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Rheingau – Das kleine Riesling-Wunderland

Rheingau – Das kleine Riesling-Wunderland
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Riesling gilt als die Diva unter den weissen Sorten. Doch die Winzer im Rheingau wissen, wie man sie zu Höchstleistungen anspornt.

Er ist eine Rebsorte, die hohe Ansprüche an den Weinmacher stellt. Dafür birgt er aber auch höchstes Potential für Spitzenweine. Da sagen die Rheingauer: Herausforderung angenommen.

Sie gaben dem Riesling schon immer so viel Anteil an der Rebfläche wie kein anderes Anbaugebiet – und haben es so zur Spitzenregion für das exzellente Gewächs gebracht.

Auf einen Blick: Wein im Rheingau erleben

Keine andere Rebsorte bringt so komplexe und vielfältige Weine hervor“, findet Tom Drieseberg von den Weingütern Geheimrat J. Wegeler, Oestrich-Winkel.

Von Einstiegsqualität bis Weltspitze, von blutjung bis jahrhundertreif und von staubtrocken bis ultimativ süss kann das Spektrum reichen – wenn man sich auf sie einlässt.“ Er und seine Frau Anja Wegeler-Drieseberg setzen – neben Spätburgunder – ausschliesslich auf Riesling.

So wie Desirée Eser, die vor sechs Jahren das elterliche Weingut August Eser, Oestrich-Winkel, übernahm. Auslandsaufenthalte während ihres Weinbaustudiums hatten sie ins Burgund und nach Kalifornien geführt, doch nirgendwo, sagt sie, habe sie eine Rebsorte so überzeugen können wie der heimische Riesling.

Sie bildet einfach fabelhaft den Boden ab“, erklärt die 37-Jährige. „Zum Beispiel in der Steillage Rotenberg in Rauenthal bekommt sie eine Blumigkeit, Riesling vom Sandboden im Jesuitengarten in Winkel ist mineralisch und fruchtbetont, und auf Lösslehm im Oestricher Lenchen erhält er eine Pfirsisch-Maracuja-Note.

Kühl und sonnig – so mag’s die Diva

Im Rheingau findet die deutsche Parade-Rebsorte ideale Bedingungen vor: Das Klima ist eher kühl, doch durch die südliche Ausrichtung der Rebhänge können die Trauben viel Sonne tanken. Die steinigen Böden speichern zum einen Wärme, zum anderen geben sie der spätreifenden Sorte über ihre lange Vegetationsperiode viele Mineralien ab.

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Und nicht zuletzt fordern sie von den Reben einiges an Anstrengung – und das tut ihnen gut, denn: „Dort, wo die Natur ihren Pflanzen einen Kampf abverlangt, bringen sie besonders gute Früchte hervor“, erklärt Tom Drieseberg.

Der Riesling - eine sehr anspruchsvolle Rebsorte
Der Riesling – eine sehr anspruchsvolle Rebsorte

Auf kargem Untergrund sind die Rebstöcke gezwungen, lange Wurzeln auszubilden, um an Wasser heranzukommen. „Hat die Pflanze Wasserstress, baut sie vor“, erklärt der Winzer. „Das Ergebnis sind filigrane und komplexe Weine.

Kein Wunder also, dass sich hier viele Spitzenlagen für die Rebsorte finden. Ein Drittel der Anbaufläche des Gebiets ist als Cru-Lage klassifiziert. In diesen Lagen wachsen auch die „Ersten Gewächse“, die es als Klassifizierung nur im Rheingau gibt.

Seit 1999 können Riesling und Spätburgunder aus diesen Bestlagen, die mit der Hand gelesen wurden und trocken ausgebaut wurden, sie erhalten. Nachdem man sich diese Sonderstellung erkämpft hatte, hätten sich die Rheingauer Winzer erst einmal „im Ruhm gesonnt“, meint Tom Drieseberg.

Doch in den vergangenen drei Jahren habe die Winzerszene wieder neuen Drive bekommen – durch die Erkenntnis, dass man gemeinsam mehr erreichen kann.

Unseren Vätern wäre es nicht eingefallen, einen anderen Winzer in den Keller sehen zu lassen. Heute setzt man sich mit Kollegen zusammen, macht Jungweinproben und kritisiert sich gegenseitig.

Aus Konkurrenten seien Mitstreiter geworden, denen es darum geht, gemeinsam den Rheingauer Riesling weiter zu bringen. Dazu gehöre auch, dass in letzter Zeit viele Brachflächen wieder aufgearbeitet werden.

Trend zu Trockenem mit mehr Frucht

So mancher Rheingauer Winzer probiert sich aber auch an anderen Rebsorten aus. Zum Beispiel Johannes Ernst vom Weingut H.J. Ernst in Eltville: „Der Riesling ist das Steckenpferd der Rheingauer, aber ich finde es spannend, auch mal etwas anderes zu probieren.

Im vergangenen Jahr brachte er erstmals einen Sauvignon blanc heraus – der nach wenigen Monaten ausverkauft war. Auch Weiss- und Grauburgunder hat er im Angebot.

Trotzdem: rund 70 % seiner Weine sind immer noch Riesling – weniger wird es wohl auch nicht werden. „Die neuen Rebsorten haben ihre Nische gefunden, die ist jetzt aber auch besetzt“, denkt er.

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Als Trend sehen Johannes Ernst und Desirée Eser eine Rückkehr zu fruchtbetonteren Weinen – auch im Rheingau, der für besonders trockene Rieslinge bekannt ist. Trocken sei nach wie vor gefragt, sagt Johannes Ernst, aber: „Ich baue meine Weine jetzt öfter in Richtung Obergrenze der vorgegebenen maximalen Restsüsse von 9 g/l aus.“ Das komme dem Geschmack der Kunden entgegen.

Gut, dass der Riesling so ein Multitalent ist. Und auch wenn im Moment Weiss- und Grauburgunder bei den deutschen Weintrinkern hoch im Kurs stehen – der Rheingau bleibt bei seiner Lieblingssorte. Tom Drieseberg drückt es so aus: „Wenn ich Lagen habe, die für eine exquisite Rebsorte geeignet sind, warum sollte ich dann auf eine umsteigen, die nur gut ist?

Auf einen Blick: Wein im Rheingau erleben

  • Rheingauer Schlemmerwochen in 100 Weingütern, Gutschänken und Restaurants (24. April-3. Mai 2015)
  • Natur pur auf Hattenheimer Flur, offene Weinwanderung in den Hattenheimer Weinbergen (3. Oktober 2015, www.weinwanderung.net/hattenheim)
  • Glorreiche Rheingau-Tage, Weinmenü-Reihe in Rheingauer Restaurants (30. Oktober-8. November)
  • Tage der offenen Weinkeller (4.-6. und 11.-13. September 2015)
  • Rheingau Gourmet & Wein Festival, Dinner- und Verkostungsreihe (Februar/März 2016)
  • Weinfeste im Rheingau unter www.kulturland-rheingau.de/weinfeste

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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