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„Orange Wine“ – die vierte Weinfarbe kommt

„Orange Wine“ – die vierte Weinfarbe kommt
Copyright Blaha

Gute Weine sind das Lebenselixier von Rakhshan Zhouleh. Er gilt als einer der 50 besten Someliers weltweit, wurde mehrfach als „Sommelier des Jahres“ ausgezeichnet und liebt den neuen Trend „Orange Wine“. Hier verrät er, was das genau für Weine sind.

Herr Zhouleh, was macht einen Wein zum „Orange Wine“?

Rakhshan Zhouleh: Es handelt sich dabei um Weine aus weißen Trauben, die einer Maischegärung (Schalenkontakt oder Kernkontakt oder Stielkontakt oder alles zusammen) unterzogen wurden und dadurch eine orangene bis bernsteinfarbene Tönung erhalten. Diese Gärung wird mit oder ohne Schwefelzusatz im Holzfass oder in Amphoren vollzogen.

Wie schmecken diese Weine?

Rakhshan Zhouleh: Das ist ganz unterschiedlich. Je nachdem, wo sie angebaut wurden, wie sie gemacht und ausgebaut sind (oxydativ oder reduktiv). Im Allgemeinen sind sie sehr komplex, aromenreich und sehr lange lagerfähig. Oft erinnern sie im Geschmack an Trockenfrüchte wie Feigen, Quitte, Zitrusfrüchte und an Honig, Nüsse und Tabak. Außerdem sind sie sehr cremig, fleischig und adstringierend durch die Gerbsäure von der Schale. Sie schmecken sehr nachhaltig.

Kritiker sagen, diese Weine sind fehlerhaft und schmecken nicht. Was entgegnen Sie?

Rakhshan Zhouleh: Ich entgegne, dass die Weine sehr komplex sind und man seine sensorische Erfahrung mit einbringen muss bzw. man geführt werden sollte. Es gibt beispielsweise auch Weine aus dem Jura, wie Château Chalon, die ebenfalls nicht jedermanns Sache sind. Es ist wie eine Begegnung mit einer fremden Landschaft. Sicherlich, wie bei allen Weinen, gibt es auch fehlerhafte Orange Wines.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten „Orange Wine“?

Rakhshan Zhouleh: Das war ein 1999er Ribolla Gialla vom Weingut Stanko Radikon in Oslávia Fruili-Venezia Giulia.
Mit fein-duftiger Honignote in der Nase und am Gaumen animierend und fleischig. Ein grandioses Erlebnis.

Wie sollte man einen „Orange Wine“ genießen?

Rakhshan Zhouleh: Es gibt so unterschiedliche „Orange Wines“. Der eine passt besser im Winter, der andere im Sommer auf der Terrasse. Der eine solo, der andere als Speisebegleiter. Die Unterschiede und Zusammenhänge der Machart, der Rebsorte und die Jahrgänge muss man verstehen – eben wie bei allen Weinen. Doch bei der Weinauswahl braucht man mehr Präzision als bei konventionellen Weinen. Ich vergleiche das gern mit einer sehr anspruchsvollen, klassischen Musik.

Welcher ist Ihr persönlicher Liebling unter den „Orange Wines“?

Rakhshan Zhouleh: Oh, das ist gar nicht so einfach, denn ich habe einige Favoriten:

  • 2011er Hirschkäfer von Andreas Tscheppe aus der Steiermark/Österreich
  • 2011er Amphore Blanc von Amédée Mathier aus Salgesch/Schweiz
  • 2010er Léon Barral Blanc von Léon Barral aus dem Languedoc/Frankreich
  • 2007er Alaverdi Tradition Amphora White Wine von Badagoni/Georgien
  • 2011er Jesus Riesling, trocken vom Weingut Ankermühle im Rheingau/Deutschland.

Herzlichen Dank für das Interview.

Weitere Informationen zu Rakhshan Zhouleh unter www.vinavis.de, sowie zu den Weingütern: www.at-weine.at, www.mathier.ch, www.domaineleonbarral.com, www.ankermuehle.de, www.radikon.it.

Über die Autorin

Es gibt sie ganz selten. Doch Anja Hanke hat das grosse Glück zu ihnen zu gehören: Den Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Sie liebt gutes Essen, handgefertigte Weine, erlesene Produkte und diese Verbindung an den verschiedensten Orten dieser Welt einzufangen – und für ihre Leser genussvoll aufzubereiten.

Kommentare

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Radmila Kless-Horvat

Ein sehr gelungener Artikel über Orange Weine!!

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