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Die Familie Weinviertel aus Österreich

Die Familie Weinviertel aus Österreich
Copyright Weingut Pfaffl

Zielstrebig ist das Weingut Pfaffl zu einem der prominentesten Erzeuger Österreichs aufgestiegen. Roman senior und Roman junior haben entscheidend dazu beigetragen, dem Grünen Veltliner aus dem Weinviertel Renommee jenseits der austriakischen Grenzen zu verschaffen. Die Ambitionen der Winzerfamilie aus Stetten gehen allerdings weit über knackigen Pfefferl-Weisswein hinaus.

Erfahrene Fernseh-Zuschauer mit einem Faible für Wein erinnern sich womöglich noch an eine Folge von Günther Jauchs Sendung „Wer wird Millionär?“. Ein überforderter Kandidat bekam dort vor mehr als zehn Jahren die Frage gestellt, bei welchem von vier Begriffen es sich gerade nicht um ein Anbaugebiet handele.

Zur Auswahl standen Merlot, Valpolicella, Rioja und Weinviertel – doch weder der Mann auf dem heissen Stuhl noch eine grosse Mehrheit des Publikums hatte je vom Begriff Weinviertel gehört und glaubte wohl, es handele sich um ein lustig gemeintes Synonym für einen Viertelliter Rebensaft. Der arme Möchtegern-Millionär verzockte sich heftig.

WEINVIERTEL ALS CHANCE

Die Missachtung der im Norden Österreichs angesiedelten Region wurde lange achselzuckend akzeptiert, von Winzern wie von Käufern. Als die benachbarte Wachau schon populär war, sich einen Rang für hochklassigen Veltliner verschafft hatte, galt das Weinviertel noch immer als Geheimtipp, als Lieferant preiswerter Zechweine, über die zu reden sich nicht lohnt.

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Doch genau das, das intensive Reden, hat Roman Pfaffl senior schon früh begonnen, die Bedeutung des Marketings wurde hier schnell erkannt. „Wir haben klein angefangen“, erzählt der Winzer. Ende der Siebziger übernahm Pfaffl das Weingut von seinen Eltern, machte sich an den Ausbau.

Obwohl Weingut eigentlich der falsche Begriff ist für einen Gemischtwarenbetrieb, der bloss ein paar Zeilen Reben vorzuweisen hatte. Binnen weniger Jahrzehnte wurde der Weinbau zur Hauptsache, die Fläche konnte auf heute rund 90 Hektar vervielfacht werden. Was in Kalifornien, Südafrika oder Australien nur eine Randnotiz wert wäre, ist im Weinviertel mit seinen gerade mal etwas über 13.000 Hektar Gesamtrebfläche ein Ereignis.

VELTLINER À LA BURGUND

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Roman senior und Roman junior bei der Verkostung ihres Weins

Mit purer Erweiterung haben sich Roman und Roman allerdings nicht begnügt, auch die kluge Pressearbeit, von der sich andere Betriebe mehrere Scheiben abschneiden könnte, war Vater und Sohn nicht alles. Sie haben den Veltliner im Laufe der Zeit auf ein lange im Weinviertel nur ausnahmsweise praktiziertes Niveau gehievt.

Neben leicht verständlichen Alltagsweinen hat sich vor allem Pfaffls Hundsleiten einen Namen gemacht – ein Lagenwein von über 30 Jahre alten Reben und einem besonderen Terroir, teilweise im Fass vergoren, saftig und komplex. Bei aller Kraft allerdings keine Kopie dessen, was in anderen Teilen Niederösterreichs wächst, nicht so üppig wie viele Wachauer Smaragde. Anders ist auch der Verschluss: Der „Hundsleiten“-Veltliner trägt das, was anderswo im Segment der Spitzenweine noch ungern gesehen wird: einen Schraubverschluss mit Innengewinde.

Noch ein bisschen kraftvoller und cremiger fallen Goldjoch und Hommage aus – und in diesen Fällen wird nachvollziehbar, warum österreichische Winzer und Verbände immer wieder Veltliner gegen weisse Burgunder antreten lassen. Man könnte sich gut vorstellen, dass ein Vigneron in der Bourgogne etwas halbwegs Ähnliches auf Flaschen zöge, dürfte er dort Grünen Veltliner anbauen.

Roman Pfaffl junior lässt beide Weine in grossen Fässern vergären und reifen, Reinzuchthefen sind tabu. Faszinierende Spannung und Frische besitzen sie im fast gleichen Masse, auch wenn der 2013er Goldjoch bei der Verkostung ein bisschen zugänglicher wirkte als sein ein Jahr älteres Pendandt namens Hommage.

Und 2014? Noch viel zu früh, um jetzt schon Meinungen abzugeben, aber gewiss eine Herausforderung. „Wir hatten während der Lesezeit die Hälfte der normalen Ganzjahresniederschlagsmenge“, seufzt Heidi Fischer, Tochter des Weinguts-Pioniers. „Also echt worst case.“ Gut möglich, dass die 2014er ein bisschen leichter und duftiger ausfallen könnten als einige andere Jahrgänge der letzten Zeit.

ROT & WIEN

Doch Pfaffls wären nicht Pfaffls, wenn sie sich mit Weisswein begnügen würden – und mit Spezialitäten aus ihrer Heimat. Ein Teil ihrer Weinberge befindet sich inzwischen auf dem Gebiet der Hauptstadt, sorgt dort für unglaublich süffigen weissen Wien.1 und einen Wien.2 aus den Rebsorten Zweigelt und Pinot Noir.

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Noch spannender ist die Weinviertel-Cuvée Excellent aus Zweigelt, Merlot und Cabernet Sauvignon, im Barrique gereift, straff und mineralisch. Vor drei Jahrzehnten hätte wohl keiner geglaubt, dass so was mal in der missachteten Gegend namens Weinviertel entstehen könnte – heute kennt die Nachfrage kaum Grenzen. Kein Wunder, dass schon 35 Hektar der Pfafflschen Gesamtrebfläche mit roten Reben bestockt sind und ein Ende des Booms kaum abzusehen ist.

Eines steht fest: Eine Quizshow-Frage nach dem Weinviertel würde inzwischen wohl ein bisschen anders beantwortet werden als vor zehn Jahren!

Weitere Infomrationen unter www.pfaffl.at

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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