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Vier Millionen Peseten und ein tolles Abenteuer

Vier Millionen Peseten und ein tolles Abenteuer
Copyright iStockphoto johannes86

Die beliebteste Urlaubsinsel der Deutschen hat sich in den vergangenen Jahren zu einer eigenständigen Weindestination entwickelt. Die Zeiten allzu mächtiger, warmer Rotweine und belangloser Weisser sind vorüber, die Zukunft gehört kreativen und investitionsfreudigen Weinmachern wie Francesc Grimalt.

Ältere Urlauber erinnern sich noch an das Mallorca, wie es früher war. Eine Insel, die zwar ihres milden Klimas und der vielen Strände wegen reüssierte, aber nicht unbedingt der Küche wegen bekannt war. Die meisten Kunden blieben in den Siebzigern und Achtzigern ohnehin in S’Arenal, so sie aus Deutschland kamen, oder in Magaluff, wenn sie in England beheimatet waren, und dezimierten die Biervorräte.

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Wein gab es zwar mit grosser Selbstverständlichkeit, aber er galt als schwer und eher langweilig, war in aller Regel rot und wurde kaum exportiert. Dass er preiswert war, linderte das Problem kaum.

Nachfrage und Angebot passen nicht zueinander

Erst allmählich wurde den Winzern klar, dass sich die Ansprüche der Urlauber und die Traditionen des Rebbaus in entgegengesetzter Richtung bewegten. Während die Sonnenhungrigen am liebsten frische Weissweine und süffige Rosés trinken wollten, mochten die Erzeuger nicht auf ihre tiefroten Gewohnheiten verzichten.

Mit steigendem Besucheraufkommen wurden also immer mehr Weissweine aus Festlandsspanien importiert: Noch heute ist es Standard, dass fast jedes Restaurant als weissen Hauswein einen Rueda anbietet. Dass der nicht von Mallorca stammt und selten besondere Aufmerksamkeit verdient, ist den meisten Gästen egal, solange die ganze Sache gut gekühlt serviert wird.

Was wiederum den Gastronomen Freude bereitet, weil die Margen erheblich sind und die tiefe Serviertemperatur für gehörigen Konsum sorgt – nicht nur am berüchtigten Ballermann.

Ein Projekt namens ÀN

Prächtige Trauben für hervorragenden Wein
Prächtige Trauben für hervorragenden Wein

Die einheimischen Winzer benötigten lange, um sich an die neuen Zeiten anzupassen. Ein paar mutige deutsche Önologen sorgten für den ersten Aufbruch in der mallorquinischen Weinszene, den zweiten verantworteten revolutionär gesinnte Spanier vor allem im Osten der Insel.

Die Brüder Miquel und Toni Gelabert machten sich auf, den Ruf der hiesigen Traubenindustrie zu verbessern, und als drei Freunde sich vor mehr als 20 Jahren entschlossen, einen mallorquinischen Spitzenwein herzustellen, da war der Durchbruch endgültig geschafft. Pere Ignasi Obrador, Miquel Angel Cerda und Francesc Grimalt erfanden in den 1990ern den Ànima Negra, die schwarze Seele.

Unerwartetes Selbstbewusstsein gab dieser Wein der Insel, denn er wurde vor allem aus Callet erzeugt, der einheimischen roten Sorte, die gegenüber Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon stets als zweitrangig gegolten hatte. Doch wenn man es richtig anstellte, konnte man aus Callet und dem bis dahin ebenfalls missachteten Mantonegro durchaus spannende Weine erzeugen, langsam im Holz gereift, voller Finesse.

Mehr noch: Mit gutem Marketing vermochte man sie auch zu einem Preis zu verkaufen, an den zuvor niemand gedacht hatte. Nicht gerade am Strand, zur Mittagszeit, aber in den besseren Restaurants und zunehmend auch in Deutschland oder in der Schweiz: als Medikament gegen Insel-Fernweh!

Neues Abenteuer mit vier Millionen Peseten

Francesc Grimalt aber hatte noch ein bisschen mehr vor, als sich bis an sein Lebensende als Erfinder des Ànima Negra zu brüsten. Ein gutes Jahrzehnt nach dem ersten Coup machte er mit seinem eigenen Projekt ein zweites Mal von sich reden, diesmal zusammen mit dem Musiker Sergio Caballero.

Wieder war es Callet, der als Basis für einen Rotwein herhalten sollte, erneut war es der Osten Mallorca, und wieder wurde es eine Erfolgsgeschichte. 4 Kilos nennt sich sein Projekt, und Furore machte es mit zwei Weinen. Die Spitzenvariante besteht im Wesentlichen aus Callet, beim 2014er zu hundert Prozent, wird komplett in neuen Barriques aus französischer Eiche ausgebaut, ohne dass die Holzaromen allzu sehr in den Vordergrund treten.

Leichter zugänglich ist der Zweitwein, eigentlich bloss ein Einskommafünfwein, weil er dem 4 Kilos qualitativ nahekommt. Der 12 Volts besteht aus Callet und der eng verwandten Sorte Fogoneu, Cabernet Sauvignon, Merlot sowie Syrah, welcher ihm jene pfeffrige, vor allem im Nachhall spürbare Note verleiht.

Wer das mallorquinische Erlebnis noch steigern will, fragt sich durch nach jenen wenigen Flaschen des Überdrüberweins namens Grimalt Caballero, aus Callet und Fogoneu hergestellt, lang und faszinierend, für Inselverhältnisse zwar verdammt teuer, aber auch richtig gut. Spätestens mit dessen Vermarktung dürften die vier Millionen investierten Peseten, nach denen das Weingut (4 Kilos) benannt wurde, schnell wieder eingespielt sein.

2014 4 Kilos: Offene Frucht, schwarze Kirsche, Cassis, ganz leicht röstige Noten, Hauch Tabak. Saftiger straffer Wein mit Würze und eleganter Art, der Alkohol bleibt im Hintergrund, am Gaumen kompakt, mit viel Finesse, mürben Tanninen, lang und mineralisch. 92 Punkte.

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2015 12 Volts: Feine, offene, jugendliche Frucht nach reifen, aber nicht überreifen Kirschen und dunklen Beeren, etwas Vanille und Schokolade, aber auch getrocknete Kräuter und eine leicht balsamische Note, im Mund wunderschön saftig, mit jugendlich-pfeffrigem Nachhall. 89 Punkte.

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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