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Der Pinotage – Abrahams Kreuzung für Südafrika

Der Pinotage – Abrahams Kreuzung für Südafrika
Copyright iStockphoto Sohadiszno

Über ihren Pinotage verfügen die Südafrikaner beinah exklusiv. Doch was sie anfangen sollen mit ihrer urigsten Rebsortenspezialität, wissen sie selbst nicht immer genau, zumal manche Weintrinker die wirklichen oder vermeintlichen Bitternoten scheuen. Doch wer einen der feinsten Pinotages findet und ihn mit Wild und samt fruchtigen Saucen kombiniert, wird kaum noch etwas anderes kaufen wollen.

Die Cape Wine gilt als wichtigste Weinmesse Afrikas. Hunderte von Weinfachleuten, Tausende von Besuchern: Im Convention Centre von Kapstadt drängen sich die Neugierigen um die Stände der angesagtesten Weingüter und die coolsten Winzer. Atemberaubend, was sich tut zwischen Olifants River und Calitzdorp, im nicht immer leicht zu durchschauenden Wirrwarr der kleineren und grösseren Anbaugebiete.

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Zumindest die Rebsorten bieten Orientierung. Südafrikaner und ihre Kunden lieben den Sauvignon Blanc und den Chardonnay, schätzen Cabernet und mit ihm komponierte Blends, halten auch einiges von Shiraz. Doch ausgerechnet zu seinem Klassiker haben Winzer wie Konsumenten bisweilen eine gespaltene Einstellung – obwohl er nach wie vor eine der wichtigsten und bekanntesten Rebsorten am Kap ist.

Sämling aus dem Garten

Als die Sorte gezüchtet wurde, im Jahr 1925, konnte noch niemand ahnen, welche Bedeutung Pinotage erhalten sollte und dass sich der merkwürdige Name durchsetzen würde. Dass ihr Schöpfer, der an der University of Stellenbosch tätige Professor Abraham Izak Perold, dem Pinotage von Anfang an hohe Bedeutung beigemessen hat, darf allerdings bezweifelt werden. Die vier in seinem Garten gedeihenden Sämlinge überlebten wohl nur durch Zufall, vermehrt wurde Pinotage durch andere Forscher.

Geheimnisse gibt es übrigens weder um seine Abstammung noch um seinen Namen: Letzterer setzt sich aus den Bezeichnungen seiner Eltern zusammen, verschmilzt Pinot Noir und den an der Rhône geschätzten Cinsault, damals in Südafrika unter dem an die Rhône erinnernden Begriff Hermitage bekannt. Bis die Früchte der Neuzüchtung erstmals zu Wein verarbeitet wurden, dauerte es allerdings noch mehr als 15 Jahre, und bis die Weintrinker auf ihn aufmerksam wurden, ging weitere Zeit ins Land.

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Als die südafrikanische Presse über einen besonders gelungenen 1959er Pinotage zu berichten begann, weilte Professor Perold schon viele Jahre nicht mehr unter den Lebenden. Anfang der 1960er war der Durchbruch geschafft: Pinotage kam in Mode, wurde bald als einzige echte südafrikanische Sorte unter den vielen importierten Varietäten angesehen. Die Winzer wurden stolz auf ihn, die Kunden mochten die süffige Frucht, die bei entsprechender Mengenbegrenzung auch mit Anspruch einherging.

Star vom Kanonenhügel

Weinlese am berühmten Kanonkop
Weinlese am berühmten Kanonkop

Als die Sanktionen gegen Südafrika aufgehoben wurden, als die Welt Anfang der Neunziger auf den Weinbau unweit von Cape Town aufmerksam wurde, war Pinotage vorn dabei. Der vom Weingut Kanonkop (auf Deutsch: Hügel, auf dem die Kanone steht) war damals schon berühmt und ist bis heute einer der besten Weine dieser Sorte am Kap. Einer der typischsten auch, denn er bringt den Charakter der Sorte besser zum Ausdruck als anderswo.

Vom Pinot Noir hat der Pinotage die feine Frucht und seine Finesse, der Cinsault muss irgendwie für die oft zu beobachtenden Zwetschgennoten gesorgt haben. Dazu kommen häufig Akzente von Kirschen und Johannisbeeren, im Mund merkt man gelegentlich eine dezent blättrig-würzige Komponente, die bei holzgereiften Weinen gern mit Noten von Rauch und Tabak einhergeht. Tiefgang ist ihm eigen, manchmal auch eine rätselhafte Bitternote.

Dass die Kreuzung dann und wann derartig unangenehme Geschmäcker hervorbringt, merkte man erst spät, forschte dann intensiv und scheint das Problem im Griff zu haben. Wirklich bittere Pinotage-Weine sind kaum noch zu finden, doch die Mode ist trotzdem an ihm vorübergegangen. Zu verkosten ist er noch immer und nicht zu knapp vertreten auf der Cape Wine, doch geredet wird eher über Chenin Blanc, Cinsault oder Cabernet Franc.

Pinotage zum Wild

Wer Pinotage mit Speisen kombinieren möchte, muss nicht lange überlegen. Dunkles Fleisch und Wild sind vor allem zu fassgereiften Weinen ein Muss, rote Beeren, Kräuter, aber auch herb-würzige Zutaten in diesem Zusammenhang gern gesehen. Weniger barriquegeprägte Pinotages eignen sich aber auch, um das auf dem Grill zubereitete und typisch südafrikanisch gewürzte Huhn zu begleiten.

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Dass er ausschliesslich in Südafrika angebaut würde, wie die Einheimischen in Kapstadt gern erzählen, entspricht indes nicht mehr der Wahrheit. Auch die Südamerikaner haben seine Eignung ausgetestet, in Australien werden Pinotage-Moste in kleinem Massstab vergoren, und sogar deutscher Wein dieser Sorte existiert. Nur an der Rhône, das die Namensgeber mit dem Hermitage durchaus im Blick hatten, konnte man sich bislang nicht für den entfernten Verwandten vom Kap erwärmen.

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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