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Wetterextreme – Italien und Frankreich fürchten um Weinernte

3. August 2017 14:01

ITALIEN/FRANKREICH – Der Jahrgang 2017 wird wohl für Frankreich und Italien zum Fiasko. In Frankreich wird die Ernte wegen des kalten Frühjahrs und des vielen Regens auf ein Rekordniveau sinken, in Italien ist sie von einer anhaltenden Dürre bedroht.

Von Ruth Preywisch

„Die Ernte 2017 wird um 17 Prozent geringer als 2016 und um 16 Prozent geringer als durchschnittlich in den letzten fünf Jahren sein“, heisst es im Kommuniqué von Agreste, dem Statistikbüro des französischen Landwirtschaftsministeriums. Die Weinproduktion werde von 45 Millionen Hektolitern im Jahr 2016 bis auf 38 Millionen Hektoliter in diesem Jahr sinken. Die Landwirtschaftsbehörde spricht schon jetzt von einem „Rekordtief“.

Gebeutelte Reben: Dürre in Italien und Frostschäden in Frankreich
Gebeutelte Reben: Dürre in Italien und Frostschäden in Frankreich

Sie geht davon aus, dass die Weinproduktion noch geringer sein wird als im Jahr 1991. Damals hatte es ebenfalls wegen der Kälte Einbussen gegeben. Die Regionen Bordeaux, Charente, Alsace (Elsass) und Jura waren vor allem von der Kältewelle im April betroffen. Die Regionen Bourgogne (Burgund) und Languedoc sowie der Südosten und Südwesten des Landes wurden von Hagelstürmen schwer getroffen, ganze Rebflächen wurden komplett verwüstet.

In Italien wären die Winzer dagegen vielleicht sogar froh um Hagelkörner, denn das gesamte Land leidet unter einer seit Monaten anhaltenden Dürre. In Teilen Italiens soll deshalb jetzt sogar der Notstand ausgerufen werden.

Die Präsidenten von zehn Regionen baten die Regierung in Rom um finanzielle Unterstützung für Landwirte und Viehzüchter, die unter der Wasserknappheit besonders stark leiden. Die Trockenheit verursachte bis jetzt Schäden in Höhe von fast zwei Milliarden Euro. Der Chef des italienischen Landwirtschaftsverbands, Roberto Moncalvo, bezeichnete die Landwirtschaft als „den Wirtschaftssektor, der am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leidet“.

Er forderte zudem stärkere Massnahmen zur Bekämpfung von Wasserverschwendung. In Rom wurde das schon umgesetzt, der Bracciano-See, aus dem die örtlichen Wasserversorger ihr Wasser pumpen, ist auf historischem Tiefstand und die Bürger der Stadt müssen sich auf die Unterbrechung der Wasserversorgung einstellen. Doch die Landwirte und Winzer können die Bewässerung nicht einstellen, ohne den Verlust ihrer Pflanzen zu riskieren.

Unter den Winzern sind vor allem die in der norditalienischen Region Venetien betroffen. Venetien ist Italiens grösste Weinbauregion mit elf Millionen Hektolitern Wein jährlich. Die Dürre gefährde die gesamte Weinproduktion der Region, sagen Winzerverbände. „In den Kirchen unserer Region werden Messen zelebriert, bei denen die Gläubigen um Regen bitten“, sagte der Präsident Venetiens, Luca Zaia. Bisher hat das allerdings nicht geholfen.

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