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Welche Stoffe bereiten Kopfschmerzen nach Wein?

Welche Stoffe bereiten Kopfschmerzen nach Wein?
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Sulfit, Tannine, Histamin und Co.: Die Verdächtigen im Überblick und wie viel an ihnen dran ist – und ein paar Tipps dazu, wie man den „Schädel“ vermeidet.

Süsser Partywein, schwere Rote, sprudelnder Sekt – „Oh je, schon wieder so ein Kopfschmerz-Wein“, stöhnen viele auf, wenn sie auf den Tisch kommen. Und jeder hat seine eigenen Erfahrungen, nach welchem Getränk er am nächsten Tag besonders mit Kopfschmerzen oder gar Migräne zu kämpfen hat.

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Ein Thema, mit dem sich auch die Deutsche Weinakademie beschäftigt. Die Organisation, die zum Deutschen Weinfonds gehört, beleuchtet die gesundheitlichen Auswirkungen von Weingenuss. Die wissenschaftliche Leiterin ist Dr. Claudia Stein-Hammer. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin, Toxikologin und nebenbei auch Winzertochter. Sie hat die üblichen Verdächtigen beim Thema „Wein und Kopfschmerzen“ unter die Lupe genommen:

Sulfite

Seit 2005 muss auf jeder Weinflasche der Hinweis stehen: Enthält Sulfite – denn es gibt kaum Weine, die sie nicht enthalten. Schwefel ist nämlich notwendig, um den Wein haltbar zu machen. Tendenziell enthalten Weissweine mehr Sulfite als Rote. Aber nicht nur sie: „Sehr viele verarbeitete Lebensmittel enthalten Sulfite, beispielsweise Chips, Kartoffelpüree-Pulver oder Trockenfrüchte“, weiss Claudia Stein-Hammer.

Problematisch werden können Sulfite für Asthmatiker, denn bei ihnen können sie pseudo-allergische Reaktionen auslösen, erklärt die Expertin. Dazu gehören neben einer Verstärkung des Asthmas auch Kopfschmerzen.

Histamin

Zu einem Glas Wein, ein Glas Wasser
Zu einem Glas Wein, ein Glas Wasser

Ein Stoff, der in den vergangenen Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit erhält. Auch er ist in Wein enthalten, und zwar tendenziell mehr in Rotweinen. Das hat u. a. mit der Maischegärung zu tun, den der Rotwein durchläuft. Bei Weissen wird dieses Verfahren eher selten angewendet, etwa bei Orange Wines.

„Ein erhöhter Histamingehalt kann aber auch das Resultat von langer Fassreife oder mangelnder Kellerhygiene sein“, berichtet Claudia Stein-Hammer. Auch die für den biologischen Säureabbau eingesetzten Bakterienstämme produzierten Histamine.

Trotzdem enthalten die meisten Weine kein oder nur geringe Mengen Histamin, vor allem, wenn sie mit Bentonit geklärt wurden. Deutlich höhere Werte erreichen viele Milchprodukte, vor allem gereifter Hartkäse. Auch Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Sauerkraut oder geräucherte Fleisch- und Fischwaren enthalten viele Histamine. Wer auf diese Lebensmittel reagiert, kann auch bei manchen Weinen Probleme bekommen.

Claudia Stein-Hammer erklärt ausserdem: „Oft tritt eine Unverträglichkeit auch erst im Alter auf. Es gibt Menschen, die z. B. immer gerne Rotwein zum Käse getrunken haben, und es plötzlich nicht mehr vertragen.“ Auch sei zu beobachten, dass Frauen davon häufiger betroffen sind als Männer.

Tannine

Auch da sei schon etwas dran, berichtet die Expertin. Studien wiesen darauf hin, dass die Gerbstoffe die Gefässe erweitern könnten, was bei entsprechend anfälligen Menschen eine Migräne auslösen kann.

Eine Studie, die im amerikanischen Medizinjournal „Headache“ im Jahr 2014 erschien, untersuchte die Wirkung von tanninreichen Rotweinen auf 40 Testpersonen. Diese bezeichneten sich selbst einerseits als Weintrinker und andererseits als migräneanfällig. Die Wissenschaftler sahen nach ihren Tests einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Tanningehalts und dem Auftreten von Migräne unmittelbar nach dem Weingenuss.

Zucker

„Zucker selbst hat kein allergenes Potenzial“, stellt Claudia Stein-Hammer klar. An der Süsse des Weines an sich könne es also nicht liegen, wenn danach Kopfschmerzen auftreten.

Allerdings: „Je höher die Restüsse eines Weines ist, desto höher ist tendenziell der Schwefelgehalt.“ Weine enthalten in der Regel 150 bis 400 mg/l Sulfite, und die restsüssen Weine befänden sich häufiger am oberen Ende der Skala.

Auch seien in manchen restüssen Weinen mehr Begleitalkohole enthalten, auch Fuselalkohole genannt. Das hänge damit zusammen, dass sich die Weinbereitung für trockene und liebliche Weine unterscheide.

Kohlensäure

„Kohlensäure steigert die Aufnahmefähigkeit der Zellen“, so die Ernährungswissenschaftlerin. Das hat zur Folge, dass der Alkohol schneller ins Blut gelangt. Es kann also sein, dass man auf Sekt oder Perlwein schneller beschwipst ist. Als Auslöser für Kopfschmerzen wird das Prickeln aber nicht identifiziert.

Alkohol

Alkohol wirkt dehydrierend, das ist in der medizinischen Forschung hinreichend belegt. Das bedeutet, dass er dem Körper Flüssigkeit entzieht, und dieser Flüssgkeitsmangel führt zu – wer hätte das gedacht – Kopfschmerzen.

Wer dem Wein am Abend in grösseren Mengen zugesprochen hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit am nächsten Morgen mit einem „Schädel“ aufwachen. Klingt banal, bloss: Ab welchen Mengen dieser Effekt schon auftritt, wird oft unterschätzt.

Die Initiative „Wine in Moderation“, die sich für verantwortungsbewussten Weingenuss einsetzt und auch von der Deutschen Weinakademie unterstützt wird, rät, nicht mehr als 400 ml Wein an einem Tag zu trinken – maximal. Im Durchschnitt sollten demnach Frauen höchstens 200 ml und Männer nicht mehr als 300 ml täglich zu sich nehmen.

Allerdings gibt es auch Menschen, die auf Alkohol selbst mit einer Unverträglichkeit reagieren: Sie fühlen sich auch nach kleinen Mengen schnell duselig, bekommen ein rotes Gesicht und unter Umständen auch Kopfweh.

Das sei aber keine „Alkohol-Allergie“, wie der Volksmund dieses Phänomen gerne nennt, so die Expertin, sondern eine Enzymschwäche – die Enzyme, die im Körper den Alkohol abbauen, sind bei den Betroffenen in zu kleinen Mengen vorhanden.

Claudia Stein-Hammer fasst daher zusammen: „Es gibt einige Menschen, die auf Sulfite, Histamin, Tannine oder Alkohol sehr empfindlich reagieren und dadurch auch Kopfschmerzen bekommen können. Diese treten dann aber direkt auf, also wenige Stunden nach dem Weintrinken. Wer aber erst am nächsten Tag Beschwerden hat, hat einfach zu viel Alkohol zu sich genommen.“

Was hilft gegen den Kopfschmerz?

Und was tun, wenn es nun einmal so weit gekommen ist? Claudia Stein-Hammer rät zu den bekannten Hausmitteln: „Elektrolythaltige Lebensmittel, also z. B. salzige Speisen und viel Mineralwasser.“ Auch Kaffee könne helfen, denn: „Koffein ist ein Gegenspieler des Adenosins, das im Körper erhöht ist, wenn man zu viel Alkohol getrunken hat.“

Wer dem Kopfschmerz am nächsten Tag vorbeugen will, sollte sich während des Weintrinkens einfach an die Faustregel halten: „Ein Glas Wasser, ein Glas Wein.“ Das bedeutet auch: Wein nicht gegen den Durst trinken, sondern für den Genuss.

Also: In den allermeisten Fällen genügt es, Wein langsam und in moderaten Mengen zu trinken, und zudem auf die Wasserzufuhr zu achten. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt ein kohlensäurearmes oder stilles Wasser mit hohem Mineraliengehalt als Weinbegleiter.

Wer tatsächlich eine festgestellte Unverträglichkeit hat, dem bleibt nichts anderes übrig, als die entsprechenden Weine zu meiden oder sie nicht mit anderen Lebensmitteln zu kombinieren, die die Symptome verstärken können.

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Im Überblick

Bei einer Unverträglichkeit von … eignet sich (tendenziell) …
Sulfite – trockener Wein
– Rotwein
– Kombination mit z. B. Chips vermeiden
Histamin – Weisswein
– als „histaminarm“ ausgewiesener Wein
– Wein nicht mit z. B. Hartkäse, geräucherter Wurst und Schinken, Räucherfisch kombinieren
Tannine – Weisswein
– leichte Rotweine ohne Holzausbau
– tanninarme Rebsorten, z. B. Pinot Noir, Merlot, Gamay, Lagrein, Cinsault
Alkohol – in schweren Fällen: Verzicht

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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