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Grosse Riesling-Gewächse zum kleinen Preis

Grosse Riesling-Gewächse zum kleinen Preis
Copyright Weingut Robert Weil

Grosse Riesling-Gewächse können zu den besten Weinen des Planeten gehören. Doch ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten häufig jene Abfüllungen, die nicht mit dem Eindruck schindenden Zeichen «GG» markiert, aber mit ähnlicher Präzision ausgebaut werden. So wie beim Weingut Robert Weil, das sich mit etwas einen Namen gemacht hat, was es nicht sehr häufig gibt in Deutschland: hohe Qualität in grossen Mengen.

Wilhelm Weil hört, wenn er einmal mit Erklärungen begonnen hat, fast nicht mehr auf zu sprechen. Aber was der Oberwinzer des Weinguts Weil im Rheingaustädtchen Kiedrich zu sagen hat, ist ja auch der Rede wert. Zumal es ja in diesem Falle nicht nur um Riesling der berühmten Lage Kiedricher Gräfenberg geht, sondern auch um das, was der Betrieb sonst so keltert.

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Ein Betrieb, der sich sehen lassen kann, der ausschliesslich Riesling anbaut und zu den namhaftesten Kellern Deutschlands zählt. Klar, dass so viel Erfolg Neid auslöst. Nicht wenige halten das Gut, das unter Wilhelms Urgrossvater Robert Weil entstanden ist, für ein allzu grosses Unternehmen, das nicht dem Bild des kleinen, sympathischen und individuell arbeitenden Weinguts entspreche.

Neue Kellerei, neue Finesse

Oberwinzer Wilhelm Weil
Oberwinzer Wilhelm Weil

Tatsächlich hat die stolze Rheingau-Domäne wenig gemein mit einem überschaubaren, wenige Parzellen bewirtschaftenden Betrieb, wie er für deutsche Weinbauregionen oft typisch ist. In den vergangenen Jahren hat sich das Gut langsam, aber sicher der 100-Hektare-Grösse genähert, erzielt einen erstaunlichen Durchschnittspreis pro Flasche, ist weltweit präsent.

Doch muss schlecht sein, was in namhaften Auflagen hergestellt wird? Sicher nicht. Vom Grossen Gewächs aus dem Kiedricher Gräfenberg erzeugt Weil eine deutlich fünfstellige Anzahl an Flaschen und damit mehr, als manche Kollegen in ihrem ganzen Leben herstellen.

Erst diese Menge aber macht es international vermarktbar, und auf diese Weise hat der Betrieb, der unlängst neben dem alten Winzergebäude eine nagelneue Kellerei erbauen konnte, viel für den Ruf des deutschen Weines in der Welt getan. Einen Ruf, an dem Wilhelm Weil unermüdlich arbeitet, was auch eine Anpassung der Stilistik bedeuten kann.

In den vergangenen Jahren waren einige Weine etwas zu mächtig geworden, die Spätlesen erinnerten an Auslesen, die Auslesen waren längst Beerenauslesen, auch die trockenen Weine gerieten kraftvoll. Inzwischen aber sind die Rieslinge, egal welcher Art, wunderbar finessenreich, feiner denn je, elegant und vielschichtig.

Geheimtipp Turmberg

Die Vinothek des Weinguts
Die Vinothek des Weinguts

Während die Gräfenberg-Weine schon seit langer Zeit legendär sind, geniesst der Turmberg erst allmählich Aufmerksamkeit bei Gourmets und Sammlern. Was auch mit dem unseligen Weingesetz zusammenhängt, das 1970 eingeführt worden war und viele traditionelle Lagen zur Makulatur machte.

«Der Turmberg war schon lange eine ausgezeichnete Lage», erinnert sich Wilhelm Weil an die Zeit davor, belegt dies gern mit Turmberg-Weinen von früher. Doch ab 1971 durfte der Begriff nicht mehr verwendet werden, die Lage ging in der Kiedricher Wasseros auf. Bis Weil eine Revision erreichte. «Wir haben lange dafür gearbeitet», sagt der Winzer.

«Ab 2005 ist der Turmberg wieder als Einzellage anerkannt.» Und ergibt nicht nur Süssweine von erstaunlicher Eleganz, sondern auch einen trockenen Spitzenwein, der seinem Pendant aus dem Gräfenberg allenfalls in Nuancen nachsteht.

Im Jahrgang 2015 wird das besonders deutlich: Der trockene Turmberg-Riesling, der nicht als Grosses Gewächs firmiert, aber qualitativ eines wäre, wirkt wunderbar straff und nachhaltig, besitzt einen Hauch Gerbstoff, der ihn interessant macht, ist wunderbar trocken und präzise.

Riesling, wie er international kaum besser zu machen ist, wie er aber oft teurer verkauft wird: Nach wie vor ist der Turmberg-Wein ein Schnäppchen für alle, die ein paar Jahre warten wollen, um dann Rheingauer Weisswein der besten Art konsumieren zu dürfen.

2015 Kiedricher Turmberg Riesling trocken: sehr feine, klare Frucht, noch etwas jugendlich mit Anklängen an Kräuter und frische Aprikosen und Mirabellen. Eher schlanker, aber wunderschön straffer, fester Riesling, angenehm trocken mit feiner Säure und Kräuter- sowie Würznoten im langen Nachhall. Hat eine prächtige Karriere vor sich. 91 Punkte

Monopol mit vier Hektaren

Bei dieser Gelegenheit können Sie auch eine der wenigen Monopollagen Deutschlands kennenlernen. Das Weilsche Weingut, das zum Grossteil dem japanischen Konzern Suntory gehört, besitzt die kompletten knapp vier Hektare des Turmbergs. Für die Vermarktung ein kleiner Nachteil, da man auf keine starken Partner zurückgreifen kann, aber auch ein Vorzug, da man den Kunden eine Rarität anbieten kann.

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Bei genauerem Hinsehen wird jedenfalls deutlich, dass die andere Monopollage Weils, der Klosterberg, ebenfalls die Mühe des Verkostens wert ist, dass aber auch die Alleinbesitzlagen von Kollegen Exzellentes hervorbringen. Doch der Rauenthaler Nonnenberg, ganz im Besitz des Weinguts Georg Breuer in Rüdesheim, wäre wieder eine eigene Geschichte wert!

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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