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Weinfehler erkennen Teil II – Fehler riechen und schmecken

Weinfehler erkennen Teil II –  Fehler riechen und schmecken
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Nicht jeder Wein, der einem nicht schmeckt, muss einen Weinfehler haben. Es gibt Weine mit ungewöhnlichen Noten, die anfangs irritieren können. Doch meistens hat man leider einen fehlerbehafteten oder gar ungenießbaren Tropfen im Glas.

Alle Infos auf einen Blick: Weinfehler am Geruch erkennen

Der mit Abstand häufigste Weinfehler ist auf den Korken zurückzuführen. Leider kann man von außen nicht erkennen, ob ein Wein betroffen ist, denn eine optische Prüfung gibt keinen Aufschluss darüber. Meistens erkennt man aber bereits beim Riechen am Korken, ob ein Fehler vorliegt. Ist man sich unschlüssig, gießt man etwas Wein ins Glas. Riecht der Wein muffig, handelt es sich um einen Korkfehler. Jedoch zeigt sich der Korkton nicht immer in der Nase, sondern erst beim Trinken.

Wie es zum Korkfehler kommt

Gelegentlich erkennt man den Korkfehler gar nicht eindeutig, sondern der Wein riecht und schmeckt einfach nur weniger fruchtig oder einfach nur schlechter als eine Vergleichsflasche. Wie aber kommt es zu einem Korkfehler? Der Verursacher nennt sich TCA, Trichloranisol. Das entsteht auf den Rinden der Korkeiche durch den mikrobiellen Abbau von TCP, Trichlorphenol, das meist als Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln in die Rinde eingetragen werden kann.

Allerdings gibt es auch andere Ursachen für diesen muffig-modrigen Fehlton im Wein. So können sich vor allem Anisol-Verbindungen durch den Einsatz chlorhaltiger Reinigungs- wie Desinfektionsmittel im Keller, aber auch über Kartons oder Paletten in den Wein schleichen. Deshalb kann ein Korkton, wenn auch sehr selten, sogar in Weinen mit alternativen Verschlüssen auftreten. Da Korkfehltöne nicht verschwinden, sind davon betroffene Weine leider nicht mehr wirklich mit Spaß genießbar, auch nicht im Kochtopf.

Andere schmeckbare Fehler

Bei den Weinfehlern unterscheidet man zwischen bleibenden und vorübergehenden. Zu den bleibenden Fehlern zählt etwa der Schwefelböckser, zu erkennen am stechenden oder an Streichhölzern erinnernden Duft. Dieser Wein wurde meist mit zu hohen Schwefelbeigaben behandelt und bietet kein wirkliches Trinkvergnügen.

Ein Wein mit Muff- oder Fasston riecht und schmeckt modrig oder nach nasser Erde. Die Ursachen dafür sind meist Schimmelpilze, die sich in unzureichend gereinigten Fässern gebildet haben. Ist der Fehlton nur wenig ausgeprägt, kann er nach längerer Luftzufuhr weitgehend verschwinden und kann theoretisch noch genießbar sein.

Riecht ein Wein nach Geranien, ist meistens etwas im Keller falsch gelaufen. Diese Note entsteht durch den Abbau von Sorbinsäure durch Bakterien während und nach Gärung. Sie kann aber nur bei Weinen entstehen, die mit diesem Konservierungsmittel behandelt wurden.
Wer mit Aromen von Mottenkugeln oder nassem Pappkarton konfrontiert wird, hat es meistens mit UTA zu tun. Diese „Untypische Altersnote“ kann vor allem bei Trockenstress, zu hohen Erträgen oder vorzeitiger Lese auftreten. Generell kann man diese Weine aber trinken. Wirkt ein Wein nach dem Öffnen eher schal oder fast ranzig, wurde der Wein in der Regel zu wenig geschwefelt, so dass der Sauerstoff in der Flasche zu einer Oxidation führte.

Riecht ein Wein nach Stall oder Urin, sind meist spezielle Hefearten dafür zuständig. Dieses „Mäuseln“ kann hauptsächlich bei Rotweinen mit sehr niedrigen Säurewerten vor allem in sehr heißen Jahren entstehen. Ist der Geruch nicht allzu intensiv, kann man den Wein ruhig trinken.

Duftet ein Wein nach verbranntem Gummi, Knoblauch, Blumenkohl oder faulen Eiern, liegt meist ein „Merkaptanböckser“ vor. Der entsteht durch von Hefe in Schwefelwasserstoff umgewandelte Sulfite, die durch die Schwefelung in den Wein gelangten, manchmal auch bei zu warmer Gärung. Werden diese Sulfite nach der Gärung mit einfachen Hilfsmittel nicht entfernt, entsteht durch die Reaktion mit Alkohol dieser unangenehme Duft.

Bei sehr alkoholreichen oder edelsüßen Weinen kann es ab und an vorkommen, dass sich ein Geruch von Nagellack entwickelt. Das kommt von einer zu hohen Konzentration an von Essigbakterien produzierter Essigsäure oder Äthylacetat im Wein. Eine kleine Menge davon ist an für sich in jedem Wein enthalten, es sollte nur nicht zuviel sein. In der Regel sind bis zu 1,5 Gramm je Liter geschmacklich unbedenklich.

Bei diesen gängigsten Weinfehlern gilt die Faustregel: Den Wein erst einmal rund zehn Minuten im Glas stehen lassen, manche Fehler verschwinden dann durch Luftzufuhr oder reduzieren sich auf ein erträgliches Maß. Notfalls lässt man die Flasche über Nacht offen stehen und probiert dann noch einmal. Wegschütten kann man dann immer noch.

Auf einen Blick: Weinfehler am Geruch erkennen

Viele Weinfehler kann man am Geruch und am Geschmack erkennen. Fehler bedeuten aber nicht immer, dass der Wein ungeniessbar ist. Oft hilft es schon den Wein rund 15 Minuten atmen zu lassen, um dann noch einmal zu probieren. Hier eine kurze Übersicht zu den Merkmalen und deren Bedeutung.

Geruchsmerkmal Bedeutung
Korken oder eingeschenkter Wein riecht muffig Der Wein ist nicht mehr geniessbar. Gründe können die Bildung von Trichloranisol aber auch chlorhaltige Reinigungsmittel sein, die bei der Lagerung in die Flasche gelangt sind. Auch korkfreie Weine können betroffen sein.
Wein riecht nach frisch entzündeten Streichhölzern Der Wein wurde mit zu grossen Schwefelbeigaben behandelt und ist nicht mehr geniessbar.
Wein riecht modrig oder nach nasser Erde Bei der Fasslagerung haben sich eventuell Schimmelpilze abgesetzt. Ist der Eindruck wenig ausgeprägt, hilft es schon den Wein etwas atmen zu lassen.
Wein riecht nach Mottenkugeln oder Geranien Die Gründe sind vielzellig. Im Regelfall ist jedoch was im Keller schief gelaufen. Schmeckt der Wein trotzdem noch, steht dem Trinkgenuss nichts im Wege.
Wein riecht nach Stall oder Urin Grund hierfür sind bestimmte Hefearten. Auch hier gilt: Ist der Eindruck nicht zu stark ausgeprägt, kann man den Wein noch trinken.
Wein riecht nach Gummi, Knoblauch, Blumenkohl oder faulen Eiern Fehler bei der Schwefelung oder zu warme Gärung. Der unangenehme Duft verdirbt oft den Genuss.
Edelsüsse und alkoholreiche Weine riechen nach Nagellack Zu viel Essigsäure oder Äthylacetat im Wein. Bei einer Konzentration von über 1,5 Gramm pro Liter ist der Wein nicht mehr geniessbar.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

Kommentare

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Dr.L.othar Markus

Sehr gute, objektive und sachliche Information, auf die man jeder Zeit zurückgreifen kann, wenn man Probleme mit dem Wein hat.

Juergen Czemmel

Hallo,Herr Hubert
ich habe ein paar Flaschen Falnghina gekauft,und beim 1.Genuss ist mir aufgefallen das der Wein sehr stark nach Hefe riecht,original wie ein Hefewürfel.Schmecken tut er nicht danach.Ist das ein typischer Geruch für diesen Wein?

Andrea Kombrink

Guten Tag, Herr Hubert,

leider finde ich den von mir vermuteten schmeckbaren Fehler nicht - liegt es daran, dass es keiner war, oder dass ich ihn nicht einordnen kann?

Folgendes: In einem Bistro habe ich ein Glas eines nach meinem Weingeschmack SEHR GUTEN Rotweins getrunken. Da sich meine geschmackliche Einschätzung im Abstand von einigen Wochen mehrfach wiederholte, wollte ich meinen Lebensgefährten an dem Geschmackserlebnis teilhaben lassen und habe daher (ebenfalls in dem gehobenen Bistro) eine Flasche desselben Weins und desselben Jahrgangs erworben.

Nach dem Öffnen zuhause ein paar Tage später war jedoch die Enttäuschung groß: War der Wein im Glas schwer, warm, füllig, komplex, kraftvoll, war es der Flaschenwein nicht. Er hatte nichts von der gewohnten Wuchtigkeit, sondern schmeckte im Gegenteil leicht bizzelig - was ich von diesem Wein nicht gewohnt war. Er war auch nicht ungenießbar, aber er war - insbesondere für den Flaschenpreis von knapp 20 Euro - eben enttäuschend. Ein paar Tage darauf habe ich den Wein wieder glasweise im Bistro getrunken, und er war wunderbar! Und ja, wir bsitzen gute Rotweingläser - nicht die teuersten, aber auch keine ganz billigen.

Ich dachte immer, ein Wein hat entweder Kork - was man riecht, oder er ist in Ordnung, oder er kippt - wenn zu lange udn / oder falsch gelagert - und ist quasi dann (Wein-) Essig.

Können Sie mir die Sache erklären?

Im Voraus besten Dank!

Freundliche Grüße,
Andrea Kombrink

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