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VDP-Verkostung – Etwas für jeden Geschmack

VDP-Verkostung – Etwas für jeden Geschmack
Copyright Ralf Kaiser

Die Grossen Riesling-Gewächse des Jahrgangs 2014 fallen selten unter Mainstream. Weltklasseweine sind vergleichsweise rar, aber allerlei Überraschungen zu entdecken: manchmal auch dort, wo sie niemand erwartet. Zwischen den Verkostungsrunden wurde allerdings auch schon über den kommenden Jahrgang geplaudert. 2015 könnte die Qualität von 2014 übertreffen – falls in den nächsten Wochen nichts passiert, was die Güte der Trauben beeinträchtigt.

Was ein Jahrhundertjahrgang ist, wurde vor, zwischen und nach den Verkostungen des Verbandes der Prädikatsweingüter eifrig diskutiert. Ob 2015 einer werden kann, ist derzeit noch völlig unklar, aber dass 2014 keiner war, steht fest. Zu schwierig waren in manchen Teilen des Landes die Wetterbedingungen zur Weinlese:

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Nicht nur Mittelrhein, Rheingau und Mosel mussten streng selektieren, um gute Weine zu präsentieren. Jedenfalls manchmal: Die Regenfälle zur Lese waren sehr ungleichmässig verteilt, und wo nichts zu machen war, war halt nichts zu machen. August Kesseler, der noch 2013 einen der besten Weine der Gutsgeschichte abgeliefert hatte, passte 2014: Ein Grosses Gewächs der Sorte Riesling wird es aus seinem Hause nicht geben.

Selektion und Präzision

Manchen Winzern wünschte man, sie hätten sich an Kesseler ein Vorbild genommen. Einige Vertreter der VDP-Riesling-Szene präsentierten sich nicht so klar wie erhofft, versuchten nicht mal ansatzweise, den Charakter der Lage widerzuspiegeln. Doch mit Können und Selektionsmöglichkeiten ergaben sich andere Bilder. Vor allem bei denen, die immer schon mit Qualität aufgefallen waren.

Im Rheingauer Weingut Weil wurde ein spannendes Grosses Gewächs präsentiert, Fred Prinz bestätigte die gute Form des Vorjahres vor allem mit einer feinen Jungfer. An der Mosel wiederum ging es heterogen zu. Heymann-Löwenstein konnte trotz aller Mühen keine Berge versetzen, an der Mittelmosel gab es sogar leicht unsauber Wirkendes zu bestaunen, während an der Saar mitunter unerwartete Finesse in die Flasche gefüllt wurde.

Florian Lauer aus Ayl entpuppte sich als einer, der mit dem Jahrgang 2014 bestens zurechtgekommen war. Ob man in diesem Fall gleich von Weltklasse sprechen musste, wie sich einige Verkoster zuraunten? Beim Saarfeilser wohl schon.

Hohes Niveau in der Pfalz

Armin Diel und Michel Bettane mitten im Verkostungsgeschehen
Armin Diel und Michel Bettane mitten im Verkostungsgeschehen

An der Nahe dagegen sah es nicht so wahnsinnig gut aus mit Weltklasse. Die besten Vertreter waren zwar auf überzeugendem Niveau angelangt, aber kaum so spannend und bisweilen atemberaubend intensiv wie in einigen Vorjahren.

Da half dann auch die schiere Menge nichts: Schäfer-Fröhlich hatte gleich sechs Grosse Gewächse angestellt, blieb aber mit denen häufig im Ungefähren stecken. Die Weine von Gut Hermannsberg waren erst gar nicht vertreten.

Oft besser als die Nahe präsentierten sich zwei andere Regionen: Sowohl in der Pfalz als auch in Rheinhessen wurde viel Qualität erzeugt, auch wenn es ein oder zwei Rieslinge mit Böckser zu verschmerzen galt. Von Winnings Langenmorgen, Christmanns Idig, aber auch die Weine von Bürklin-Wolf, Mosbacher und Acham-Magin: Da gab es gleich eine Menge zu entdecken, und nicht alles ist extrem teuer.

Die grossen Betriebe Rheinhessens mussten sich nicht verstecken. Sowohl Gunderloch als auch Wittmann überzeugten, Wagner-Stempel muss man eh zu den besonders überzeugenden Winzern rechnen. Noch erfreulicher: Selbst die schwächeren Weine aus Rheinhessen und der Pfalz zeigten immer noch ein hohes Niveau, echte Ausfälle gab es nicht.

Blick nach Süden

Doch die Rieslingwelt endet ja nicht in Schweigen-Rechtenbach. Aus Franken wurden sehr feine, klare, nachhaltige Spitzenrieslinge vorgestellt: Wirsching präsentierte sich in einem eigenen Stil, und Paul Fürst bewies, dass er es nicht nur mit Spätburgunder hat.

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Während die Stärke der badischen Winzer eher bei anderen Rebsorten liegen dürfte, überraschten die Württemberger. Graf Neipperg zum Beispiel mit seinem Ruthe, aber auch Jochen Beurer, der Riesling-Freak der Region, mit einem zwar eigenwilligen, aber nachhaltigen Pulvermächer.

Württemberg sollte man öfter ins Auge fassen, wenn man nach herausragendem Riesling fahndet. Und was die Eigenwilligkeit angeht: Genau die sollte man ja suchen, wenn man die besten Grossen Gewächse eines Jahrgangs recherchiert!

Besonders empfehlenswerte Grosse Gewächse 2014 aus der Rebsorte Riesling sind beispielsweise bei folgenden Winzern zu kaufen:

Württemberg
Weingut Beurer, www.weingut-beurer.de
Weingut Graf Neipperg, www.graf-neipperg.de

Rheingau
Weingut Prinz, www.prinz-wein.de
Weingut Weil, www.weingut-robert-weil.com

Franken
Weingut Wirsching, www.wirsching.de

Rheinhessen
Weingut Wittmann, www.weingutwittmann.de
Weingut Gunderloch, www.gunderloch.de

Pfalz
Weingut von Winning, www.von-winning.de
Weingut Acham-Magin, www.acham-magin.de
Weingut Christmann, www.weingut-christmann.de

Mosel
Weingut Lauer, lauer-ayl.de

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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