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Münchens Weinwelt – Innovationen an der Isar

Münchens Weinwelt – Innovationen an der Isar
Copyright Geisel Privathotels

München bereitet sich aufs Oktoberfest vor und lockt schon in Kürze Bierfans aus aller Welt herbei. Doch Weinliebhaber müssen die Stadt zu keinem Zeitpunkt meiden. Nur wenige Metropolen besitzen so viele Weinlokale, Weinbars und auf Rebensaft spezialisierte Gourmetrestaurants wie die bayerische Hauptstadt. Im Trend liegen französische Produkte, deutsche Spezialitäten und immer wieder die mit möglichst wenigen Eingriffen produzierten Naturweine.

Auf einen Blick: Zehn Münchner Weinbars und Weinrestaurants

In München sind die echten Promis, die Halb- und Viertel-Berühmtheiten immer mit dabei. Wer über den Viktualienmarkt wandert, sieht den Schauspieler der neuesten Vorabendserie beim Weisswurstessen. Der Staatssekretär wiederum hockt bei einer Mass im Englischen Garten, während der Chefredakteur eines der traditionellsten deutschen Restaurantführer in Geisel’s Vinothek eingekehrt ist.

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Hat Geschmack, der Mann. Und soll nur keiner behaupten, dass die hier ausgeschenkten Weine vor allem aus Italien stammen. Dass der Hauptstadt-Bayer ausschliesslich Weisses und Rotes aus dem südlich der nahen Alpen gelegenen Land einkaufe, muss als Gerücht eingestuft werden.

Rustikal statt elegant

Italienische Weine sind zwar zu haben im Dunstkreis des Karlspatzes, aber nicht immer im Trend. Fast scheint es, als hätten die Münchner nach Jahrzehnten des Barolo- und Brunello-Trinkens vor allem Lust auf Alternativen. Und die gibt es natürlich reichlich in Geisel’s Vinothek, die seit Ewigkeiten als zentral gelegener Tummelplatz der Önophilen gilt.

Rustikal und gemütlich - Die Innenausstattung von Geisel's Vinothek
Rustikal und gemütlich – Die Innenausstattung von Geisel’s Vinothek

Wie so viele andere weinaffine Lokale ist der Laden nicht zu knapp von der Rustikalität geprägt. Viel Holz und gemütliche bayerische Lebensart – was anderswo Innenarchitekten zur Modernisierung anrücken liesse, scheint an der Isar ganz normal. Hunderte von Weinen füllen das Angebot, zu dem man sich auch einfach nur etwas handgeschnittenen Schinken oder Pasta mit Sommertrüffeln bestellen kann.

Franken-Liebhaber sind an diesem Ort übrigens besonders glücklich, denn das Sortiment von Löwensteins Asphodill bis zu Sauers phänomenalem Sehnsuchts-Silvaner ist grandios. Und die Preise sind keineswegs – wie man eigentlich von einer als teuer verschrienen Stadt wie Münchnern erwarten würde – abenteuerlich: Schon für 20 Euro serviert der Service eine Flasche Einheimisches. Und wie fein das Angebot an Champagnern ist, hat sich nicht nur unter Chefredakteuren grosser Restaurantführer herumgesprochen!

Innovationen und Experimente

Der Restaurantleiter Robert Zeller beschert seinen Kunden viele genussvolle Momente
Der Restaurantleiter Robert Zeller beschert seinen Kunden viele genussvolle Momente

Rustikal geht es auch in Geisels Werneckhof zu, wo neuerdings der aus dem Umkreis von Paris stammende Sommelier Gerald Desmousseaux – früher im Rosenberger Adler – für die perfekte Speisen-Wein-Kombination sorgt und wo unter Leitung von Tohru Nakamura eine der elaboriertesten Küchen der Stadt geboten wird.

Rustikal bis dorthinaus ist schliesslich das Weinhaus Neuner, einer der anderen Klassiker der Stadt. Die Küche schwankt zwischen traditionell und kreativ, aber vermutlich nehmen die meisten Gäste ohne in die Karte zu schauen das hausgemachte Blutwurstradl und anschliessend eine bayerische Bauernente.

Und was die Weine angeht: Dem Trend zum immer Grösseren entzieht sich der Neuner souverän, setzt auf eine überschaubare Anzahl von Erzeugern, die zu einem grossen Teil in Deutschland und Österreich ansässig sind. Experimente finden eher anderswo statt.

Im Kleinschmecker zum Beispiel, in dem die junge Sommelière Christina Krenn für Vibrationen sorgt. Das passende Glas zu jedem Gang – oder einfach eine Flasche von Lisa Bunn aus Rheinhessen. Wie es sich für ein aufstrebendes Restaurant gehört, ist die Karte überschaubar und konsequent, aber alle Weine werden glasweise ausgeschenkt, auch die besseren.

Die Flaschenpreis teile man zu diesem Zweck einfach durch sechs, erklärt die Weinchefin, und erlaube so den Gästen auch Hochwertiges in Deziliter-Mengen. Die angebrochene Flasche zu verkaufen, sei übrigens kein grosses Problem, erklärt Weinexpertin Krenn, die zuvor im Tantris Erfahrungen sammeln konnte. Man müsse sie einfach anbieten …

Tantris ist natürlich ein Stichwort – und das nicht nur, weil hier seit Jahrzehnten stets talentierte Sommeliers arbeiteten. An die selbstbewusste Paula Bosch erinnern sich die Münchner gern, der heutige Flaschenverantwortliche des in architektonischer Hinsicht sehenswerten Gourmettempels ist ein kaum weniger überzeugender Kanadier namens Justin Leone.

Und der berichtet zwischen den Gängen gern vom Ableger namens Tantris Naturel Winebar. So cool und frisch und voller mehr oder weniger natürlich ausgebauter Weine – das hätte man dem ehrwürdigen Gourmettempel gar nicht zugetraut. Auf Spezialitäten mit langer Maischestandzeit und wenig bis null Schwefel setzen allerdings auch andere Lokale.

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Die Loreley sollte jeder mal aufsuchen, der auf originelle Weise trinken möchte, und das M Belleville verbindet gleich zwei bayerische Trends: den zum Naturwein und jenen zu klassisch französischer Küche mit Pfiff. Foie gras, Rinderbacke, zum Dessert dann ein Clafoutis, wie man ihn in Paris nicht besser bekommen würde.

Spätestens beim Chablis fühlt man sich ein bisschen wie zu Zeiten des Monaco Franze, als die Schickeria zu vergleichbaren Herkünften auf den Tischen tanzte und die festen und flüssigen Errungenschaften aus Frankreich feierte. Heute wie damals war die Münchner Prominenz gern vorn dabei, wenn es ums Geniessen ging.

Zehn Münchner Weinbars und Weinrestaurants, die man besuchen sollte:

Weinbar Kork, www.kork-weinbar.de

Geisel’s Vinothek, www.excelsior-hotel.de

Kleinschmecker, www.restaurant-kleinschmecker.de

Weinhaus Neuner, www.weinhaus-neuner.de

Loreley Weinbar, www.loreley.me

Tantris Natural Winebar, www.tantris.de

Geisels Werneckhof, www.geisels-werneckhof.de

Weincantina, www.weincantina.de

M Belleville, www.m-belleville.com

Jean-Claude’s Bistro & Weinbar, www.ratskeller.com

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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