zurück

Schweizer Weinbau – Don Juan mit Genfer Charme

Schweizer Weinbau – Don Juan mit Genfer Charme
Copyright Christian Guyot

Freigeister neugierig und innovativ: Die Genfer Winzer überraschen mit einer grossen Spezialitätenvielfalt, erstklassigen Gewächsen und neuen Ideen. Christian Guyot hat sich sogar an den Anbau von Tempranillo herangewagt. Und dies mit beachtlichem Erfolg.

Mit 1450 Hektaren Reben stellt der Kanton Genf die drittgrösste Weinbauregion der Schweiz. Schon nahezu zwei Drittel der Weine werden hier biologisch angebaut. Der Kreativität der Winzer sind keine Grenzen gesetzt.

Die besten Tempranillo-Weine jetzt bei Weinclub.com im Shop

Schon als junger Genfer ETH-Agronom träumte Christian Guyot davon, in seinem Heimatkanton aus aussergewöhnlichen Rebsorten aussergewöhnliche Weine zu kreieren. Doch bis es 2005 soweit war, perfektionierte der Oenologe das Gelernte während zehn Jahren als Keller- und später als Rebbaumeister.

Bodenvielfalt als Ideengenerator

Aufgewachsen in der Champagne genevoise im Westen des Kantons kennt Guyot die idealen Weinbaubedingungen wie das vom See geprägte, milde Klima und die vielfältigen Bodenarten in den drei Genfer Hauptanbaugebieten.

Das rechte Rhoneufer, „La rive droite“, mitsamt den bekannten Lagen Satigny und Peissy im Mandement und den weiter östlich gelegenen Weinbergen von Céligny und Collex-Bossy, stellt mit 790 Hektar die grösste Genfer Weinbauregion. Ton und Kalk, aber auch sand- und lehmhaltige Schlammböden prägen die dortigen Böden.

Voraussetzungen, die besonders für den Anbau der Burgundersorten Gamay, Aligoté, Chardonnay und den drei Pinotvarianten Noir, Gris und Blanc, aber auch für extravagante Sorten wie Viognier, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und Müller Thurgau oder die Neuzüchtung Gamaret behagen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees um die Stadt Genf liegt die Region zwischen dem im Mont-Blanc-Massiv entsprungenen Fluss Arve und dem Léman. Hier erinnern die kalkhaltigen Kieselböden um das vom englischen Dichter Lord Byron besuchte Winzerdorf Cologny à Hermance an das Linke Ufer, die Rive gauche, in Bordeaux.

Die Region zwischen Arve und Rhone, dort wo Christian Guyot auf einem Hektar seine Spezialitäten anbaut, umfasst unter anderen die Dörfer Bernex, Lully und Confignon. Hier wurzeln die insgesamt 290 Hektar Reben der Region tief in die durchlässigen Gletschermoränen. Sie sind der Ideengenerator des passionierten Tüftlers, der seine Weine als Kunsthandwerk mit hoher Qualität versteht.

Don Juan – Liebling aller Frauen

Christian Guyots
Christian Guyots „Don Juan“ basiert auf der uralten Tempranillo-Traube

Nicht durch die Gesänge Lord Byrons und auch nicht verursacht durch den Klimawandel, sondern durch die Traubensorte Aragonês oder Tinta Roriz im portugiesischen Weinbaugebiet Dão fand der Schweizer Oenologe während eines dreijährigen Aufenthalts seine Bewunderung zu dieser uralten, traditionell angebauten Traubensorte.

Sehr schnell lernte er als „Encarregado do campo“, als Rebbau-Verantwortlicher der 100-Hektar umfassenden Domaine „Casa de Santar“ diese uralte, vielseitige Traubensorte schätzen. In Portugal zeigt sich der Sortenspiegel autochthoner Reben so reich wie wohl in keiner anderen Weinregion dieser Welt.

Touriga nacional, Tinta amarela, Tinta fina, Baga, Jaen, Alfrocheiro preto, Tinta pinheira, Bastardo, Dona branca, Rabo de ovelha, Encruzado, Bical und viele andere prägen die Weinlandschaft des im Westen der iberischen Halbinsel gelegenen Landes.

Zurück in der Schweiz begann Guyot mit Experimentieren und zögerte nicht lange, als er im Jahr 2006 in bester Lage, der «1er cru Coteau de Lully» die Gelegenheit erhielt, 1500 m2 mit seiner Lieblingssorte zu bestocken. „2009 konnte ich die ersten 1000 Liter ernten“, erinnert sich der Genfer Oenologe, der nie beabsichtigt hatte einen Rioja nachzuahmen.

Vielmehr suchte er mit dem Weinnamen „Don Juan“ aus der Tempranillo-Traube einen eigenen Genfer Rotwein-Charakter zu entwickeln, der sich von seinen anderen drei roten Gewächsen, dem Merlot „Prince des Vignes“, der Assemblage „Trois Helvètes“ und dem von Gamay geprägten „Esprit de Genève“ abheben sollte.

Das Terroir widerspiegeln

Christian Guyot hatte viel über die Tempranillo-Traubensorte gelesen und wollte von Beginn weg einen charakteristischen Wein von einer gewissen Kraft mit Potenzial, aber ohne agressive Tannine, dafür mit der bestmöglichen phenologischen Reife erzeugen. Jede Flasche seines Don Juan soll das Terroir zum Ausdruck bringen, legt der „Weinarchitekt“ seine Philosophie aus.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, stützt er sich auf umweltgerechten Weinbau, integrierte Produktion und geringe Erträge. Abgestimmt auf die einzelne Parzelle und Rebsorte, erntet Guyot die Trauben nach strenger Selektion bei optimaler Reife von Hand. Im Keller wird mit Ausnahme von Reinzuchthefe ohne jegliche Zugaben, soweit möglich von Hand und ohne maschinelles Pumpen gearbeitet.

Um die Vielfalt der Aromen zu erhalten, reduziert er die SO2-Zugabe auf ein Minimum, verzichtet auch auf Filtration und lässt seine Preziosen zwei Jahre in neuen französischen Eichenfässern reifen.

Auf der Suche nach einem eigenständigen Image

„Wie viele andere Winzer stelle ich mir die Frage nach der Sortenvielfalt in der Schweiz und insbesondere in Genf um ein eigenständiges Image zu finden“, sinniert Christian Guyot, dessen Name an die bekannte Erziehungsmethode des Burgunder Arztes und Wissenschaftlers Jules Guyot erinnert. Doch eine Verwandtschaft, sagt er, bestehe nicht.

Was ihn ganz besonders freut, ist die Tatsache, dass seitens seiner Kollegen zumindest offen keine Vorwürfe erhoben wurden, als er mit seiner „exotischen“ Tempranillo zu experimentieren begann.

Die besten Weine aus aller Welt jetzt bei Weinclub.com im Shop

„Schlussendlich ist die Kultivierung meines Tempranillos nicht ausgefallener als die Idee, hierzulande Malbec, Grenache oder Ancellotta anzupflanzen oder in Zukunft sogar den Anbau der spätreifenden Sorten wie Cabernet-Sauvignon und Zinfandel zu fördern“, meint der Winzer, der den Stolz über seinen Don Juan nicht verbergen kann.

Trotzdem empfiehlt Guyot den Anbau der „verteufelt delikaten, kapriziösen, mehltauanfälligen und wuchskräftigen“ Tempranillo nicht. Aber in Genf herrscht eben ein besonders offener Geist.

Degunotiz

Fast hätte ich es vergessen: Der Don Juan präsentiert sich in Glas und Nase verführerisch, dunkel, mit reifen Beeren- und feinen Ledernoten. Am Gaumen zeigt er sich elegant, fruchtig, harmonisch mit mittleren, samtweichen Tanninen, angenehmer Säure und langem fruchtbetonten Abgang…

Weitere Informationen unter www.vins-guyot.ch

Von Angela Kreis-Muzzulini

Kommentare

Sicherheitscode eingeben:

Nach oben

Jetzt Facebook-Fan werden und keine Story verpassen

Jetzt Facebook-Fan werden

Jetzt den Wein.com
Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand - das Wein.com Mailing kostenlos abonnieren.

Datenschutz wird bei uns gross geschrieben - wir geben Ihre Daten niemals weiter. Der Newsletter kann jederzeit gekündigt werden.