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Koscherer Bocksbeutel als Botschafter

9. Mai 2017 15:39

DEUTSCHLAND (Iphofen) – Ein Weingut aus Iphofen hat den ersten koscheren Silvaner Unterfrankens produziert. Für den Winzer nicht ganz ohne Risiko, denn wie der Wein schmeckt, weiss nur der Rabbi, der die Produktion überwacht hat.

Von Ruth Preywisch

Die Regeln für koschere Lebensmittel sind streng. Für koscheren Wein beginnen die Vorschriften nicht erst mit der Produktion. Schon im Weinberg darf kein Obst und auch kein Gemüse zwischen den Weinstöcken wachsen. Die Trauben dürfen auch erst im vierten Jahr nach der Pflanzung eines Weinstockes verwendet werden. Und im siebten Jahr, dem Sabbatjahr, müssen die Felder und Weinberge ruhen und dürfen nicht verwendet werden.

 Koscheren Wein gibt es nun auch in Unterfranken
Koscheren Wein gibt es nun auch in Unterfranken

In den Kellereien muss dann ein Rabbi die Einhaltung der Vorschriften bei der Weinproduktion überwachsen. Und diese sind umfangreich. Nur männliche Juden, die den Sabbat einhalten, dürfen mit dem Wein in Kontakt kommen. Alle Anlagen und Werkzeuge müssen intensiv gereinigt und sterilisiert sein, um Verschmutzung mit unkoscheren Fremdkörpern zu vermeiden.

Zur Klärung und Filterung dürfen keine tierischen Stoffe verwendet werden, die übliche Nutzung von Gelatine ist untersagt. Um sicherzustellen, dass der Wein auch koscher bleibt, wenn ein Jude, der den Sabbat nicht einhält, ihn ausschenkt, muss er mewuschal sein. Dafür wird er kurze Zeit auf 80 – 90 °C erhitzt.

Und wenn all das gegeben ist, wird auch noch die Maaser-Zeremonie durchgeführt, in der ein Prozent der Produktionsmenge als Symbol für die Abgabe des Zehnten an die Hohepriester während der Zeit des Ersten und Zweiten Tempels vernichtet werden. Keine leichte Aufgabe also, die das Weingut Wirsching zu bewältigen hatte. Doch mit Hilfe eines extra eingereisten Rabbiners aus Luxemburg ist es ihnen gelungen, den ersten koscheren Silvaner im Bocksbeutel auf den Markt zu bringen.

Der Rabbi überwachte in der Produktionszeit jeden Handgriff, der Kellermeister durfte den Wein während der gesamten Zeit nicht einmal sehen. Er musste laut Chefin Andrea Wirsching in einem anderen Raum bleiben, während der Rabbi Fotos von Geräten machte, sich im Nebenzimmer Anweisungen abholte und die Produktion des Weines vorantrieb. Ein zweites Fass sollte dem Kellermeister wenigstens einen groben Eindruck von der Entwicklung des Safts ermöglichen.

Winzerin Andrea Wirsching jedoch hat der Aufwand nicht abgeschreckt. Auf mehreren Israel-Reisen hat habe sie sich in Land und Leute verliebt, sagte sie. Die Folge war eine Kooperation mit einem israelischen Weingut und jetzt eben der koschere Wein im Bocksbeutel.

Einer der ersten, die den koscheren Silvaner verkosteten, war der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland,  Josef Schuster. Er lobte den Entschluss der Familie Wirsching, einen koscheren Wein zu produzieren als Ausdruck einer positiven Entwicklung für jüdisches Leben in Deutschland. Es werde vielfältiger, denn bisher gab es nur koscheren Riesling von Saar und Mosel.

Und jetzt eben auch 4800 Flaschen Silvaner im Bocksbeutel. Abnehmer des Weins werden auch nicht nur die deutschen jüdischen Gemeinden sein, Wirsching hat bereits Anfragen aus den USA und von einigen deutschen Weinhändlern, die an sich nichts mit dem Judentum zu tun haben.

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