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Roter Riesling – dichte Aromen bei feiner Säure

Roter Riesling – dichte Aromen bei feiner Säure
Copyright Reinhard Antes

Weisser Wein aus roten Trauben: Im Rheingau und an der Bergstrasse hat man eine uralte Rebsorte wiederentdeckt. Jetzt soll sie ganz Deutschland erobern.

Blaue Kartoffeln, gelbe und lila Rüben – die Natur kennt ein breites Farbspektrum. Dass sich eine Farbe durchsetzt, hat oft Vermarktungsgründe. Manchmal ist es aber auch Zufall – auch bei Rebsorten. Zum Beispiel beim Riesling. Hier hat sich die weisse Sorte durchgesetzt, Roter Riesling wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht angebaut. Dann begannen ab den 1990er Jahren einige Winzer und Weinbauexperten zu fragen: Warum eigentlich nicht?

Der erste Winzer, der den Roten Riesling wiederentdeckte, ist Matthias Corvers vom Rheingauer Weingut Corvers-Kauter, Oestrich-Winkel. 2004 pflanzte er die ersten Reben. Auf der Suche nach einer hochwertigen Rebsorte hatte er sich zuvor an die Hochschule Geisenheim gewandt. Das dortige Institut für Rebzüchtung hält eine grosse Sammlung Rebsorten vor, mit denen es Versuche durchführt.

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Bei der Blindverkostung stach eine Sorte hervor – sie war dicht, extraktreich und nachhaltig“, berichtet Matthias Corvers. „Als dann die Auflösung ‚Roter Riesling‘ kam, war ich sofort überzeugt, dass er auch bei den Kunden ankommen würde – hier in der Riesling-Region.“ Trotzdem war ihm von Beginn an klar, dass man erklären muss, warum ein Weisswein „Roter“ heisst – und investierte in entsprechendes Marketing auf der Weinpreisliste und im Gutsausschank.

Vom Ersatz-Produkt zum neuen Liebling

Im Weingut Sohlbach, Kiedrich, entdeckte man die Sorte durch Zufall. Im Jahr 2011 wollte Winzer Georg Sohlbach neue Rebstöcke anpflanzen. „In diesem Jahr waren aber Riesling-Rebstöcke Mangelware, weil sehr viele Winzer in Rheinhessen Neupflanzungen durchführten“, erinnert er sich.

Am Erlebnispfad „Wein+Stein“ an der Bergstrasse ist eine Skulptur des Künstlers Adolf Mayer dem Rotem Riesling gewidmet.
Am Erlebnispfad „Wein+Stein“ an der Bergstrasse ist eine Skulptur des Künstlers Adolf Mayer dem Rotem Riesling gewidmet.

Stattdessen überzeugte ihn sein Rebzüchter davon, es einmal mit Rotem Riesling zu probieren. So pflanzte er 30 Ar an und füllte mit dem 2013er Jahrgang die ersten Flaschen ab – da allerdings noch als Cuvée mit dem weissen Bruder. Mit dem 2014er Jahrgang hat er seinen ersten sortenreinen Roten Riesling herausgebracht.

Die grösste Verbreitung hat die aufstrebende Sorte bisher an der Hessischen Bergstrasse erfahren – besonders engagiert war hier die Winzergenossenschaft Bergsträßer Winzer. „Heute hat fast jeder Winzer hier Roten Riesling“, weiss Reinhard Antes, Rebzüchter und Vorsitzender der Winzergenossenschaft.

Auch er ist Vorkämpfer für die alte Sorte. „Kennengelernt hatte ich sie schon 1974 bei meinem Vorpraktikum zum Studium in Geisenheim, zusammen mit anderen Farbmutationen wie Blauer Silvaner oder Roter Müller-Thurgau.“ 1995 liess er sich dann von dort Reben der Sorte zum Veredeln liefern. „Riesling ist die Spezialität Deutschlands – da wäre es ein Fehler, das nicht aufzugreifen“, dachte er sich. 2006 wurde dann zum ersten Mal Roter Riesling an der Bergstrasse gepflanzt.

Aromen von Apfel und Birne

Viele Winzer, die die Sorte eingeführt haben, bauen sie überwiegend feinherb aus. „Trocken ausgebaut entwickelt er manchmal störende Bitternoten“, erklärt Reinhard Antes. Bei den Bergsträsser Winzern kommen zwei Drittel feinherb in die Flasche und ein Drittel trocken – das entspreche auch der Nachfrage.

Auch Georg Sohlbach setzt auf feinherb. „Er hat tendenziell etwas weniger Säure als der weisse Riesling, die Frucht wird gut eingebunden. Vor allem Noten von Apfel und Birne stehen im Vordergrund, während der weisse Riesling auch Pfirsich- und Zitrusaromen entwickeln kann.

Matthias Corvers wiederum schwört auf einen trockenen Roten Riesling – der dank des reduzierten Ertrags keine Bitternoten aufweist, sondern ein sehr harmonisches Säurespiel entwickelt, das die typischen Aromen von Kernobst unterstützt.

Andere Regionen scharren mit den Hufen

Bisher wird die Sorte laut Reinhard Antes auf rund 30 ha nur in den beiden hessischen Weinregionen und mittlerweile auch in kleinen Mengen in Sachsen und der Region Saale-Unstrut angebaut. In den anderen Bundesländern mit Weinbau ist sie noch nicht zugelassen.

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Die Hessische Landesregierung wiederum hatte auf Zuraten der Hochschule Geisenheim beschlossen, dass es für den Roten Riesling keinen aufwändigen Genehmigungsprozess brauche: Roter Riesling sei – wenn auch einige Jahre in Vergessenheit geraten – eine traditionelle Sorte und keine Neueinführung.

Dennoch sind die Rheinland-Pfälzer, Baden-Württemberger und Franken an der Zulassung dran. Reinhard Antes rechnet damit, dass der Rote Riesling dort ab etwa 2017 angebaut werden könnte. Das Interesse der Winzer, berichtet er, sei jedenfalls jetzt schon gross.

Weitere Informationen unter www.bergstraesserwinzer.de, www.corvers-kauter.de, www.weingut-sohlbach.de

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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