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Promi-Weine (3) – Charles Smith und Sting

Promi-Weine (3) – Charles Smith und Sting
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Im dritten Teil unserer Serie Promi-Weine schauen wir uns die edlen Tropfen von zwei Selfmade-Men an, deren Leben sich lange Zeit um die Musik gedreht hat und die nun auch die Welt der Weine für sich entdeckt haben. Den von ihnen erzeugten Rebsaft benennen sie gerne nach Songs. Vorhang auf für Sting und Charles Smith!

Von Sophia Spillmann

Charles Smith

Walla Walla Valley in Washington State
Walla Walla Valley in Washington State

Charles Smith ist ein Kind der 60er Jahre. Der Wunsch nach Frieden, Liebe und dem Überkommen starrer Strukturen brachte die Hippie-Bewegung hervor. Zu dieser Zeit war San Francisco in Kalifornien das Epizentrum der Blumenkinder.

Smith wuchs als Sohn einer walisischen Mutter und eines französischen Vaters in Kalifornien unweit von Sacramento auf. Ob die beiden Hippies waren ist nicht überliefert, aber Charles Smith zeigt dennoch einige Charakterzüge, in denen sich der Free Spirit der 60er wiederspiegelt.

„Wenn du eine Rockband gründen willst, kauf dir eine Gitarre. Wenn du Paris sehen willst bevor du stirbst, besteig ein Flugzeug. Wenn du jemandem sagen willst, dass du die Person liebst, tu es noch heute!“

Zitate wie dieses sind von ihm überliefert und nach diesem Motto lebt er. Zur Musik gelangte er auf Umwegen: Smith, der als Sommelier des Ritz Carlton in Rancho Mirage arbeitete, lernte ein dänisches Mädchen kennen und beschloss spontan, mit ihr nach Europa zu ziehen.

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In Dänemark arbeitete er zunächst in der Gastronomie und gelangte durch Zufall ins Musik-Business. Ende der 90er Jahre schliesslich kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück. Es war erneut Zeit für einen Wandel und Smith trug sich mit der Absicht, seine Liebe zum Wein zum Beruf zu machen.

Die drei Bestseller von Charles Smith
Die drei Bestseller von Charles Smith

Das Walla Walla Valley in der Nähe von Washington wurde zum Sitz seines Weinguts und zum Lebensmittelpunkt des umtriebigen Rockers. Besonderen Wert legt Smith seit jeher auf Typizität und das Terroir. Hinter dem Design der auffälligen Labels der Flaschen steht die Chefdesignerin von Levi Strauss & Co Rikke Korff, die eine alte Freundin von Smith ist.

Spätestens seit sein Royal City Syrah 2007 von Robert Parker mit sagenhaften 99 Punkten ausgezeichnet wurde und Charles Smith 2014 vom Wine Enthusiast zum Winemaker des Jahres ernannt wurde, dürfte er jedem Weinliebhaber ein Begriff sein. Heutzutage vertreibt Charles Smith Wein aus acht Produktionslinien, die alle ihren eigenen Charakter aufweisen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, Genuss ist vorprogrammiert.

Der Kung Fu Girl Riesling hat mittlerweile den Status einer Urban Legend. Vielleicht einer der besten Weissweine der Welt zu diesem Preis-Genussverhältnis, denn den Kung Fu Girl kann man für sagenhafte 15,- € geniessen. In der Nase der wunderbare Duft von Lindenblüten, am Gaumen ungeheuer mineralisch mit fruchtigen Aromen von Steinobst und Zitrus. Ein eleganter, frischer, junger Wein.

Sting

Weitläufige Anbauflächen in der Toskana
Weitläufige Anbauflächen in der Toskana

Sting ist ein generationenüberspannendes Phänomen. Der Workingclass Junge aus der nordenglischen Stadt Tyneside wuchs in einem Arbeiter-Milieu auf, auch das allabendliche Pint im Pub gehörte dazu. Wein spielte hier keine massgebliche Rolle und tatsächlich hat Sting nach eigener Aussage seinen ersten Wein erst mit Mitte 20 genossen, als er bereits ein musikalisches Phänomen war.

Ob er damals damit gerechnet hätte, eines Tages ein nach anthroposophischen Grundsätzen bewirtschaftetes Weingut in der Toskana zu besitzen? Nach umfangreichen, behutsamen Restaurationsarbeiten erblüht das ehrwürdige Weingut Il Pilagio wieder in vollem Glanz. Sting mag selber kein Önologe sein, dafür verfügt aber aber sehr wohl über die nötigen Mittel, sich hochkarätige Hilfe zukommen zu lassen.

Mit dem Pionier der biodynamischen Landwirtschaft, Alan York und Winemaker Paolo Caciorgna gelang es Sting schnell, Weine zu produzieren, die sich sehen lassen können. Seit der Flagship Wein Sister Moon von Wine Spectator und OperaWines zu einem der besten Weine Italiens gekürt wurde, bewegt sich Sting plötzlich in einer Liga mit bestem italienischem Weinadel wie den Frescobaldi und Antinori.

Sting Fans wird es nicht überraschen, dass der bekennende Yoga-Fan Wert auf naturnahe Prinzipien auf seinem Weingut legt. Beim biodynamischen Anbau der Reben werden Ansätze, wie sie Anthroposophen von Rudolf Steiner bekannt sein dürften, zum Einsatz gebracht. Auch so genannter Hornmist, mit Mist gefüllte, vergrabene Kuhhörner, gehören zum Erfolgskonzept von Il Pilagio. Sting produziert auf dem Weingut in der Toskana vier Rotweine, einen Rosé und einen Weisswein.

Sister Moon war der erste Wein, der auf Il Pilagio produziert wurde. Der Rebsaft aus Sangiovese, Merlot und Cabernet Sauvignon darf nach der Ernte 24 Monate in neuem französischen Barrique verbringen. Aromen nach Kirschen, schwarzem Pfeffer, Lakritz und Brombeeren verwöhnen den Geniesser. Der Wein präsentiert sich von vollem Körper mit weichen, runden Tanninen und einem wunderbaren Finish. Sister Moon ist zugleich auch ein extrem beliebter Wein bei Liebhabern und Kritikern. 38 ,- € kostete die Flasche.

Rockender Winzer vs. Winzernder Rocker

Charles Smith hat ein Wein-Imperium aufgebaut. Er produziert diverse Linien und hat für viele seiner Weine Bestnoten internationaler Portale eingeheimst. Er legt Wert darauf, ein Selfmade-Winzer zu sein. Mit seiner Löwenmähne und den Schlagzeilen, die er gelegentlich wegen ausschweifender Feierlichkeiten noch macht, hat er einen irgendwie kantigen Charme.

Charles Smith kann feiern wie ein Rockstar und Weine machen wie ein waschechter Winzer, denn beides tut er mit Leidenschaft. Er wird nicht von Star-Önologen beraten sondern schwingt das Zepter selbst. Und wenn man ihn von seinen Weinen sprechen hört merkt man, der Mann versteht etwas von diesem Thema.

Sein atemberaubender Erfolg gibt ihm Recht. Der Rebbau ist Charles Smiths erfolgreichstes Projekt und hat seine Erfolge als Rocker schon lange in den Schatten gestellt. Seine Weine, die auch internationale Kritiker begeistern, bietet er zu einem fast unschlagbaren Preis-Genuss-Verhältnis an.

Sting hat eine erstaunliche Metamorphose vom ärgerlichen, wasserstoffblonden Jüngling zu einem Yoga praktizierenden Herrn mit silbernem Haar vollzogen, der sich gerne in Leinen oder T-Shirts aus Biobaumwolle hüllt, in denen die muskulösen Oberarme gut zur Geltung kommen.

Auf Il Pilagio verkauft er nur sechs Weine, die sicher schon allein wegen des Namens dahinter beträchtliche Anziehungskraft ausüben.

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Landwirtschaft und Weinbau – natürlich biologisch-dynamisch – sind für Sting jedoch nicht mehr als ein Hobby. Er nimmt Anteil, erfreut sich an den Resultaten, wirbt in Interviews für seine Weine – die Lorbeeren gebühren jedoch seinen zahlreichen Beratern. Stings Weine sind zudem deutlich teurer als die von Charles Smith. Die Vermutung, dass man in diesem Fall auch für den Namen zahlt, liegt nahe.

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