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Unter Verschluss – aber welcher ist der richtige?

Unter Verschluss – aber welcher ist der richtige?
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Korken ist der beste Weinverschluss? Das kommt auf den Wein an – aber auch auf die Qualität des Korkens.

Korken als Weinverschluss sind in Deutschland und Österreich auf dem Rückzug. Der Grund: Die Qualität hatte in der Vergangenheit zu wünschen übrig gelassen. Immer häufiger traten Korkschmecker auf, vor allem bei Weinen, die nicht sehr jung getrunken wurden. Der Verursacher für den Weinfehler ist eine chemische Substanz namens TCA. Wie der muffig-schimmelig riechende Stoff im Naturkork entsteht, wird noch erforscht.

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Deshalb haben sich in den vergangen 15 Jahren immer mehr alternative Weinverschlüsse durchgesetzt, allen voran der Schraubverschluss. Während Weinliebhaber in Frankreich oder Italien nach wie vor beim Anblick der „Screw Caps“ die Nase rümpfen, haben sich die deutschen und österreichischen Weintrinker an den Anblick gewöhnt. Schliesslich setzen auch Qualitätserzeuger auf die Schrauber – und nicht zuletzt wird auch seine einfachere Handhabung geschätzt.

Naturkorken für die Spitzenweine

Doch Korken ist nicht gleich Korken: Hier gibt es verschiedene Qualitäten, die sich bei der Produktion und im Preis massiv unterscheiden. Zum einen gibt es die Naturkorken, der aus einem Stück gestanzt wird und die höchste und damit teuerste Qualität darstellen.

Daneben gibt es aber auch die günstigeren Presskorken. Sie werden aus Kork-Granulat gepresst und mit dem lebensmittelechten Klebstoff Polyurethan verklebt. Manche dieser Korken wiederum werden mit Naturkorkscheiben am oberen und unteren Ende abgedichtet. Sie sind hochwertiger als die Presskorken ohne Abdichtung. Champagner beispielsweise wird ausschliesslich mit Korken verschlossen, die aus mit Scheiben abgedichtetem Granulat bestehen.

Für günstige und mittelpreisige Weine werden daher eher Presskorken eingesetzt und nicht die Top-Naturkorken, die 1,50 Euro pro Stück oder mehr kosten. „Hochwertige Korken lohnen sich nur für die Lagenweine,“ sagt zum Beispiel Jochen Dreissigacker, Leiter des Weinguts Dreissigacker in Bechtheim (Rheinhessen). Für seine Guts- und Ortsweine nutzt er ausschliesslich Schraubverschlüsse.

„Wir haben vor ein paar Jahren probeweise alle Verschlussarten eingesetzt und die Weine später verkostet. Dabei wurde klar, dass Kunststoff-Stopper keine Alternative sind, weil sie den Geschmack der Weine schon nach kurzer Zeit beeinträchtigen.“ Auch mit Glasverschlüssen habe sein Betrieb keine guten Erfahrungen gemacht – „obwohl ich auch Weine mit Glasverschluss im Rheingau verkostet habe, die einwandfrei waren.“

Der Schraubverschluss habe sich als beste Lösung für die Weine herausgestellt, die eher jung getrunken werden. „Der Schraubverschluss ist aber auch generell die sicherste Lösung, wenn es darum geht, Fehltöne zu vermeiden“, so seine Erfahrung. „Der Naturkorken wiederum eignet sich am besten dazu, den Charakter eines Lagenweines lange Zeit zu erhalten.“

Auf Nummer sicher mit Schraubverschluss

Schraubverschlüsse finden auch international immer mehr Beachtung
Schraubverschlüsse finden auch international immer mehr Beachtung

Alarmiert durch diese Entwicklung ist die Korkindustrie in Portugal. Das Land ist der grösste Korkproduzent der Welt: Mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion stammt von hier. Deshalb arbeitet man hier mit eigener Forschung daran, die Produkte zu verbessern. Die Qualitätskontrollen, betont der portugiesische Korkverband Apcor, seien seit dem Jahr 2000 massiv verbessert worden.

Der grösste Korken-Hersteller der Welt, die portugiesische Firma Amorim, unterhält eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. „Eine Kontamination von TCA entsteht bereits im Korkhain, es können bestimmte Stellen ausgemacht werden, an denen es immer wieder auftritt“, erklärt Paolo Lopez, Önologe von Amorim.

Wie man die Bildung verhindern kann, haben die Forscher aber noch nicht herausgefunden. Deshalb setzen die Hersteller erst einmal verstärkt darauf, kontaminierte Chargen in betriebseigenen Laboren durch Geruchsproben herauszufiltern.

Die Forscher von Amorim beschäftigen sich aber auch mit Lufteinschlüssen im Korken. Die Faustregel: je mehr und je grössere Löcher ein Korken hat, desto stärker ist eine Oxidation des Weines möglich, die ebenfalls zu unerwünschten Fehltönen führt. Denn im Gegensatz zur allgemeinen Annahme sorgt ein Korken – wenn er korrekt festsitzt – nicht für einen Luftaustausch mit der Umwelt, sondern lässt lediglich den Sauerstoff an den Wein, den er selbst in seinen Löchern gespeichert hat.

Daraus folgt: kleinere Löcher im Korken, höhere Qualität. Was die Forscher dabei allerdings auch herausgefunden haben: Vor Oxidation schützen Schraubverschlüsse ein wenig besser als Naturkorken.

Korken bleibt der Liebling der Weintrinker

Jochen Dreissigacker bestätigt, dass die Qualität der Korken in den vergangenen Jahren gestiegen sei. Allerdings würden auch mehr deutsche Winzer mittlerweile vermehrt zu den höheren Qualitäten greifen – wenn sie sich denn für den Korken entscheiden.

Trotzdem: Auch die einfacheren Korken dürfen den Wein natürlich nicht belasten. Die Winzer wieder zurückzugewinnen, werde eine schwere Aufgabe, denkt João Rui Ferreira, Präsident des Korkverbandes Apcor. Vor allem der Schraubverschluss sei ein Problem:

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„Diejenigen, die auf Kunststoff-Stopper umgestiegen sind, können wir wieder zurückholen. Aber für Schraubverschlüsse braucht man ja auch andere Flaschen. Und jemanden zu überzeugen, auch die Flaschen wieder umzustellen, wird schon schwieriger.“

Immerhin bei den Verbrauchern, meint er, habe der Korken doch nach wie vor ein gutes Image: „Fragt man Weintrinker, welchen Flaschenverschluss sie bevorzugen, sagen ja fast alle nach wie vor: Korken.“

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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