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Frost trifft ganzen Bordeaux-Jahrgang

7. Mai 2017 19:45

FRANKREICH (Bordeaux) – Die Nacht vom 26. auf den 27. April wird wohl als „schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte des französischen Weins eingehen. Bitterkalter Frost hat offenbar einen Grossteil des Jahrgangs 2017 zerstört. Die Folgen sind noch nicht abzuschätzen, aber im Bordeaux geht man davon aus, dass auch der gerade gestartete „en primeur“-Verkauf des Jahrgangs 2016 davon beeinflusst werden könnte.

Von Ruth Preywisch

Mit einiger Verzögerung hat die Kältefront, die vorher in Mitteleuropa und auch in der Champagne wütete, am 26. April auch Bordeaux getroffen. Betroffen war vor allem das rechte Ufer im Bordelais. Bis zu -3 Grad Celsius wurden gemessen. Der frühe Austrieb der Weinreben konnte den Minusgraden vielfach nicht trotzen. Die Winzervereinigung FDSEA schätzt, dass an mehreren Tausend Hektar Rebfläche Frostschäden entstanden seien.

 Kälte hat auch im Bordeaux Schaden angerichtet
Kälte hat auch im Bordeaux Schaden angerichtet

Der Frost habe Frankreich härter getroffen, als der von 1991, sagen Fachleute. Befürchtet werden Schäden an bis zu 70 Prozent der gesamten Rebfläche. Château Fleur Cardinale in St-Emilion meldete Verluste von rund 80 Prozent. „Für bestimmte Grundstücke gibt es absolut keine Hoffnung„, sagt Caroline Decoster dem Magazin Decanter. Château Grand Corbin Despagne hat demnach bis zu 90 Prozent verloren und das Château Couraze in Fronsac 95 Prozent.

Und das in nur zwei Stunden. Auch Vignobles Ducourt wurde empfindlich getroffen. In Cheval Blanc und Grand Corbin Despagne wurden sogar Hubschrauber losgeschickt, um warme Luft an den Boden zu wirbeln. Doch diese konnten erst spät starten und der Frost hatte schon zugeschlagen. Teilweise wurden hier tatsächlich 100 Prozent der Ernte zerstört. Andere grosse Güter hatten mehr Glück, von den Grand-Vin-Lieferanten seien 80 Prozent der Reben unversehrt.

Die Winzer hoffen jetzt auf eine zweite Blüte, aber selbst, wenn diese kommt, bringt sie erfahrungsgemäss nicht dieselben Erträge wie die erste. Und wahrscheinlich auch nicht dieselbe Qualität. Viele Bordeaux-Winzer gehen deshalb davon aus, dass das Jahr 2018 eine finanzielle Abschreibung wird. Vor allem für kleinere Betriebe oder diejenigen, die mit Schulden behaftet sind, kann das existenzgefährdend werden. Grössere Betriebe dagegen könnten durch Ankäufe gewinnen.

Daneben erwarten Analysten auch Auswirkungen auf die Bordeaux-Kampagne von 2016, die eigentlich gerade angelaufen ist. Da die Winzer sich jetzt mit akuten und ernsten Problemen herumschlagen müssen,  gehen viele davon aus, dass sich der Verkauf verlangsamen wird. Ausserdem kann es dazu kommen, dass weit weniger 2016er-Wein früh auf dem Markt kommt, als erwartet.

Die Winzer könnten so versuchen, ihre zu erwartenden Verluste aus dem 2017er-Jahrgang zu kompensieren. Und wie sich die Preise verhalten, ist bei Bordeaux ohnehin schwer vorherzusagen. Der 2016er-Jahrgang ist qualitativ sehr gut, bei knappem Angebot und in Erwartung eines Ausfalls des Jahrgangs 2017 ist nicht unwahrscheinlich, dass sie in die Höhe schiessen.

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