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Britische Weinbranche fordert Steuersenkung

14. Februar 2017 12:09

GROSSBRITANNIEN (London) – Angesichts des drohenden Brexits und des Pfund-Verfalls wird die britische Weinbranche zunehmend nervöser. Die Preise für importierte Weine steigen und britische Handelsorganisationen fordern massive Steuersenkungen.

Von Ruth Preywisch

Brexit erschwert den Weinhandel
Brexit erschwert den Weinhandel

Schon jetzt muss der britische Handel immer mehr für Importweine ausgeben. Und das macht sich bemerkbar in einem Markt, bei dem fast 100 Prozent der Weine importiert werden. Das Vereinigte Königreich ist der zweitgrösste Weinimporteur der Welt und das nach Volumen und Wert, die Hälfte der Weine kommt aus der Europäischen Union.

Die steigenden Kosten senken nicht nur die Gewinne der Händler, sie haben auch Konsequenzen für die Konsumenten. „Wir müssen unsere Mehrkosten umlegen und an den Verbraucher weitergeben, anders geht es nicht. Nicht alle, aber die meisten von uns werden damit bereits im ersten Quartal dieses Jahres beginnen“, wird ein britischer Weinhändler in der Presse zitiert.

Von der Preiserhöhung wird vor allem die breite Mittelschicht betroffen sein. Käufer, die für eine wertvolle Flasche künftig 320 statt 300 Pfund bezahlen, werden das kaum bemerken. Im niedrigen bis mittleren Preissegment dagegen werden Steigerungen um die 10 Prozent die Käufer sicher beeinflussen.

Langfristig ist davon auszugehen, dass der Rückgang des Pfunds den Verkauf und damit die Umsätze belasten wird. Paradoxerweise hat er den britischen Weinhändlern aber zuerst mal ein Umsatzplus beschert. Denn internationale Wienhändler kaufen momentan Weine aus Bordeaux im Vereinigten Königreich ein, statt sie direkt vor Ort zu ordern, da sie in Grossbritannien billiger sind. Doch das wird sich ändern, wenn die Preise anziehen.

Wie andere Handelsorganisationen überlegt auch die britische Wine and Spirit Trade Association (WSTA) mit Sitz in London, wie sie auf den Brexit und seine Folgen reagiert. Die WSTA vertritt über 300 Wein- und Spirituosenunternehmen im Vereinigten Königreich. In einem aktuellen Strategiepapier fordert die Organisation einen zoll- und kontingentfreien Zugang zum EU-Markt.

„Wir möchten verhindern, dass die Produktions- und Handelsströme durch den Brexit beeinträchtigt werden. Es darf nicht sein, dass Europas Winzer Hindernisse überwinden müssen, wenn sie ihre Produkte verkaufen“, sagt Simon Stannard, Direktor der europäischen Angelegenheiten bei der WSTA. Doch ob das gelingt ist unklar, denn die Regierung strebt offenbar einen harten Brexit an.

Dann müssten völlig neue Handelsgesetze entworfen und verabschiedet werden und da diese Entscheidungen nicht kurzfristig getroffen werden, hat die WSTA im Rahmen ihrer Budgetplanung im Januar eine ehrgeizige Sofort-Forderung formuliert. Theresa May soll die Steuerabgabe auf den Handel mit Wein und Spirituosen ab März 2017 um zwei Prozent senken.

Mit diesem Appell ist die Weinbranche nicht allein, ähnliches fordern derzeit auch andere Handelsorganisationen. Doch die britische Weinbranche fühlt sich mehr als andere vernachlässigt. „Wein unterliegt einer sehr hohen Verbrauchssteuer und wird seit Jahren sukzessive nachlässiger behandelt“, heisst es vorwurfsvoll in der internen Budgetplanung.

Und weiter: „Die WSTA erwartet, sollte die Regierung nicht einlenken, bei der Abwertung des Pfundes eine dreifache Bedrohung durch eine steigende Inflation.“ Die WSTA stützt sich bei ihren Bemühungen u.a. auch auf eine unabhängige Studie, die nachweist, dass eine Reduzierung der Steuer um zwei Prozent den ökonomischen Beitrag der Branche um 3,4 Milliarden Euro letztlich in der Summe auf rund 58 Milliarden Euro erhöhen würde.

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