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Vorurteile und Mythen – Teil 5: Prosecco ist eine Traube

Vorurteile und Mythen – Teil 5: Prosecco ist eine Traube
Copyright iStockphoto @mattjeacock

Nicht erst seit der anhaltenden Aperol Spritz-Flutwelle ist der Prosecco Frizzante in aller Munde. Klar, er kommt ebenso wie der Aperol aus Italien, aber ist Prosecco nun eine Traube, ein Gebiet oder eine clevere Erfindung?

Die Antwort darauf ist eindeutig: Dreimal ein klares jein, je nach Zeitfenster. Die Rebsorte, die für den Prosecco wie man ihn heute kennt verwendet wird, hat ihren Ursprung im nordöstlichen Italien. Dort verursachten in früheren Zeiten die häufig sehr kühlen Wintermonate nicht selten eine Unterbrechung der Gärung dieser spät reifenden Sorte. Mit der Folge, dass diese erst wieder im Frühjahr etwas nachgären konnte und der junge Wein dadurch einen Restanteil natürlicher Kohlensäure enthielt.

Heutzutage wird dem Frizzante in der Regel Kohlensäure zugesetzt, während der Prosecco Spumante, sozusagen ein italienischer Sekt, seine prickelnden Perlen meist durch die klassische zweite Gärung erhält. Aber zurück zum Prosecco Frizzante. Aus welchen Gebieten kommt er denn heute? Nun muss man den Begriff „heute“ etwas differenzieren. In die Zeit vor dem 17. Juli 2009 und danach.

Eine Rebsorte verschwindet…

Denn vor diesem Datum sorgte der Prosecco Frizzante-Boom für eine enorme Ausbreitung der einstigen Anbauregionen. Prosecco gab es nicht mehr nur in Venetien oder Friaul, den beiden klassischen Prosecco-Gebieten wo die besten Qualitäten herkommen, sondern etwa auch in der Lombardei und in der Emilia Romana. Dazu kauften nicht zuletzt deutsche Kellereien im großen Stil offene Weine aus diesen Regionen und boten sie im Discount und den Supermärkten zu sehr günstigen Preisen an, eine Zeitlang auch in handlichen Dosen.

Daher beschloss das italienische Landwirtschaftsministerium 2009 zum Schutz des Produktes, dass ab dem 1. Januar des folgenden Jahres die Rebsorte Prosecco offiziell in Glera umbenannt werden muss. Das ist allerdings kein Kunstname, denn die Sorte Glera war schon lange an der Küste um Triest, wo der Ursprung des Prosecco vermutet wird, bekannt.

… und taucht wieder auf

Warum es dennoch heute noch Prosecco Frizzante zu kaufen gibt, hat einen einfachen Grund. Denn diese Perlweine dürfen weiterhin diesen Namen tragen, ergänzt durch die Ursprungsbezeichnung DOC oder DOCG, wenn sie in den ursprünglichen Gebieten produziert und abgefüllt werden. Dazu zählen bekannte Gebiete wie Valdobbiadene, Conegliano, Colli Trevigiani oder Della Marca Trevigiana, aber auch weniger geläufige Anbauregionen.

Insgesamt handelt es sich um neun kleinere Regionen im Veneto und Friaul, die den Namen Prosecco Frizzante mit dem Zusatz DOC oder DOCG verwenden dürfen. Alles andere darf nun nicht mehr den Namen Prosecco führen und muss als Glera IGT vermarktet werden. Auch die einst beliebte Variante Verduzzo Prosecco, eine Cuvée aus beiden Sorten im unteren Preiseinstiegsbereich, darf seitdem nur noch als Verduzzo Glera angeboten werden.

Schön, dass nun alles seine Ordnung hat. Tja, allerdings gibt es Ausnahmen: So dürfen zum Beispiel Abfüllbetriebe in angrenzenden Provinzen weiterhin Prosecco anbieten, wenn sie nachwiesen konnten, dass sie seit mindestens 5 Jahren vor dem Ministeriumserlass Prosecco abgefüllt hatten. Manche Gesetze sind eben nicht gerade stimmig, wenn zu viele Lobbyisten daran beteiligt waren. Der beste Schutz vor möglicherweise etwas unangenehmen Überraschungen bietet der Kauf von Produkten renommierter Erzeuger.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

Kommentare

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winfried Karl

Unterschied im Kern von Prosecco u. Champagner. Beide, so schreiben Sie, werden durch Flaschengärung gewonnen. Wo liegt dann noch der Unterschied? Danke u. Grüße W.Karl

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