zurück

Wein probieren – Wie verkostet man Wein richtig?

Wein probieren – Wie verkostet man Wein richtig?
Copyright iStockphoto @Ina Peters

Wein verkosten ist nicht schwer. Im Grunde brauchen Sie nur ein Weinglas, eventuell einen Korkenzieher und etwas Konzentration für eine gelungene Weinprobe. 

Auf einen Blick: Die vier Schritte einer Weinprobe

Was man nicht braucht, sind ganz frisch geputzte Zähne, da die Zahnpasta jeden feinen Geschmack übertönt, eine erst vor wenigen Minuten ausgedrückte Zigarette oder Zigarre, da frisch zugeführtes Nikotin die Geschmacksknospen vorübergehend beeinträchtigt, und den Geschmack von Schokolade oder Kaffee im Mund, da dieser die meisten Weine übertönt. Am besten nehmen Sie vor dem ersten Probieren einen Schluck Wasser oder etwas geschmacksneutrales Brot zu sich.

Die besten Weine gibt es im Onlineshop von Weinclub.com

Wenn der Wein keinen Korkfehler hat, schenken Sie zuerst 2 bis 4 cl Wein in Ihr Glas, halten es schräg und drehen es, bis die Innenwände des Glases vollständig benetzt sind. Dann einmal kräftig schwenken und den Wein ausgiessen. Wenn aber mehrere Gläser vor Ihnen stehen, giessen Sie die Flüssigkeit ins nächste Glas und wiederholen den Vorgang. Dieses sogenannte avinieren verhindert, dass etwaige Spülmittelreste, Staub oder Fremdgerüche, etwa wenn das Glas zu lange ungebraucht im Schrank stand, den Wein sowohl in Bezug auf den Geruch wie den Geschmack zu seinen Ungunsten beeinflussen.

Jetzt kann es losgehen

Schenken Sie sich etwa 6 bis 8 cl in das Glas, halten es am Stiel oder Fuss, damit der Wein von der Körperwärme abgeschirmt ist, und betrachten die Farbe des Weines. Weisse Gewächse zeigen sich grünlichgelb bis tiefgolden, Rotweine dagegen sind am Rand hellrot bis tief purpurrot, gereifte rote Tropfen können dagegen bräunlichrote Töne am Rand aufweisen.

Nun spielt die Farbe des Weins aber keine nennenswerte Rolle. Das Riechen dagegen schon. Dazu schwenken Sie das Glas kräftig und riechen kurz aber intensiv. Schreiben Sie auf, welche Gerüche Sie dabei wahrnehmen und riechen Sie ruhig noch ein paar Mal am Wein, gerne auch länger, damit Ihnen möglichst nichts entgeht. Lassen Sie sich dabei Zeit, denn den einen oder anderen Geruch kann man nicht immer gleich einordnen. Ausserdem entfalten sich bei den besseren Weinen manche Aromen erst nach und nach.

Anschliessend nehmen Sie einen Schluck und lassen den Wein den gesamten Mundbereich umspülen. Kauen Sie sozusagen den Wein. Wenn Sie etwas Luft in den weingefüllten Mund einziehen, steigen die Dämpfe leichter in den Nasenrachenraum und Sie nehmen den Geschmack schneller wahr.
Notieren Sie wieder, was Sie empfinden und schmecken, auch beim hinunterschlucken.

Mehrere Weine probieren

Gönnen Sie sich das Vergnügen und probieren Sie den Wein auch einmal aus unterschiedlichen Gläsern. Dabei werden Sie feststellen, dass derselbe Wein oft etwas anders riecht und schmeckt.

Über 4.000 Weine jetzt bei Weinclub.com im Shop

Noch mehr Vergnügen bereitet das Verkosten mehrerer Weine hintereinander. Dazu macht es Sinn, etwa Rieslinge oder Merlots von verschiedenen Winzern, aus verschiedenen Anbaugebieten oder aus unterschiedlichen Jahrgängen einzuschenken. Dabei gilt die Regel: jung vor alt. Bei Gewächsen aus denselben Jahrgängen sollte man leichtere Weine zuerst trinken und einfachere Weine vor den Highlights verkosten. Sozusagen den Höhepunkt des Trinkgenusses möglichst für den Schluss aufbewahren.

Auf einen Blick: Die vier Schritte einer Weinprobe

Schritt Durchführung Beobachtung und Bedeutung
1. Optische Bewertung Das Weinglas schwenken. Am Glasrand läuft der Wein in dickflüssigen Tropfen herunter. Grundsätzlich gilt: Je mehr Wein an der Glaswand herunterläuft, desto gehaltvoller ist dieser. Ein Kenner würde jedoch von Tränen anstelle von Tropfen sprechen.
Das gefüllte Weinglas vor einen weissen Hintergrund halten und die Farbe betrachten. Je heller ein Rotwein erscheint, desto älter ist dieser, da sich die Farbpigmente mit fortwährender Lagerung am Boden absetzen. Ähnliche Aussagen lassen sich auch mit Rückschluss auf die Intensität aufstellen. Sehr dunkle Weine stammen meist aus sehr heissen Anbaugebieten. Bei Weissweinen gilt: Je dunkler, desto älter.
2. Bewertung des Geruchs Die Nase tief ins Glas halten. Diesen Vorgang mehrfach wiederholen, bis alle Nuancen erkannt wurden. Im allgemeinen unterscheidet man zwischen sieben Aromenfamilien (floral, pflanzlich, fruchtig, würzig, karamellisiert, rauchig und mikrobiologisch). Bei der Benennung der tatsächlichen Düfte, sollte man zu bekannten Gerüchen greifen. Auch diese lassen sich wunderbar in die sieben Familien einordnen.
3. Bewertung des Geschmacks Den Wein zuerst schlürfen und dann im Mund behalten. Den Wein dabei immer wieder mit der Zunge „durchkauen“. Zuerst wird der Süsse-Säure-Eindruck bewertet, bevor sich mit der Zeit die Geschmacksaromen entfalten. Diese können dann wieder denselben Familien zugeordnet werden, wie zuvor schon die Geruchsaromen.
Auch die Textur des Weins wird bewertet. Dabei wird festgehalten, wie sich der Wein im Mund anfühlt. Eindrücke wie cremig, ölig oder samtig dienen dabei der Beschreibung.
4. Bewertung des Gesamteindrucks Die Eindrücke auf einem Blatt Papier festhalten. Bei einer Verkostung macht es stets Sinn sich Notizen zu machen. Nur so lässt sich der Gesamteindruck des Weins abschliessend bewerten. Hält der Geschmack, was der Geruch verspricht? Waren die Vermutungen aufgrund der Farbe hinsichtlich Alter und Intensität richtig?

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

Kommentare

Sicherheitscode eingeben:

Weitere Artikel

Wein & Schokolade (1) – Eine Frage der Balance

Die Kombination von Wein und Schokolade verlangt Fingerspitzengefühl, viele Aromen wollen aufeinander abgestimmt werden. Passen diese, entsteht ein echtes Geschmackserlebnis.

Der Sinn der Blindverkostung – pro und contra

Da scheiden sich die Geister. Manche halten Blindverkostungen für das einzig Wahre, andere lehnen sie strikt ab. Beide Fraktionen haben sehr gute Argumente.

Nach oben

Jetzt Facebook-Fan werden und keine Story verpassen

Jetzt Facebook-Fan werden

Jetzt den Wein.com
Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand - das Wein.com Mailing kostenlos abonnieren.

Datenschutz wird bei uns gross geschrieben - wir geben Ihre Daten niemals weiter. Der Newsletter kann jederzeit gekündigt werden.