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Uralte Reben und Ehrgeiz – Quinta dos Murças VV47

Uralte Reben und Ehrgeiz – Quinta dos Murças VV47
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Nach alten und ganz alten Reben sucht man in den meisten Weinbergen des Alentejo vergeblich. Doch zum Glück kennen sich einige der besten Weingüter der Region auch jenseits der Grenzen aus. So wie Herdade do Esporão, einer der ambitioniertesten Betriebe der Region, der sich auch gern mit uralten Douro-Reben befasst.

Das Olivenöl steht am Flughafen von Lissabon zum Kauf bereit, und man sollte in dieser Hinsicht nicht zögern, zählt es doch zu den aromatischsten und klarsten, die man bekommen kann. Ob aus zertifizierter Bio-Produktion oder nicht: Auf dem Alentejo-Landgut Herdade do Esporão kennt man sich aus mit der Art und Weise, aus frisch gepflückten Oliven ein herausragend gutes Öl zu pressen, ohne dass die Inhaltsstoffe oxidieren oder anderweitig an Qualität einbüssen.

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Man weiss hier allerdings auch, wie man Gäste empfängt und bewirtet: Das Anwesen ist riesig, die Kellerei neu, das Restaurant nicht einfach nur eine Bewirtungsmöglichkeit für Kunden, sondern eines der spannendsten gastronomischen Etablissements des Alentejo – mit kreativer, die Produkte der Region würdigender Küche und eigenem Gemüsegarten. Die zum Essen bestellten Weine stammen natürlich aus der Umgebung, könnten aber auch in der Nähe des Douro gewachsen sein.

Seit neun Jahren gehört nämlich auch die dortige Quinta dos Murças zum Imperium von Esporão, und der australische Winemaker David Baverstock kümmert sich seitdem auch um die dortigen Reben. Reben, die teilweise aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stammen und einen aussergewöhnlichen Wein hervorbringen. Nicht Alentejo, zugegeben, aber doch von Alentejo-Winzern zur Blüte gebracht.

Zeitreise in Flussnähe

Reben im Weinberg auf Quinta dos Murças
Reben im Weinberg auf Quinta dos Murças

Als der historische Weinberg auf Quinta dos Murças im Jahre 1947 umorganisiert wurde, war Portugal ziemlich isoliert. Ein Land im tiefsten Westen Europas, regiert von einem unbarmherzigen Diktator, weitgehend mit sich beschäftigt. Von Tourismus sprach damals kaum jemand, und von trockenen Rotweinen auf hohem Niveau wollten nur ganz wenige etwas wissen.

Doch es gab Ausnahmen, wegweisende Entscheidungen, Visionäre. Wie José de Freitas Sampaio, der 1947 einen hochgelegenen, vertikal angelegten Terrassenweinberg pflanzte, auf schönstem Schieferboden, eine Sensation am Douro. Dass die Anlage lange Zeit nicht so bekannt war, wie sie hätte sein sollen, könnte sogar zu ihrem Erhalt beigetragen haben.

Denn auch wenn einzelne Stöcke im Laufe der Jahre ausgetauscht werden mussten: Der Weinberg in seiner Gesamtheit blieb erhalten und wird, nachdem Baverstock und Esporão zuständig sind, auch endlich entsprechend gewürdigt.

Gemischter Satz mit Frische

Was heute entsteht aus den im Gemischten Satz, also kunterbunt durcheinander angelegten Reben, ist einmalig und faszinierend. David Baverstock nutzt zusammen mit seinem Kollegen Luís Patrão die Vorzüge der auf fast 300 Metern über dem Meeresspiegel liegenden Fläche aus. Die Ausrichtung nach Südwesten, die starke Neigung, die gute Durchlüftung tragen zum Charakter der Weine bei.

Herdade do Esporão im Herzen des Alentejo
Herdade do Esporão im Herzen des Alentejo

Vor allem Touriga Nacional, Touriga Franca, Sousão, Tinta Amarela, Tinta Barroca und Tinta Roriz stehen hier, die Erträge sind niedrig, die Säuren halten die hohen Zuckerwerte in Schach. Auch wenn die in kleinen Mengen erzeugten Weine einen hohen Alkoholgehalt aufweisen, ist dieser nie dominant.

Ob alte Reben generell die besseren Weine ergeben oder ob sie nur die Voraussetzungen schaffen, damit talentierte Weinmacher grandiose Möglichkeiten haben, muss offenbleiben, doch dass der historische Weinberg Zukunft hat, ist allen klar.

Auf Herdade do Esporão denkt zum Glück niemand daran, die 1947er Reben gegen junge auszutauschen. Ob diese Rarität am Flughafen von Lissabon zu haben ist, habe ich nicht herausbekommen.

Eine Garantie für unbeschränkte Verfügbarkeit gäbe es ohnehin nicht, aber Alternativen aus jüngeren Reben mit einem Hauch weniger mineralischer Intensität sehr wohl. Und die Vorräte an Bio-Olivenöl sollten, wenn alles gutgeht, ebenfalls bis zur nächsten Ernte reichen.

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2012 Quinta dos Murças VV47:
Ein Wein mit klarer, offener Frucht, Noten von roten und schwarzen Beeren, leicht mineralisch, später auch Gewürze. Am Gaumen vibrierend, vielschichtig, von fast kristalliner Struktur, fest, frisch und leicht salzig, lang, dürfte erst in einigen Jahren wirklich zeigen, was in ihm steckt. 93 von 100 Punkten.

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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