese Weinregionen Südafrikas sollten Sie kennen
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Weinanbau am Kap hat eine längere Tradition, als mancher denkt. Doch in manchen Regionen ist Wein erst seit Kurzem ein Kulturgut.

Constantia – Wo alles begann

„Der Weinberg Kapstadts“ wird diese Region am Westkap auch genannt, denn alle neun Weingüter, die zu ihr gehören, sind höchstens 15 Kilometer von der Stadt entfernt. Eingerahmt wird sie von Tafelberg und Contantiaberg im Landesinneren und False Bay an der Küste. Sie gilt als die älteste Weinregion des Landes, denn schon seit 1685 wird hier Weinbau betrieben.

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Wegen der kühlen Brise, die vom Atlantik her weht, gilt sie als Cool-Climate-Region. Ein Grossteil der Weingüter sind Paradebeispiele für kapholländische Architektur: weiss getünchte Häuser ohne Schornsteine, dafür mit schmucken Zwerchgiebeln und Reetdächern. Viele von ihnen stehen unter Denkmalschutz.

Die ersten Weinreben in die Region brachte Jan van Riebeeck, der Begründer der Kapkolonie. Der erste Gouverneur der Kolonie, Simon van der Stel, gründete ein Weingut mit dem Namen Constantia, das nach seinem Tod in drei Güter aufgeteilt wurde. Zwei von ihnen bestehen bis heute: Klein Constantia und Groot Constantia.

Weinlandschaft in der Region um Kapstadt
Weinlandschaft in der Region um Kapstadt

Das Weingut Groot Constantia ist ein nationales Denkmal. Nachdem es 1925 schon einmal von einem Feuer zerstört worden war, war es lange in staatlichem Besitz. 1993 wurde die Eigentümerschaft in ein eigens dafür gegründetes, privatwirtschaftliches Unternehmen ausgelagert.

Hier wird ein typisch südafrikanischer Weinstil gepfelgt: Fruchtbetont und frisch die Weissweine von Sauvignon Blanc und Chardonnay, gehaltvoll, komplex und erdig die Rotweine. Auch ein reinsortiger Pinotage, die Vorzeige-Rebsorte Südafrikas, wird hier produziert.

Klein Constantia gehört seit 2011 einer Gruppe von Investoren, unter ihnen Bruno Prats, ehemaliger Miteigentümer des Bordeaux-Châteaus Cos d’Estournel und Hubert de Boüard, weltweit gefragter Önologe und Inhaber des Château La Fleur St. George im Pomerol.

In der Spitze der Weinrange, den Estate Wines, wird bei Klein Constantia der Fokus, der kühlen Klimas wegen, auf weisse Sorten gelegt: Sauvignon Blanc, Chardonnay und auch Riesling.

Der frische Metis Sauvingon Blanc etwa orientiert sich am minimalistischen Stil von Sancerre, bringt aber gleichzeitig die Mineralik des Constantia-Bodens zur Geltung.

Eine echte Boutique-Winery wiederum ist Constantia Glen. Obwohl 29 Hektar bestockte Rebfläche zu dem Weingut gehören, produziert es gerade einmal 100.000 Flaschen pro Jahr – und auch nur vier Weine. Inhaber der Farm ist Dr. Alexander Waibel, dessen Grossvater das Gut in den 1950er Jahren kaufte. Wein wird hier aber erst wieder seit den 1990er Jahren angebaut – der erste Jahrgang auf dem Markt war der 2005er.

Top-Gewächs des Hauses ist der konzentrierte Bordeaux Blend Constantia Five. Sein kleiner Bruder, der Constantia Three, ist etwas leichter und zugänglicher. „Wir streben nach reifen Aromen, aber gleichzeitig auch nach Mineralität und dem kühlen Einfluss“, erklärt Winemaker Justin van Wyk. „Eine souveräne Säure verleiht den Weinen dazu Finesse und Alterungspotenzial.“ Dafür wird auch ausschliesslich mit der Hand gelesen und die Trauben vor der Pressung streng selektioniert.

Franschhoek – Paradies für Gourmets

Der Name lässt schon vermuten, welche Einwanderer diese Gegend am Westkap besonders prägten. Um das Jahr 1700 herum liessen sich hier aus Frankreich ausgewanderte Hugenotten nieder. Schon damals waren unter ihnen mehrere Winzer. Aber nicht nur die Weinkultur ist hier französisch geprägt, sondern vor allem auch die Küche.

Das Stadtbild der 16.000-Einwohner-Stadt Franschhoek ist geprägt von französischen Restaurants und Bistros, und auch in mehreren der gut zwei Dutzend Weingüter, die zu der Appellation zählen, wird in der angeschlossenen Gastronomie französisch geprägte Küche zum Wein gereicht.

Weinreben in der Region Stellenbosch
Weinreben in der Region Stellenbosch

Der Weintourismus, der für ganz Südafrika eine grosse Rolle spielt, ist auch hier sehr ausgeprägt: Auf der Franschhoek Wine and Food Route lassen sich Tastings verbinden, eine Wine Tram lädt zum Auf- und Abspringen ein.

Wenige Kilometer von der Stadt entfernt liegt z.B. das Weingut La Motte. Benannt wurde es von Pierre Joubert, der 1709 aus der Provence hierher kam, nach seinem Heimatort La Motte d’Aigues. 1970 kaufte es der südafrikansiche Industrielle Anton Rupert. Die heutige Inhaberin, seine Tochter Hanneli Rupert-Koegelenberg, ist in ihrer Heimat auch eine bekannte Mezzosopranistin.

Zwei Häuser, der Weinkeller und eine Wassermühle auf dem Gelände des Weingutes sind als nationale Denkmäler ausgezeichnet. Mit seinem Rosengarten beteiligt sich das Weingut am jährlich stattfindenden Franschhoek Open Gardens Festival im Oktober.

Der Flagschiff-Wein von La Motte ist der Millenium, ein tiefroter, fruchtig-würziger Blend aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot, die 18 Monate in französischen Eichenfässern reift. Die Blends der Pierneef-Collection sind inspiriert vom Stil der Rhône.

Mit einer aussergewöhnlichen Methode im Weinberg arbeitet das Weingut Solms Delta. Haben die Trauben eine bestimmte Reife erreicht, werden ihre Stiele abgeklemmt. Das kappt die Wasserzufuhr – die Beeren reifen aber trotzdem weiter. Durch diese Methode, Desiccation genannt, konzentrieren sich die Aromen besonders. Mit diesen Trauben werden die Weine der Wijn de Caab- und der Hegewisch-Range gemacht.

Abgeschaut hat sich Inhaber Mark Solms diese Methode aus Norditalien, wo schwere konzentrierte Weine wie Amarone und Recioto damit hergestellt werden. Bei den Rebsorten schwört aber auch er auf klassische Rhône-Gewächse: Shiraz , Grenache , Viognier, Mourvèdre. Das Weingut in Familienbesitz hatte lange brach gelegen. Mit seiner Wiederbelebung erfüllte sich Mark Solms, der eigentlich Professor für Neuropsychologie an der Cape Town University ist, einen persönlichen Traum.

Swartland – Die Neueinsteiger

Weinreben in warmer trockener Region Südafrikas
Weinreben in warmer trockener Region Südafrikas

Das „Schwarze Land“ ist eine der jüngsten Anbauregionen in Südafrika. Noch vor 20 Jahren war die Region von Weizenanbau und Viehzucht geprägt. Doch dann liessen sich immer mehr Weinproduzenten und versuchten sich an einem ganz neuen, eigenen „Swartland-Style“. Zunächst wurden aus der sehr warmen, trockenen Regionen besonders fruchtige Sauvignon Blancs bemerkt. Doch nur damit wollten sich die Weinmacher nicht zufriedengeben: Heute kommen von hier auch ganz bemerkenswerte Rhône-Blends.

Als einer der Visionäre der Region gilt Eben Sadie. Er war der erste, der sich wieder der Tradition der Bushwine-Reben widmete – hier wachsen die Trauben nicht an Rebstöcken, sondern wachsen buschig an einem Stamm. Mittlerweile hat er dafür viele Nachahmer gefunden.

Trotz Namensgleichheit nicht verwandt und nicht verschwägert mit ihm ist David Sadie, der mit seiner Frau Nadia seit 2010 das Weingut „David & Nadia“ führt. Sein erster Wein war der Chenin Blanc Aristargos, für den die Trauben von zwölf verschiedenen Parzellen und überwiegend von alten Buschreben kommen. Auch das ist typisch für das Swartland: Viele kleine, weit voneinander entfernte Parzellen.

So wachsen sie in verschiedenen Mikroklimata, auf die die Rebsorten abgestimmt werden können – oder man kann damit Blends mit besonderer aromatischer Komplexität herstellen.

Ein eigenes Weingut zu haben, ist derzeit unter Promis sehr angesagt. Der berühmteste (Mit-)Besitzer eines Weingutes im Swartland ist Franz Beckenbauer. Er ist der Kopf einer Investorengruppe, die 2013 das 80 Hektar-Weingut Lammershoek übernahmen.

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Die Weinberge werden teilweise biodynamisch und mit der wassersparenden Dry-Farming-Methode bewirtschaftet. Mit der Unterstützung von Winemaker Schalk Oppermann hat Beckenbauer sogar seinen eigenen Blend kreiert: Den Libero No 5.

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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