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selection prämiert: Silvaner-Weingüter des Jahres

selection prämiert: Silvaner-Weingüter des Jahres
Copyright Kvevri Vinothek

Gegenüber dem Riesling oder den weißen Burgundersorten besitzt der Silvaner bei Konsumenten eher ein Mauerblümchen-Image. Nun, bis Mitte der 1990er Jahre waren wirklich gute Silvaner tatsächlich eine Rarität. Das hat sich drastisch geändert, wie auch unser Silvaner-Wettbewerb beweist, die wir zum zweiten Mal durchgeführt haben.

Die ersten Silvaner-Rebstöcke in Deutschland wurden am 6. April 1659 erstmals in Castell bei Würzburg gepflanzt. Quasi ein fränkisches Produkt. Franken ist heute auch das Anbaugebiet mit dem höchsten Silvaner-Anteil. Rund 23 Prozent, etwa 1.425 Hektar, der Rebflächen sind damit bestockt. Aber die größte Silvaner-Region mit 2.350 Hektar ist Rheinhessen, auch wenn hier nur etwa 9 Prozent mit Silvaner bepflanzt sind. Weitere rund 1.250 Hektar verteilen sich auf andere Regionen.

In Bezug auf Qualität hat zumindest bei unserem Wettbewerb Franken die Nase wieder ganz weit vorne. Wolfgang Hubert, Chefredakteur von „selection“ hat zwei fränkischen Winzern ein paar Fragen über den Silvaner gestellt. Manchmal waren die Antworten im Gegensatz zu den Weinen etwas kurz. Aber nicht jeder Winzer ist auch ein begnadeter Erzähler, sobald er über sich sprechen soll. Doch bevor wir immer lange nachhaken, lassen wir dann lieber die Weine für sich sprechen. Und das können diese vorzüglich.

Was reizt Sie besonders an der Sorte Silvaner?

Manfred Rothe, Weingut Rothe: Ich bin davon überzeugt, dass der Silvaner in Franken sich besonders eignet um Herkunft und Lebensart zu dokumentieren. Er wird sich in Franken weiter ausbreiten. Er gibt den Winzern gute Möglichkeiten auf Veränderungen am Markt und beim Klima zu reagieren. Es fehlen uns zur Zeit jedoch in der Breite alte Bestände. Flurbereinigung und Mechanisierung fordern ihren Tribut. Also Geduld, die große Zeit des Silvaners kommt erst noch.

Andrea Wirsching, Weingut Hans Wirsching: Der Silvaner gehört seit vielen Generationen zu Franken und zu uns. In unserer Gegend gibt es ihn seit 1659. Damals haben meine Vorfahren hier Wein angebaut – mit größter Wahrscheinlichkeit auch Silvaner. Und dass diese Rebsorte bis heute so erfolgreich ist, zeigt, dass sie perfekt zu unseren Böden passt. Damals wurde sie in der sogenannten „kleinen Eiszeit“ gepflanzt, weil Silvaner starke Fröste gut aushalten kann und auch in kalten Jahrgängen gute Weine produziert. Inzwischen hat sich gezeigt, dass diese robuste Rebsorte auch mit Rekord-Hitze gut zurechtkommt, wie der fränkische „Steppenjahrgang“ 2005 bewiesen hat.

Was uns besonders reizt, sind die vielen Möglichkeiten, die er bietet: vom leichten, trockenen Alltagswein bis hin zu Grand Crus mit einer enormen Komplexität, Mineralität und Tiefe. Und dabei passt er besonders gut zum Essen, denn er lebt nicht so sehr von einem besonders aromatischen Bukett, sondern vom Geschmack und er ist immer trocken. Wir haben in Iphofen als Boden den Keuper, ein Sedimentgestein aus der Zeit, als die Dinosaurier durch Sümpfe wateten. Es ist also ein Gestein, in dem sich viel organisches Material als Sediment ablagerte. So vielschichtig, wie dieses Gestein ist, schmeckt auch der Silvaner – und das mit einer moderaten Säure. Dieses sogenannte „Terroir“ in allen Qualitätsstufen herauszuarbeiten, ist unser Ziel.

Wie viele Hektar sind damit bei Ihnen bepflanzt und wieviel verschiedene Silvaner gibt es bei Ihnen?

M.R.: Wir bewirtschaften knapp 3 Hektar Silvaner, 1 Hektar davon wurde in den letzten 5 Jahren gepflanzt. Das sind etwa 25 Prozent unserer Fläche. Silvaner gibt es bei uns im Bereich Basic und Premium, beide im Bocksbeutel PS. Unsere Linie Indigenius ist 100 Prozent Silvaner als Orangewein. Auch eines unserer Kvevris mit 1.200 Liter Inhalt wird jedes Jahr mit unseren besten Silvanertrauben gefüllt.

A.W.: Wir bewirtschaften knapp 30 Hektar Silvaner. Damit ist er unsere wichtigste Rebsorte. Für den Literwein kaufen wir noch Trauben von Nachbarn und Mitarbeitern zu. Die größte Menge unserer Silvaner werden im Bocksbeutel abgefüllt, da gibt es 6 unterschiedliche Variationen, vom Gutswein über Ortswein und Erste Lage bis hin zum Großen Gewächs. Als Mitglied im VDP klassifizieren wir unsere Weine nach ihrer Herkunft.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

M.R.: Wir werden im Weinberg und im Keller besondere Schwerpunkte beim Silvaner setzen. Um den Sprung aufs Treppchen bei selection zu schaffen.

A.W.: Die Antworten zu dieser Frage stehen bereits unter dem Kapitel „Beste Winzerinnen des Jahres 2018“.

Welche Weine bevorzugen Sie und weshalb?

M.R.: Essensbegleiter, trocken , mineralisch , langlebig. Und zunehmend das Interesse an Sekt.

A.W.: Mein Lieblingssilvaner kommt vom Julius-Echter-Berg. Diese Lage bringt besonders mineralische Weine hervor, die sich nur langsam entwickeln, dafür aber ein langes Leben haben. Der Julius-Echter-Berg ist einer der heißesten Weinberge Frankens, ein mächtiger Hang, der sich wie ein Hohlspiegel in den Steigerwald schmiegt. Schilfsandsteinbänke ragen in den Keuper hinein und machen die Weine besonders kräutrig. Zu Fisch oder Gemüse – beides möglichst roh – eine perfekte Kombination.

Was war der Grund, bei unserem Wettbewerb teilzunehmen?

M.R.: Standortbestimmung. Silvanerleidenschaft. Ehrgeiz.

A.W.: Wir finden es großartig, dass es diesen Wettbewerb gibt und nicht nur über Riesling geschrieben wird. In den 60er Jahren war Silvaner noch die meistgepflanzte Weißweinsorte Deutschlands, dann wurde er zunächst von aromatischen Süßweinsorten verdrängt und danach vom Riesling. Im Ausland wird Silvaner in den Spitzenrestaurants gerade zum neuen Trend. Wir freuen uns, dass man ihm auch im Inland wieder mehr Aufmerksamkeit schenkt.

 

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