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Vorhang auf für die neuen Premierenweine

Vorhang auf für die neuen Premierenweine
Copyright Weingut Eva Volmer

Lust auf Neues? Dann sind Sie hier auf der richtigen Seite. Denn unter der neuen Rubrik „Premierenweine/Newcomer“ haben wir Weine getestet, die zum ersten Mal auf dem deutschen Markt angeboten werden beziehungsweise die der Winzer erstmals abfüllte. Also neue Rebsortenweine oder Cuvées, die es in dieser Art im Weingut zuvor nicht gab. Sozusagen Erstlings-Werke des Hauses.

Und wie es bei Premieren üblich ist, sollte, aber muss nicht alles begeistern. Davon können gerade Theaterbesucher ein Lied singen, wenn ihnen ein Regisseur eine ungewohnte Interpretation eines geliebten Stückes vorführt. Aber der Slogan „Keine Experimente“ hat nicht nur in der Politik ausgedient.

Denn ohne eigenständige Ideen und kreative Einfälle kann man zwar eine Tradition auch über Jahrhunderte oder -tausende mitunter erfolgreich bewahren. Aber aufgemerkt: Hier geht es um das Thema Genuss. Und was vor 50 Jahren im kulinarischen Bereich erste Sahne war, ist heute oft Schnee von gestern.

Das bedeutet nicht, dass damals Weine oder Küche per se schlechter waren, aber der Geschmack verändert sich eben. Zeitgeist quasi. Und selbst wenn man heute wieder gerne von naturbelassenen Weinen spricht, das Klima von damals, ja auch das fundierte Wissen um Zusammenhänge, hat sich weitgehend geändert.

Nicht immer nur zum Positiven, aber irren ist menschlich. Und jeder Irrtum bietet eine Chance zur Verbesserung. Das trifft auch bei dem einen oder anderen Wein zu, den wir hier verkostet haben. Doch die Zahl der wirklichen Lichtblicke lag sehr deutlich höher. In diesem Sinne: Vorhang auf, lasst die Premiere beginnen!

Wir haben zwei Winzerinnen und zwei Winzer befragt, wie sie auf ihre Premierenweine kamen.

Dr. Eva Vollmer vom Weingut Eva Vollmer präsentierte ihren ersten Roten Riesling:

Weshalb ich diese Sorte anbaue? Die Begründung liegt zum einen darin, dass man den Leuten hiermit den flüssigen Beweis erbringen kann, dass Wein immer eine bewegte und bewegende Geschichte ist. Sei die Zeit auch noch so modern, so kann plötzlich eine über Jahrhunderte vergessene Sorte auftauchen, die dann keineswegs altbacken, sondern ganz im Gegenteil jung und trendig in die Flasche kommt.

Und die Sorte ist nicht etwa „nur“ ein Abkömmling des Rieslings und eine weitere Marketingsau, die durch den Ort getrieben wird, sondern der Rote Riesling ist eigenständig und genau das, was viele Leute, gerade bei der Säureverträglichkeit suchen.

Er schließt nämlich in Perfektion die Lücke zwischen der Riesling- und Burgunderwelt: Vorne das kecke und verschmitzte vom Riesling, hinten der weiche, versöhnliche Abgang eines Burgunders. Ein Aufschrei soll er sein in der Menübegleitung.

Denn oftmals wird Riesling doch als „der geht immer“ zu Speisen gereicht. Der Rote Riesling wird in so mancher Disziplin wegen seiner Harmonie der bessere Partner sein. Und das erwarte ich also von ihm: ein moderner Essens- und Abendbegleiter.

Tim Bernhard vom Weingut Paulinenhof, stellte einen Chardonnay vor, in dem die deutsche und internationale Chardonnay-Stilistik in Harmonie gebracht werden sollte:

Die Inspiration lieferte mein Praktikum bei Casa lo Alto in Valencia, wo wir einen Chardonnay im Barriquefass ausgebaut haben. Da die Säurewerte dort erheblich niedriger sind, war ein biologischer Säureabbau nicht zwingend notwendig. Hier habe ich gelernt, wie man die Holzaromatik optimal in den Wein einbindet.

Der Barriquegeschmack sollte nicht zu stark sein oder filigrane Aromen, wie sie in unserem kühlen Klima typisch sind, überlagern. Das Risiko der Überlagerung sah ich auch in einem Säureabbau. Der buttrige, fette Geschmack von im Holz ausgebauten Chardonnays ist weit verbreitet und so wollte ich einen neuen Typ kreieren und den heimischen frischen, würzigen Chardonnay-Stil mit dem internationalen, cremigen Stil in Harmonie bringen.

Dafür musste ich viele Tabus brechen und entgegen aller in Lehrbüchern vorgegebenen Vorgehensweisen arbeiten. So verwendete ich etwa amerikanische Eiche, was viele Winemaker als Sünde bezeichnen würden, von der ich mir aber frechere, intensivere Aromen versprach. Nur um ein Beispiel des Ausbaus zu nennen. Das wichtigste aber ist die Harmonie zwischen allen Geschmackskomponenten, diese muss zu 100 Prozent stimmen.

Der nächste Newcomer steht übrigens schon in den Startlöchern: Eine Cuvée aus Sauvignon Blanc, Chardonnay und Riesling. Sauvignon Blanc bringt die Frucht, Chardonnay die Nachhaltigkeit und Riesling die Struktur. Außerdem war ich der Meinung, dass man so eine fein abgestimmte Cuvée auch mal lieblich ausbauen kann…

Anna Burg, Mitinhaberin des Weingutes Burg, über ihr Glücksrezept, das sich in Form eines lieblichen Kerners zeigt:

Glücksrezept, ebenso wie Hengstin, sind die zwei Weine aus der neuen Linie, die speziell meine Handschrift trägt. Glücksrezept ist aus der Rebsorte Kerner. Unser Betrieb baut diese Rebsorte zwar schon seit einiger Zeit an, aber sie wird nicht als Wein für Endverbraucher angeboten. Nach meinen Erfahrungen genießt dieser ein geringeres Ansehen in der Weinwelt/Weinkundschaft.

Da ich diese Rebsorte aber aufgrund ihres fruchtigen Buketts sehr schätze, wollte ich sie in unser Sortiment integrieren. Mein Vater stand diesem Vorhaben aus dem oben genannten Grund kritisch gegenüber. Mit dem Argument “dem Kind einen anderen Namen zu geben” und ihn über ein neues Konzept zu vertreiben, konnte ich ihn davon überzeugen, einen Versuch zu starten.

Ich bin ein Mensch, der gerade beim Arbeiten sehr gerne und viel Musik hört. So kam mir die Idee, eine Linie einzuführen, dessen Weine nach Musiktiteln benannt werden, die mich im Laufe des Jahres im Weinberg oder der Weinbereitung besonders beeinflusst haben. “Glücksrezept” ist nach dem Lied des Musikers Teesy “Glücksrezepte” benannt.

Ein Lied, dass nach meiner Interpretation davon handelt, dass es keine Glücksrezepte gibt. “Könnte, sollte, müsste, hätte, wer hat schon Glücksrezepte”, ist eine Zeile aus diesem Song. Trotzdem sollte man sich nicht entmutigen lassen und weiter machen, auch wenn mal etwas nicht funktioniert.

Vor allem: Nie sein Lachen verlieren. Das ist mein Glücksrezept. Deshalb zeigt das Etikett meinen lachenden Mund als Zeichnung. Einen Wein so auszubauen, wie ich es möchte ist ein großes Geschenk und wenn man diesen Wein verkosten kann ist das pures Glück. So soll es auch der Kunde verspüren, wenn er diesen Wein trinkt.

Thomas Wihler, Betriebsleiter beim Weingut Karl Karle, kreierte eine französische Variante:

Wir haben gemeinsam im Team überlegt, dass wir eine andere Weinlinie möchten und haben nun mal mit den „Jungen Franzosen“ begonnen. Da wir quasi auch genauso gut das „nördlichste“ Anbaugebiet Frankreichs sein könnten, wollten wir französisch geprägte Cuvées und den Blanc de Noirs verbinden, quasi als Hommage da ja unsere Regionen in den letzten 200 Jahren oder länger immer mal im Nationalitätenwechsel waren.

Wir sind stark französisch geprägt und als Kaiserstuhl einmaliges Burgunderland. Es sollte eine Cuvée im internationalen Stil entstehen, die aber auch die Region zeigt und das Lebensgefühl ein bisschen widerspiegelt. Die Assemblage Rouge ist deshalb sehr kräftig, rauchig und tanninlastig, eben ein Wein im internationalen Stil.

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