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Selection prämiert – Bester deutscher Jungwinzer

Selection prämiert – Bester deutscher Jungwinzer
Copyright Andreas Durst

Und der Gewinner ist: Christian Nett aus der Pfalz.

„Wooohhhhoowww!“, postete Christian Nett auf Facebook, als er von seinem Gesamtsieg beim ersten Jungwinzer-Wettbewerb von selection erfahren hatte. Kurz darauf knallten die Korken im Weindorf Duttweiler. Denn hier, in einer beinahe mediterran anmutenden Landschaft, in der auch Kiwis, Feigen, Mandeln und Esskastanien reifen, ist der Sitz seines Weingutes mit stattlichen 30 Hektar Rebflächen.

„Ich dachte mir, mach einfach mal mit bei dem neuen Wettbewerb, so lange ich noch unter der Altersgrenze von 35 bin“, begründet Christian Nett seine Teilnahme. „Und als ich im Urlaub eine Mail erhielt, dass ich Bilder von mir schicken soll, dachte ich zuerst, ich könnte bundesweit unter den Top 10 sein.“

Nun denn, er wurde mit der Durchschnittsnote seiner vier besten Weine, die für das Gesamtergebnis herangezogen wurden, mit 89,92 von maximal 100 Punkten bester Jungwinzer. Und erhielt noch in der Kategorie „Weisse Burgundersorten national trocken“ den ersten Platz mit seinem 2014er Weissburgunder trocken Avantgarde Elf, der nach Stachelbeeren, gelben und exotischen Früchten duftet, und von den Juroren mit 94 Punkten bewertet wurde. Auch Christians Lieblingssorte, der Grauburgunder, erreichte mit 92 Punkten den zweiten Platz in dieser Kategorie mit dem Wein 2014er Grauburgunder trocken Avantgarde Hansen.

Weshalb beide Sorten ganz oben stehen, hat seinen Grund. Die heute im allgemeinen erhältlichen Reben haben mit der Rebenvermehrung der 1970er und 80er Jahre ihre qualitativ wichtigen Merkmale, wenig Trauben mit kleineren Beeren, oft verloren. „Doch genau die kleinen, sehr aromatischen Trauben erhalten die volle Mineralik des Bodens, die pralle Sonne eines Sommers und ausreichend Feuchtigkeit aus der Tiefe, um zur absoluten Reife zu gelangen“, meint der Winzer.

Deshalb hat er mit seinem Vater 2004 die besten der über 50 Jahre alten Reben aus der Top-Lage Mandelberg selektiert und selbst weiter vermehrt. 2006 konnten sie in der Parzelle erstmals ihren eigenen Weissburgunder und 2007 den ersten eigenen Grauburgunder anlegen.

Junger Kreativer

Nun ist Christian Nett für einen jungen Winzer eigentlich ein alter Hase. Immerhin war er im seit 1838 familiengeführten Weingut Bergdolt-Reif & Nett bereits 2001 erstmals für den Ausbau der Weine verantwortlich. Damals war er gerade 20 Jahre jung und die Ausbildung frisch beendet. In seinem ersten Jahr im Keller musste er überwiegend liebliche Weine ausbauen, die von den Privatkunden so geschätzt waren.

Etwa einen Portugieser Rotwein lieblich in der Literflasche, dem damaligen Topseller des Betriebs. Doch der Neuling hatte andere Pläne. Und kreierte Weine mit ungewöhnlichen Namen. Etwa PIN:OX, eine Wortschöpfung aus Pinot Blanc und Auxerrois, dem Nettswerk, hinter dem ein Chardonnay aus dem 500 Liter Holzfass steckt, oder einem Riesling namens Glaube-Liebe-Hoffnung, alles trocken ausgebaut.

Den Kunden hat es gefallen, heute hat der PIN:OX dem Portugieser schon lange den ersten Rang als meistverkauften Wein abgelaufen. Und wie: „Wenn diese Cuvée einmal bei einem Händler vergriffen ist, bestellen die Kunden bei einem anderen Anbieter“, so der Winzer. Das nennt man Markenaufbau. Doch bei allen Neuerungen, die Christian Nett in seinem Betrieb durchgesetzt hat, etwas Altmodisch ist er durchaus ebenfalls. 2011 fing er an, wieder so zu arbeiten, wie einst der Senior-Chef Heinz Bergdolt-Reif begonnen hatte. “Wir bewirtschaften einige unserer besten Weinberge ausschliesslich mit Pferdekraft.”

Handarbeit mit 1 PS

Pferdeäpfel zwischen den Rebzeilen statt Traktorspuren, wieso denn das? “Weil es die Erde lockerer lässt und den Boden zum Atmen bringt. So kommt mehr Qualität in die Traube und mehr Charakter in den Wein”, ist der Pferdefreund überzeugt und streichelt sein Rheinisch-Deutsches Kaltblut namens Vicky. In den Genuss dieser behutsamen, aufwändigen und handarbeitsintensiven Bewirtschaftung mit Hilfe der Pferdekraft kommen bisher aber nur die Rebstöcke für die drei Topweine Grauburgunder, Spätburgunder und Weissburgunder aus der Spitzenlage Mandelberg.

Aber auch seine anderen Weine können sich schmecken lassen, der Muskateller etwa oder der Riesling. Wie gut, das zeigt, dass Christian trotz seiner 30 Hektar Rebflächen für seine Basislinie „Creation“ Trauben von befreundeten Kollegen dazukauft, damit die Weine nicht zu schnell vergriffen sind. Was jetzt, nachdem er als bester Jungwinzer durch die Medienlandschaft noch bekannter werden wird, noch schneller der Fall sein dürfte.

Aber keine Sorge, im Gegensatz zu manch anderen Kollegen, die aus Umsatzgründen schon einmal weniger optimales Lesegut hinzukaufen, wird sich das Christian Nett verkneifen. Das verbietet ihm schon sein Qualitätsanspruch. Und damit setzt der Jungwinzer auf das richtige Pferd. Nur schade, dass er nächstes Jahr nicht wieder beim Jungwinzer-Wettbewerb zeigen darf, was er kann. „Denn dann bin ich schon 35 Jahre.“ Nun denn, wäre schön, wenn er dennoch weiterhin Weine bei der selection anstellt, schliesslich gibt es für die anderen Wettbewerbe keine Altersbegrenzung.

Kontakt:

Weingut Bergdolt-Reif & Nett
Dudostrasse 24
67435 Duttweiler/Pfalz
Tel.: 0 63 27 / 28 03
www.weingut-brn.de

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