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Christa van Chevallier – Die Tochter der Perlen

Christa van Chevallier – Die Tochter der Perlen
Copyright Christa van Chevallier

In der Weinszene Südafrikas gilt das Swartland derzeit als eine Art „gelobtes Land“, in dem eine neue, passionierte und durchaus etwas extrovertierte Winzergeneration für staunendes und ehrfurchtsvolles Aufsehen sorgt.

Ein Insidertipp unter diesen Stars der Weinszene am Kap ist Christa van Chevallier. Ihr Steckenpferd – untypisch für die Region – aussergewöhnliche Schaumweine.

Sanft gewellte, weite Flächen, die von schützenden, majestätischen Hügelketten gesäumt werden – so erstreckt sich das Swartland etwa 100 Kilometer nordöstlich von Kapstadt entfernt. Zwischen Malmesbury im Süden, Darling im Westen, Piketberg im Norden und dem Riebeek Valley im Osten liegt eine Kornkammer, deren golden wiegende Felder das Landschaftsbild prägen.

Der ländliche Charme von Swartland
Der ländliche Charme von Swartland

Es ist eine Region der Bauern, die Mischkultur betreiben, oft Schafe und Rinder züchten und Obstgärten und Olivenhaine pflegen. Kein geringerer als Jan van Riebeek, der Begründer Kapstadts, gab diesem fordernden, von der Sonne verwöhnten Stück Südafrikas seinen Namen: Het Zwarte Land – das Schwarze Land, dessen zahlreiche Renosterbüsche sich nach Regen schwarz verfärben und die magischen Weiten dunkel färben.

Hier – im trockenen, warmen Klima, mit vielen heissen Sonnenstunden, sanften Winden vom Ozean und kaum Regen – gedeiht auch Wein. Und das von besonderer Güte. Dies ist zum einen dem sehr alten Rebbestand dieser Region zu verdanken, der aufgrund der Trockenheit meist als bush vine erzogen wird.

Einst vor allem berühmt für seinen ausgezeichneten Portwein, sind es heute aber vor allem die passionierten Winzer, die gern jenseits des Mainstreams schwimmen, die das Swartland in den vergangenen Jahren zum Spotlight der südafrikanischen Weinszene gemacht haben.

Namen wie Eben Sadie, Adi Badenhorst und Chris und Andrea Mullineux führen bei Kennern zu geradezu götzenhafter Heldenverehrung. Eine, die sich ebenfalls auf ihren ganz eigenen Weg gemacht hat, ist Christa van Chevallier.

Eine Frau geht ihren Weg

Weit hinaus führt die buckelige Strasse einen, wenn man sich auf den Weg nach Paardeberg auf ihre 110 Hektar grosse Farm mit dem weissgetünchten Haus macht. Kurz bekommt man das Gefühl im Nirgendwo zu landen.

Doch spätestens beim herzlichen Lachen der Winzerin am Eingangstor zu ihrem Reich und dem aufgeregten Bellen von Hund Brutus weiss man: Der Weg hat sich mehr als gelohnt. „Hier bin ich geboren und aufgewachsen“, meint die 42-Jährige mit einer ausladenden Geste stolz. „Das ist mein zu Hause.

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Der Blick gleitet über die geschwungene Landschaft. Hier und da brechen Baumgruppen und Weinreben das Bild, ein paar Blumen haben sich durch das trockene Erdreich gekämpft. Wunderschön und doch spürt man schon jetzt im beginnenden Frühjahr die sengende Kraft der Sonne, die Mensch und Natur in dieser Region einiges abverlangt.

Ob sie hier draussen so allein Angst hat? „Aber nein“, lacht sie. „Ich habe doch einen Hund“, ergänzt sie in perfektem Deutsch.

Über Umwege von Deutschland nach Südafrika

Christas Eltern stammen aus Deutschland. „Meine Onkel gingen beide unabhängig voneinander mit den Schutztruppen nach Kriegsende nach Namibia. So kam es, dass meine Mutter ihren Onkel und mein Vater seinen besuchten.“

Am Kap lernten die beiden sich kennen. Meine Mutter wollte gerade eine Weltreise beginnen – und scheiterte schon an der ersten Station“, meint sie fröhlich grinsend. Zum Glück für Geniesser, denn sonst hätten die Beiden wohl nie eine Farm im Swartland gekauft.

Neben ein paar Rindern ist es heute der Wein für den die Nuvedam Farm und das Weingut La Chevallerie stehen. „Insgesamt sind 20 Hektar mit Reben bestockt. 19 mit Chenin Blanc und einer mit Pinotage.“ Es sind alte Reben. „Mein Vater pflanzte das alles vor vielen Jahren.

Die jüngsten Rebstöcke sind bereits 32, die meisten allerdings über 40 Jahre alt. Lange Zeit verkaufte Christa die reifen Trauben lediglich an andere Winzer, die aus dem hervorragenden Traubengut nicht selten vielfach prämierte Weine kelterten. Doch 2009 wagte Christa den grossen Schritt und erfüllte sich ihren Traum. Den Traum von den eigenen Perlen im Weinglas.

Die Liebe zum perlenden Wein

Christa van Chevallier liebt ihre perlenden Schaumweine
Christa van Chevallier liebt ihre perlenden Schaumweine

Rückblick. Nach dem Abschluss der Schule in Südafrika ging Christa van Chevallier nach Deutschland. Bei einem Praktikum in Weinsberg entdeckte sie ihre Liebe zum Wein. Wenig später folgte das Studium an der Hochschule Geisenheim – Deutschlands führender Schule für Weinbau und Önologie –, das endgültig ihr Leben mit dem vergorenen Traubensaft verknüpfte.

In dieser Zeit hatte ich zweimal die Gelegenheit bei der Sektherstellung dabei zu sein. Ich fand das grossartig.“ Zum Studium zählte auch eine Forschungsarbeit, für deren Recherche sie nach Italien ging. Durch Zufall entdeckte sie in dieser Zeit die Perlen Italiens, den Prosecco.

Die unbeschreibliche Zartheit der Aromen, die Komplexität im Geschmack und der nachhaltige Abgang am Gaumen des Prosecco von kleineren Produzenten fand ich erstaunlich.

Mehr und mehr entwickelte sich bei ihr eine Leidenschaft „… und eine Idee … die ich damals aber noch gar nicht greifen konnte“, erinnert sich Christa. In den USA besuchte sie die dortigen Champagnerhäuser, ehe sie das Glück letztlich auch noch in ihr heimliches Paradies – die Champagne selbst – führte. „Ich verliebte mich immer mehr in die ,Bubblys’.“

Der Weg zum eigenen Schaumwein

Doch auch in der Heimat, in Südafrika, begegneten ihr die Perlen. Als sie 2001 für das Weingut Steenberg in Constantia arbeitete, begann man dort gerade mit der Sektproduktion. Christa war von Anfang an dabei.

Während ihrer Zeit bei Kaapzicht lernte sie auf einem Tasting Chenin Blanc als Schaumwein kennen. „Irgendwie kommt es mir so vor, als seien all diese Momente und Stationen Puzzleteile, die sich nun zu einem Ganzen gefügt haben.

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Denn 2006 standen Christa, ihre Mutter (die in Namibia lebt) und ihre Schwester (die in Johannesburg lebt) vor der Entscheidung, die Farm zu verkaufen oder sie auf gesunde Beine zu stellen.

Dank Rosa Kruger, einer Koryphäe in Sachen alte Weinreben und Terroir, entwickelten sie einen Plan, die Buschweine, die der Vater vor seinem Tod gepflanzt hatte, zu nutzen. „Rosa fand einfache Wege, die mit unserem knapp bemessenen Budget funktionierten und Erfolg zeigten.

Die Geburtsstunde ihrer „Tochter“

2009 behielt Christa dann zum ersten Mal einen Hektar Chenin Blanc Trauben für sich selbst und legte damit die Geburtsstunde von Filia – zu Latein Tochter – einem fokussierten Schaumwein, einem geadelten und nach der traditionellen Methode gereiften Kap Klassiek, der seinen grossen Brüdern aus der Champagne wahrlich Konkurrenz macht.

Er vereint Eleganz, Mineralität und eine erfrischende Säure mit zarten Fruchtaromen nach knackigem grünen Apfel, feinen weissen Birnen und einem belebenden Hauch Zitronencreme. Die ersten beiden Jahrgänge 2011 und 2012 produzierte sie jeweils rund 500 Flaschen, 2013 waren es 1.200.

Kleinstmengen. Perlende Schätze eben. „Und sie stammen aus der Schatzkammer, die mein Vater mir hinterlassen hat“, meint Christa ergriffen.

Mit Demut auf der Suche nach Neuem

Die beiden Schaumweine aus dem Hause Chevallier - Filia und Circa Rosecco
Die beiden Schaumweine aus dem Hause Chevallier – Filia und Circa Rosecco

Im vergangenen Jahr „gebar“ sie dann ihr zweites aussergewöhnliches Kind: den Circa Rosecco NV. Ein Rosé aus Pinotage-Trauben, der nach dem Prosecco-Verfahren hergestellt wird und mit seiner Frische, sprudelnden Lebensfreude und belebenden Fruchtigkeit begeistert und dabei gleichzeitig zeigt, dass er ein ernstzunehmender und auch trockener Schaumwein ist.

Auf die Frage, warum sie hier im Swartland, in einer männerdominierten und so fordernden Weinregion ausgerechnet herrlich leichte Perlen in die Flasche zaubert, antwortet Christa schlicht: „Weil es sonst keiner macht.

Doch sie fügt hinzu. „Das ist kein Spiel. Wenn du etwas anfängst, dann solltest du dir die Frage stellen, was unterscheidet dein Produkt von anderen – und wie machst du es besser?“ Klar ist ihr auch: „Das ist erst der Anfang. Ich habe jetzt nicht mit einem Mal die Antwort auf alle Fragen gefunden.

Es ist wie ein Geheimnis, dass ich beginne mit Menschen zu teilen. Doch der Weinberg und mein Basiswein lehren mich jedes Jahr aufs neue Demut. Ich lerne immer wieder etwas dazu und bin auf einer Reise – gespannt, was noch so alles passieren wird“, meint sie freudig erregt.

Mein Motto ist Stick to the basics. Ich bin mir meiner Wurzeln immer bewusst, versuche soweit irgend möglich biodynamisch und im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Denn wenn du die Grundlagen beherrschst und es einfach hälst, dann hast du auch Erfolg. Und so versuche ich jedes Jahr aus meinem Weinberg mitzunehmen, was das Jahr mir gegeben hat.

Wein – und das wahre Leben

Ob es als Frau nicht schwer ist in der südafrikanischen Weinindustrie Fuss zu fassen? „Es ist ja nicht so, dass die Industrie mich ausgesucht hat, sondern ich sie“, meint sie clever und mit keckem Augenaufschlag.

Auf ihrer Farm wird Christa van Chevallier weiter dem Geheimnis der Schaumweine auf der Spur bleiben
Auf ihrer Farm wird Christa van Chevallier weiter dem Geheimnis der Schaumweine auf der Spur bleiben

Das ist wichtig zu wissen. Was mich durchaus stört ist, dass wir Frauen unseren Erfolg und unser Können jedes Jahr aufs Neue bestätigen müssen. Männer bleiben, einmal erreicht, einfach auf dem Zenit stehen.

Doch dieses Wissen schreckt Christa van Chevallier nicht ab. Sie liebt ihre perlenden Weine. „Wine is unforgiving“, sagt sie. Eine stete Herausforderung. „Einen Fehler trägst du immer mit. Du gehst jedes Jahr erneut auf Zehenspitzen, bist aufgeregt, verängstigt, hoffst und bangst, ziehst die ein oder andere Schraube nach – und bist überglücklich wenn am Ende alles gut in der Flasche ist.

Wo sie sich in zehn Jahren sieht? „Auf meiner Farm“, lächelt sie und lässt den Blick über das besondere Fleckchen Erde schweifen. „Ich hätte gern einen Gemüsegarten, ein kleines Gästehaus und noch ein paar Bubblys mehr. Und dann bewirte ich meine Gäste und koche für sie.

Kochen ist wichtig … für den Wein. Das vergessen wir immer gern. Es geht nicht nur um den Inhalt der Flasche. Da ist viel mehr drum herum. Das Essen, die Musik, die Geselligkeit. Das ist das wahre Leben.“ Und das schmeckt bei Christa van Chevallier einfach herrlich prickelnd.

Weitere Informationen unter www.chevallerie.co.za

Über die Autorin

Es gibt sie ganz selten. Doch Anja Hanke hat das grosse Glück zu ihnen zu gehören: Den Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Sie liebt gutes Essen, handgefertigte Weine, erlesene Produkte und diese Verbindung an den verschiedensten Orten dieser Welt einzufangen – und für ihre Leser genussvoll aufzubereiten.

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