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Sardinien – Der plötzliche Star der Weinszene

Sardinien – Der plötzliche Star der Weinszene
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Die Mittelmeerinsel hat eine beeindruckende Wende vom Massenproduzenten zu einer der Top-Weinregionen hingelegt. Einige der gefragtesten Flaggschiff-Weine Italiens kommen hier her.

Die Sarden, heisst es, seien wenig aufgeschlossen für Neues. Lieber konzentrierten sie sich darauf, den Charakter dessen, was ihre Insel zu bieten hat, zu erhalten. Ihre Skepsis gegenüber Fremdem erklären sie selbst mit der Geschichte ihrer Insel, die von Besatzern aus aller Welt durch die gesamte Geschichte hinweg geprägt ist. Im Laufe der Jahrtausende kamen zuerst die Phönizier, dann Karthager, Punier, Katalonen, Araber, Römer und die Spanier.

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Im 20. Jahrhundert eroberte der Tourismus die Insel. Es begann in den 1960er Jahren an der Costa Smeralda, wo der Ismailiten-Prinz Karim Aga-Khan den Urlaubsort Porto Cervo errichten liess, der bis heute ein exklusives Urlaubsziel für Gutbetuchte ist. An anderen Stellen der Insel, etwa in und um Alghero im Norden oder im Süden nahe Cagliari, locken Strände, Buchten und Hafenstädte auch andere Urlauber an.

Eine Rebsorte nur noch von einem Hersteller

Vermentino-Trauben aus Sardinien am Rebstock
Vermentino-Trauben aus Sardinien am Rebstock

Beim Weinanbau konzentrieren sich die Sarden auf ihre eigenen Rebsorten. Die bekanntesten sind der rote Cannonau und der weisse Vermentino. Cannonau ist identisch mit Garnacha und wurde von den Spaniern ab dem 15. Jahrhundert eingeführt.

Sein Name erinnert zum einen daran, dass seine Ankunft auf der Insel mit militärischen Umständen zu tun hatte. Zum anderen verweist er darauf, dass er kräftig und alkoholreich ist. Der Vermentino di Sardegna ist mittlerweile einer der beliebtesten Weissweine in Italien, die Herkunft Vermentino di Gallura ist die einzige DOCG der Insel.

Dann gibt es eine Rebsorte, die nur noch von einem einzigen Produzenten angebaut wird: der weisse Torbato. Er stammt ursprünglich aus Griechenland und wurde von den Katalonen nach Sardinien gebracht. Diese Sorte zu erhalten, hat sich die Kellerei Sella&Mosca zur Aufgabe gemacht und baut sie bei Alghero auf Kalksteinböden an, die von Meeresablagerungen durchzogen sind.

Das katalonische Erbe wird hier auch sonst gepflegt. In Alghero finden sich viele katalonische Baudenkmäler, die Einwohner nennen die Stadt im Nordwesten auch „Klein-Barcelona“. Ausserdem wird hier ein katalonischer Dialekt gesprochen – heute allerdings nur noch von einer Minderheit.

Neueste Forschung: Weinbau kam nicht von aussen

Gerade hat sich herausgestellt, dass der Weinbau auf Sardinien eine längere Tradition hat als gedacht. Bisher hatte man angenommen, dass die Phönizier die ersten Weinpflanzen um 800 v. Chr. auf die Insel brachten. Doch Anfang 2015 präsentierten Forscher der Universität von Cagliari Wein-Saaten, die sie auf der Insel entdeckt hatten, die nach ihren Untersuchungen aus der Zeit zwischen 1300 und 1100 v. Chr. stammen und zudem ursprünglich von der Insel stammen. Damit wäre Sardinien eines der ältesten Weinanbaugebiete Westeuropas.

Noch bis in die 1980er Jahre hinein produzierte Sardinien fast nur anonymen Massenwein, der in andere Regionen als Verschnitt geliefert wurde. Doch damit war kein gutes Geld zu verdienen, und viele kleine Winzer gaben den Weinbau auf. In der Folge schrumpfte auch die Rebfläche zusammen. Bei den verbleibenden Erzeugern aber fand ein Umdenken statt: sie begannen, hochwertige Weine zu erzeugen. Das erkannte man auch bald im Rest Italiens und im Ausland.

Echte Flaggschiff-Weine

Im Gambero Rosso oder Duemilavini ist Sardinien im Vergleich zu seiner kleinen Produktionsmenge überdurchschnittlich stark vertreten. Seinen guten Ruf verdankt die Region einigen grossen Weingütern und Kellereien.

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Sie haben regelrechte Flaggschiff-Weine hervorgebracht, die sich in den Reigen der grossen Weine Italiens einreihen und in den Weinführern regelmässig mit Höchstnoten bedacht werden. Beispiele dafür sind der Turriga von Argiolas, der Arruga von Sardus Pater, der Marchese di Villamarina von Sella&Mosca oder der Terre Brune von der Cantina di Santadi. Sie prägen den Ruf der edlen Herkunft bei den Kennern.

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

Kommentare

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Marco Pusceddu

Schöner Artikel, jedoch eine kleine Korrektur. Grenache und Cannonau sind nicht identisch sondern nur zu ca 80% genetisch klein. Also kann man eher von einer Verwandtschaft sprechen. Die aktuellen Funde und die darauf folgenden Gentests an der Uni Sassari belegen das.

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