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Verschlussvarianten für Weinflaschen

Verschlussvarianten für Weinflaschen
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Lange lebe der Schaubverschluss, der Naturkorken lebe hoch. Beides hat seine Berechtigung. Es gibt aber auch noch andere Verschlüsse. Alle Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Krrrk und der Wein ist offen. Typisch Schraubverschluss, dessen Geräusch sich eher nach einem Zertreten von Weinbergschnecken anhört. Im Gegensatz zum plopp des Korkens. Der Glasstopfen wiederum hört sich eher nach einem dezenten Gläserklirren an. Was man auch immer bevorzugt, kein Weinverschluss ist zu 100 Prozent perfekt.

Auf einen Blick: Pro und Contra verschiedener Verschlüsse

Aber der Reihe nach. Der klassische Naturkorken aus der Rinde der Korkeiche gilt seit Jahrhunderten als idealer Verschluss für Weine. Die Bäume, die vor allem in verschiedenen Regionen Portugals und Nordafrikas wachsen, sind erst nach einem Alter von mindestens 45 Jahren für die Produktion von Flaschenkorken geeignet. Und nach jeder Schälung sollten gut 10 Jahre bis zur nächsten „Ernte“ vergehen, damit sich die Rinde regenerieren kann.

Leider wurde aufgrund der steigenden Nachfrage gerade in den letzten zwanzig Jahren dieser Schälzyklus oft unterschritten und auch im Bereich der Produktion waren viele Hersteller nicht mehr sorgfältig genug, um durch Kork ausgelöste Weinfehler zu vermeiden. Durch das vermehrte Auftreten von diesen Fehlern, die einen leichten bis gravierenden Muffton im Aroma und Geschmack des Wein nach sich ziehen, sah sich die Weinbranche nach alternativen Methoden um.

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Denn die Korkproduzenten ersetzen den Verdienstausfall eines Winzers durch fehlerhafte Ware mit keinem Cent. Kein Wunder, dass somit eifrig nach anderen Verschlüssen geforscht wurde. Auch wenn ein gesunder Naturkorken einige Jahrzehnte lang elastisch und geschmacksneutral sein kann und nach wie vor die schönste Variante beim stilvollen Weinöffnen im Freundeskreis bleibt.

Alternativen mit Zukunft

Auf der Suche nach dem idealen Verschluss wurde man beim Dreh- oder Schraubverschluss fündig, der bereits zuvor bei Spirituosen oder Säften seine Qualitäten bewiesen hatte. Aber die ersten Versuche zeigten, dass der Wein schneller oxydiert. Denn die herkömmlichen Dichtungen verhinderten nicht den Sauerstoffzutritt. Bis man die Zusammensetzung änderte.

Naturkorken bringen nicht nur Vorteile mit sich
Naturkorken bringen nicht nur Vorteile mit sich

Gute Drehverschlüsse für Weinflaschen haben heute eine Kappe aus einer Aluminium-Legierung sowie eine Einlage, welche die Dichtheit des Verschlusses garantiert. Und somit den Geschmack des Weines nicht durch Mufftöne zerstört. Doch es gibt auch Nachteile. Dem Drehverschluss haften noch Imageprobleme an, da er nun wirklich nicht besonders elegant aussieht.

Eine optisch ansprechendere Variante sind Stelvin Caps, die für den Käufer als Schraubverschluss auf Anhieb nicht erkennbar sind, da ihnen eine Kapsel übergestülpt wird, die an einen klassischen Korkverschluss erinnert. Allerdings ist noch nicht völlig geklärt, ob die Luftundurchlässigkeit moderner Schraubverschlüsse für eine jahrzehntelange Lagerung gerade von hochwertigsten Rotweinen optimal ist.

Versuche haben zwar bestätigt, dass Weine mit Drehverschluss über 30 Jahre hinweg in einem guten Zustand bleiben können. Aber für eine endgültige Beurteilung wird man noch 10, 20 Jahre warten müssen.

Doch generell gilt, ein Schraubverschluss schadet zumindest bei einer heute üblichen Verweildauer im Keller überhaupt nicht. Jedoch wirkt das Öffnen solcher Flaschen weitaus weniger elegant als mit einem guten Korkenzieher.

Eine weitere Variante sind Glasstöpsel, die an die Verschlüsse für Whiskykaraffen erinnern. Der grosse Unterschied ist, dass der Stöpsel meist mit einem Plastikring versehen ist, so dass kein Sauerstoff in die Flasche dringen kann. Damit der Glasstöpsel fest sitzt, wird eine Zinn- oder Plastikkapsel über ihn gestülpt, die leicht zu entfernen ist. Statt einem Korkenzieher reicht danach ein leichter Daumendruck, um den Verschluss zu lösen.

Diese Variante wirkt ästhetischer als ein Drehverschluss, aber sie ist noch nicht lange genug erprobt. Ob der Wein auch nach Jahrzehnten noch frisch bleibt, ist daher noch ungewiss. So ist der Glasstöpsel bisher vor allem eine sehr gute Alternative für Weine, die innerhalb von etwa fünf Jahren getrunken werden.

Ausbaufähige Varianten

Vor allem bei günstigeren Weinen verbreitet sind Verschlüsse aus Kunststoff, der sich zusammenpressen lässt und den Flaschenhals auslaufsicher verschliesst, aber dennoch, wie beim Naturkork, einen minimalen Luftaustausch zulässt. Zwar haben Studien an der Forschungsanstalt Geisenheim die Funktionalität des Kunststoffes bewiesen aber für eine längere Flaschenlagerung scheint er nicht optimal geeignet zu sein.

Da jeder Hersteller eine eigene Kunststoffmischung benutzt, wird es noch sehr lange dauern, bis endgültige Ergebnisse über die Lagerfähigkeit vorliegen. Für einfachere Weine, die innerhalb von maximal drei Jahren getrunken werden, scheint der Kunststoffkorken aber eine gute Alternative zu sein, die ebenfalls keine Mufftöne entstehen lässt. Doch wie auch immer, es wird bei diesen Varianten weitergeforscht, um sie zu optimieren.

Ein Nachteil ist definitiv, dass man diesen Verschluss zwar mit jedem Korkenzieher auf-, aber dann nicht immer einfach herunterbekommt. Auch ist das Wiederverschliessen der Flaschen mit dem Plastikstöpsel oft nicht oder nur schwer möglich.

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Schliesslich gibt es noch Presskorken, die eine preislich günstigere Alternative zum klassischen Naturkorken darstellen. Bei der Produktion werden Korkpartikel oder -granulat mit Bindemitteln zusammengehalten und in Form eines Korkens gepresst. Aber auch hier können Korkfehler auftreten und es ist nicht auszuschliessen, dass die verwendeten Bindemittel auf Dauer eine geschmackliche Beeinträchtigung verursachen.

Doch bei den moderneren Varianten der Presskorken werden an beiden Enden echte Korkscheiben angebracht, so dass der Wein nur mit dem Naturkorken in Kontakt kommt.
Wie auch immer, ein einwandfreier Naturkorken hat unbestritten den Vorteil, dass er optimal recycelbar etwa als natürlicher Fussbodenbelag verwendet werden kann oder, achtlos in den Wald geworfen, auf natürliche Art kompostierbar ist.

Auf einen Blick: Pro und Contra verschiedener Verschlüsse

Verschluss Pro & Contra
Naturkork Pro – Recycelbar und biologisch abbaubar, bleibt über Jahrzehnte elastisch und geschmacksneutral, elegant und stilvoll
Contra – Eingeschränkte Produktion durch lange Regenerationsphasen der Bäume, durch zu hohe Nachfrage werden qualitativ minderwertige Korken produziert, Gefahr von Mufftönen durch fehlerhaften Kork
Schraub- und Drehverschluss Pro – Keine Gefahr, dass Mufftöne wie beim Kork auftreten, Produktion grosser Mengen möglich
Contra – Imageproblem: Nicht sehr stilvoll, noch ungeklärt, ob die Luftdurchlässigkeit über längere Lagerdauer optimal bleibt
Glasstöpsel Pro – Elegante Alternative zu Drehverschlüssen
Contra – Verhalten bei längerer Lagerdauer noch kaum erprobt
Kunststoffverschlüsse Pro – Gute Funktionalität, keine korkbedingten Mufftöne, günstige Variante mit Potential
Contra – Wiederverschliessen mit dem Kunststoff-Korken meist nicht möglich, für Jahrzente lange Lagerung wohl nicht geeignet, viele unterschiedliche Kunststoffmischungen machen die Erforschung der Lagerfähigkeit schwierig
Presskorken Pro – Günstige Alternative zum Naturkorken
Contra – Eventuelle geschmackliche Beeinträchtigungen durch die Bindemittel

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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