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Mourvèdre – Die Diva mit dem rauen Charme

Mourvèdre – Die Diva mit dem rauen Charme
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In Spanien heisst die Sorte Monastrell, in Frankreich Mourvèdre. Doch zumindest in der Grande Nation trauen sich viele Winzer nicht an den annähernd puren Ausbau, mischen die Spezialität lieber in kleinen Anteilen mit geschmeidigeren Rotweinsorten. Wer lange sucht und wartet, entdeckt trotzdem eigenwillige, urtümliche Weine mit toller Persönlichkeit.

Vieles spricht gegen Mourvèdre. Manchmal sogar alles, wenn man die Sache zu Ende denkt. Die Erträge sind oft verblüffend niedrig und manchmal kaum ausreichend, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Anfälligkeit gegen Krankheiten ist immer noch beachtlich.

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Kühle Lagen mag die Sorte überhaupt nicht, weshalb man in Deutschland auf ihren Anbau verzichtet; in der Rebstatistik des Deutschen Weininstituts taucht ihr Name nicht auf. Und da wäre ja schliesslich noch die späte Reife, die sie von vornherein zu einer Attraktion des Südens macht.

Wärme und Süsse

Ob sich diese Tatsache im Zuge des Klimawandels ändert, ist noch nicht raus, liegt aber im Bereich des Möglichen. Nicht auszuschliessen, dass sich die Moselwinzer im Jahr 2100 auf Mourvèdre stürzen werden. In Südeuropa dagegen scheint die Zukunft der Rebe gesichert, jedenfalls in überschaubarem Ausmass und unter bestimmten Bedingungen.

Knapp 10.000 Hektare sind in Frankreich mit Mourvèdre bepflanzt, in Spanien ist es sogar mehr als das Sechsfache, in den Anbauzonen Yecla, Jumilla Alicante und in einigen benachbarten Gegenden stösst sie auf viele Freunde. Während etliche spanische Erzeuger auf grosse Anteile Monastrell (manchmal auch Mataró genannt) schwören, ihn auch reinsortig ausbauen, sind die Winzer des französischen Châteauneuf-du-Pape lieber vorsichtig. Sie mischen oft nur den einen oder anderen Schuss Mourvèdre in ihren Wein und verweisen als Begründung aufs Klima.

Tatsächlich: Je weiter nördlich sie gelangen, desto weniger können sich die Pflanzen gegen die Temperaturen behaupten, ihre Früchte reifen nicht immer aus, die Moste sind kaum brauchbar. Die südliche Rhône gilt deshalb als nördlichste Mourvèdre-Bastion in Europa. Ausserhalb des Kontinents besitzt die Sorte zwar nicht den Ruf von Cabernet und Merlot, wird aber da und dort in Australien, Kalifornien und Südafrika durchaus geschätzt.

Kleine, dunkle und dickschalige Beeren ergeben ausdrucksstarke und im besten Sinne kernige Weine, die für das Rückgrat vieler Cuvées zuständig sind. Die Formel „GrenacheSyrah – Mourvèdre“ erfreut sich einiger Beliebtheit, nicht nur der klingenden Namen wegen. Dass letztgenannter Bestandteil den Weinen Langlebigkeit verleiht, hat sich nicht nur bei katalanischen Winzern herumgesprochen.

Hochburg Bandol

Was man aus ganz viel Mourvèdre machen kann, wenn man sich traut, zeigt in Frankreich vor allem eine kleine Hafenstadt am Mittelmeer. Bandol ist so etwas wie der lebendige Anachronismus, deutet die frühere Verbreitung der Sorte im Mittelmeerraum an.

Nach Reblaus- und Mehltaukatastrophen geriet Mourvèdre aber in die Defensive, wurde der hohen Krankheitsanfälligkeit wegen oft durch andere Sorten ersetzt. Dass sie in den Weinbergen von Bandol überlebte, hat mit dem speziellen Klima der Gegend zu tun. Warm ist es hier, die Trauben reifen meist aus, bleiben der Winde wegen aber überdurchschnittlich lange gesund. Rechnet man noch die Böden dazu, die allzu mächtigen Weinen vorbeugen, wird die Entscheidung verständlich.

Mindestens zu 50 Prozent müssen die hier gekelterten Rotweine aus Mourvèdre bestehen, doch ist oft sehr viel mehr in der Flasche. Für Liebhaber eigenwilliger Weine ein gefundenes Fressen, das allerdings gute Vorbereitung verlangt.

Warten und kombinieren

Junge Bandol-Weine, aber auch andere Mourvèdre-geprägte Vertreter sind im jungen Zustand nämlich oft unnahbar, sehr fest, tanninreich. Eine Weile muss man sich schon gedulden, und wer die namhaftesten Bandols einlagern möchte, wer Flaschen von Château de Pibarnon oder aus der legendären Domaine Tempier kauft, sollte den Schlüssel zum reservierten Weinkellerabteil fortwerfen. Zehn oder mehr Jahre sind in diesen Fällen keine Seltenheit, um den Beginn der Trinkreife zu erleben, und Bandols kühler Jahrgänge sind selbst dann noch ein bisschen sperrig.

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Im richtigen Reifezustand freilich ist Mourvèdre, am besten dekantiert, ein genialer Begleiter von Rindfleisch oder Wildgerichten. Mit ihrer urtümlichen Würze können sich die Weine gegen würzige Hirschkeule, gegen Wildschwein und Mufflon durchsetzen, kommen auch mit ansatzweise süssen Beilagen zurecht. Wer etwas Bandol in der Sauce verarbeitet, stellt rasch eine optimale Harmonie her.

Nur beim Rosé sollte man weder Wild herbeschaffen noch zehn Jahre warten. Die blassroten Spezialitäten aus Bandol gehören zu den luxuriösen Geheimtipps unter den Rosés, weisen überdurchschnittlich viel Charakter und Geschmack auf. Dass die besten auch Preise erzielen, die man sonst im Rosé-Segment nicht vermutet, sei fairerweise erwähnt.

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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