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Brunello di Montalcino – Perle aus der Toskana

Brunello di Montalcino – Perle aus der Toskana
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Sein Name bedeutet „Der Bräunliche“, und er ist einer der gefragtesten Weine der Welt. Brunello di Montalcino wird von Kennern geschätzt, weil er intensiv und dabei trotzdem elegant ist. Die guten Jahrgänge können 20 Jahre und älter werden.

„Ein Brunello ist wie eine Perle. Er krönt eine Veranstaltung, wie ein Ring von Bulgari ein Outfit krönt“, philosophiert Giampiero Pazzaglia. Er ist der Koordinator des Konsortiums zum Schutz des Brunello. Das Konsortium wacht darüber, dass die strengen Regeln eingehalten werden, die für die Produktion des edlen Weins gelten.

Wer die Heimat des Brunello besuchen will, muss einen längeren Weg zurücklegen. Gut zwei Stunden Autofahrt ist die Gemeinde auf dem Hügel vom Flughafen Florenz entfernt, weil ein Grossteil der Strecke über Landstrassen zurückgelegt werden muss. Doch viele Toskana-Reisende nehmen das gerne in Kauf: Man kommt ja auch der schönen Landschaft wegen. Rund eine Million Besucher zähle Montalcino pro Jahr, berichtet Giampiero Pazzaglia.

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Brunello wird sortenrein aus der Rebsorte Sangiovese Grosso gekeltert, einem Klon des Sangiovese, der grosse, gehaltvolle Trauben hervorbringt. Er reift mindestens vier Jahre, davon mindestens zwei in Eichenfässern. Frühestens im fünften Jahr nach der Lese darf er auf den Markt kommen. Dazu darf von den Brunello-Weinbergen nur ein reduzierter Ertrag von 80 Doppelzentnern pro Hektar geerntet werden. Er darf nur in der Kommune Montalcino angebaut werden, und seit 1998 dürfen keine neuen Brunello-Rebflächen dazukommen.

Ein Abstecher in die USA brachte den Ruhm

Als Erfinder des Klassikers gilt Ferruccio Biondi-Santi. Er produzierte erstmals 1888 einen reinen Sangiovese Grosso mit dem Namen Brunello. Danach bauten einige wenige Winzer ihn in Montalcino an, aber zunächst kaum mehr als für den Eigengebrauch. Vor 1966, als er den DOC-Status verliehen bekam, war er nicht einmal in anderen Teilen Italiens bekannt.

Das grosse Ansehen kam erst mit dem internationalen Ruhm. Den verdankt der Brunello vor allem seinem Aufstieg in den USA. Dafür wiederum massgeblich verantwortlich ist die italo-amerikanische Unternehmerfamilie Mariani, die 1978 das Weingut Castello Banfi in Montalcino gründete und ihren Wein erfolgreich in der amerikanischen Heimat vermarktete. Castello Banfi ist bis heute der mengenmässig grösste Erzeuger, und auch einer der renommiertesten.

Seitdem stieg die Anzahl der Erzeuger explosionsartig – und die kleine Gemeinde Montalcino erlebte einen ungekannten Boom. 1980 bekam Brunello als erster italienischer Wein überhaupt die Qualitätsbezeichnung DOCG zugesprochen. In diesem Jahr gab es 53 Erzeuger – heute sind es 209. Drei Viertel der rund 5200 Einwohner Montalcinos leben heute vom Wein und Weintourismus. „Bis in die 1980er Jahre hatte die Gemeinde mit Einwohnerschwund zu kämpfen“, berichtet Alessandro Pierangioli, der im Ortszentrum eine Weinhandlung betreibt. „Seitdem steigt die Bevölkerungszahl kontinuierlich. Viele junge Menschen sind hergezogen, weil sie eine Perspektive im Weingeschäft sahen.“

Der nächste Spitzenjahrgang ist schon avisiert

„Ein Brunello ist wie eine Perle. Er krönt eine Veranstaltung, wie ein Ring von Bulgari ein Outfit krönt.“

Doch keine Erfolgsgeschichte ohne Höhen und Tiefen. Im April 2008 bekam das Image des Klasseweins einen folgenschweren Dämpfer: Das italienische Magazin „L’Espresso“ enthüllte, dass mehrere Erzeuger den gerade erschienenen Jahrgang 2003 nicht sortenrein gekeltert, sondern ihn mit Merlot und Cabernet Sauvignon verschnitten hatten. Die Polizei beschlagnahmte daraufhin 600.000 Liter Wein, manche Erzeuger sperrten ihren 2003er für die Auslieferung. Der Skandal riss zunächst ein gewaltiges Loch. Doch die Kunden erwiesen sich als nicht nachtragend, und in den Jahren darauf setzte sich die Erfolgsgeschichte fort.

Das Konsortium lässt jeden Jahrgang von Önologen aus der Region begutachten. Sie vergeben bis zu fünf Sterne für die Güte der Ernte. Diese Praxis sehen einige mit Skepsis – auch, weil die Entscheidung schon sehr kurz nach der Lese fällt. Der aktuelle Jahrgang 2009 erhielt vier Sterne. Er wird in Verkostungen als solide beschrieben. Die letzten Jahrgänge, die in der Weinwelt als aussergewöhnlich galten, waren 1997, 2004 und 2006. Der nächste Spitzenjahrgang, so munkelt man in Montalcino, könnte der 2012er sein – auf ihn müssen die Brunello-Fans aber noch bis 2017 warten.

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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