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Andrea Wirsching – Präsidentin von Vinissima

Andrea Wirsching – Präsidentin von Vinissima
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Unser selection-Chefredakteur Wolfgang Hubert im Interview mit Andrea Wirsching, Weingut Hans Wirsching KG im fränkischen Iphofen, und Präsidentin von „Vinissima Frauen & Wein e.V.“

Jungwinzerinnen haben es heute vor allem leichter, weil durch den technischen Fortschritt viele Arbeiten im Weinberg und im Keller nicht mehr so kraftaufwändig sind.

Frau Wirsching, Sie sind die Präsidentin von Vinissima Frauen & Wein e.V. Was sind die Schwerpunkte des Vereins?

Bei Vinissima geht es vor allem um das Netzwerken und die Weiterbildung für Weinfrauen. Die Weinbranche ist nach wie vor männlich geprägt. Das war 1991 noch viel stärker, als Vinissima gegründet wurde. Damals hatten nur wenige Frauen eine Ausbildung als Winzer, Küfer oder Weinbauingenieur. Oft hatten sie in ein Weingut hineingeheiratet und ursprünglich etwas Anderes gelernt.

Da gab es neben Arbeit und Familie keine Zeit mehr für eine weitere Ausbildung. Die meisten Frauen waren im Verkauf und im Betrieb tätig nach dem Motto „Learning by doing“. Deswegen organisiert unser Verein seit Jahren regionale und überregionale Weiterbildungen, die meistens an einem oder zwei Tagen zu machen sind.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Verkostungen und Exkursionen. Wein ist ein Kulturgut und es macht einfach Spass, sich damit zu beschäftigen. Wenn wir das im Netzwerk tun, haben wir einen intensiven Austausch und das bringt Jede von uns weiter. Alle unsere Mitglieder haben einen professionellen Bezug zu Wein. Mehr als die Hälfte sind Winzerinnen. Dazu kommen noch Händlerinnen, Gastronominnen, und Frauen aus der Touristik, der Presse und Forschung – eine bunte Mischung. Wir können die Fähigkeiten Aller bündeln und austauschen. Das ist ein Riesengewinn für uns.

Ich selbst finde unser Netzwerk sehr inspirierend und bin gerne mit den Weinfrauen zusammen. Wir haben einen sehr offenen, freundschaftlichen Umgang miteinander und unterstützen uns mit grosser Selbstverständlichkeit. Und fröhlich ist es allemal – nicht nur wegen des Weins. Der Vorsitz von Vinissima ist natürlich zeitintensiv, aber auch sehr schön, denn wir haben mit Stefanie Dreißigacker eine sehr gute Geschäftsführerin. Im Moment organisieren wir unser 25-jähriges Jubiläum, das wir 2016 mit Veranstaltungen in allen Regionen feiern werden.

Aus welchen Gründen sollte man Mitglied werden und sind da generell nur Frauen zugelassen?

Gerade Jungwinzerinnen können vom Erfahrungsaustausch profitieren. Die Lebenserfahrung der anderen, Brainstorming und die Freude am Wein jenseits des Alltags, das bringt alle weiter. Was die Männer betrifft, sind wir locker, denn der Feminismus ist kein Thema bei uns. Aber wir bleiben trotzdem ein Frauen-Netzwerk, denn wenn Frauen unter sich sind, tauschen sie sich mit grösserer Offenheit aus.

Haben es Jungwinzerinnen leichter als in früheren Jahren, profitieren sie zum Beispiel vom globalen Weinwettbewerb oder hat dieser eher Nachteile?

Jungwinzerinnen haben es heute vor allem leichter, weil durch den technischen Fortschritt viele Arbeiten im Weinberg und im Keller nicht mehr so kraftaufwändig sind. Ausserdem ist es mittlerweile selbstverständlich für Frauen, sich gut auszubilden und das in nahezu jedem Beruf. Was aber nach wie vor schwierig ist, ist die Verbindung von Beruf und Familie.

Ich denke, gerade in dem Punkt haben Frauen einen Nachteil, weil die Hauptarbeit in der Familie immer noch von ihnen geleistet wird. In der Weinbranche gibt es zwar noch viele traditionelle Familienbetriebe, aber diese Strukturen wandeln sich auch und die Scheidungsraten sind hoch. Gerade der Austausch und die Unterstützung im Netzwerk helfen da oft weiter.

Was den globalen Weinwettbewerb betrifft, so sehe ich in den Auswirkungen keinen expliziten Unterschied zwischen Jungwinzern und Jungwinzerinnen. Diese Herausforderungen sind professioneller Art und da macht das Geschlecht keinen Unterschied.

Was würden Sie Jungwinzerinnen für ihr Berufsleben raten?

Ich würde Jungwinzerinnen raten, auch nach Abschluss ihrer Ausbildung so viel wie möglich zu lernen und viele Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Und ich würde ihnen immer raten, im Austausch und Kontakt untereinander zu bleiben.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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