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Ernteeinbussen? Nicht mit Winzer Stephan Herter

Ernteeinbussen? Nicht mit Winzer Stephan Herter
Copyright Stefan Schaufelberger

Wie keine andere Berufsgruppe sind die Landwirte von der Witterung abhängig. Im Jahr 2016 hat Petrus mit einigen Kapriolen auf sich aufmerksam gemacht.

Von Sophia Spillmann

Auf einen kühlen Frühsommer folgten hohe Temperaturen und wochenlange Trockenheit ab Ende Juli. Am einschneidendsten war jedoch sicherlich der späte Frost mit Schneefall Ende April.

Vor allem die Obstbauern und Winzer hatten allen Grund zur Sorge um die empfindlichen spriessenden Triebe ihrer Pflanzen so kurz vor der Blüte. Auch das Weingut von Stephan Herter, der in unserer Rubrik „Entkorkt“ regelmässig Weine vorstellt, wurde nicht vom Frost verschont. Auf Youtube wendet er sich mit folgenden Worten an seine Fans:

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„Ende April waren die Zeitungen voll von den Schreckensmeldungen: FROST! Sicher hast du darüber gelesen, wie die Weinbauern vielerorts mit Kerzen oder Feuern der ungewohnten Kälte Herr zu werden versuchten. Auch meinen Rebberg hat es leider getroffen und der Frost zerstörte etwa 65% aller Triebe und somit rund zwei Drittel der ganzen Ernte.“

Frostige Zeiten dieses Jahr für Landwirte
Frostige Zeiten dieses Jahr für Landwirte

Herters Betrieb ist noch jung, erst seit vier Jahren keltert er Weine unweit Winterthurs, wo er auch geboren wurde. Herter begann seine Laufbahn einst als Koch und arbeitete auch eine Weile als Verblender von Whiskey in Schottland, das er als seine zweite Heimat bezeichnet. Noch heute hat er viele gute Freunde in Schottland, auch Rugby spielen hat er dort gelernt.

Und wenn man Herter so anschaut, dann passt ein Dudelsack und traditioneller Schotten Kilt eigentlich ganz gut zu seinem Erscheinungsbild, das irgendwo zwischen urigem Lebemann und Hipster liegt. Dennoch hat es ihn nach einer Weile zurück in mitteleuropäische Gefilde gezogen. Wein hat ihn schon immer fasziniert, und der Aufbau seines eigenen Weinguts ist für ihn die Erfüllung eines Jugendtraums.

Herter gibt sich nicht mit halben Sachen zufrieden: Wein wollte er produzieren, aber nicht irgendeinen. Biodynamisch hergestellter Wein soll es sein und selbstverständlich soll es Spass machen, ihn zu geniessen. Bei der Produktion orientiert er sich auch an den Richtlinien Rudolf Steiners, der das anthroposophische Schulsystem und die biodynamische Landwirtschaft entscheidend geprägt hat.

Dazu gehört das Ritual des Vergrabens von Hornmist auf dem Weinberg; das sind Hörner, die mit dem Dung trächtiger Kühe gefüllt wurden. Aber auch das Aufbrühen von Tees und Tinkturen aus Ackerschachtelhalm, Brennessel und Co, um diese Wässerlein anschliessend bei Bedarf auf dem Weinberg zu versprühen. Geerntet wird selbstverständlich nach dem Mondkalender.

In der kurzen Zeit, die Herter als Winzer aktiv ist, hat er bereits eine grosse Anhängerschaft gewonnen. Viele Weinliebhaber fühlen sich angesprochen von seinen Grundsätzen und Weinen, die getreu Herters Prinzipien nicht gemacht werden, sondern entstehen dürfen. Enzyme, Reinzuchthefen und andere Inhaltsstoffe, die in der Natur so nicht vorkommen, sind vom Weinberg und aus der Produktion verbannt worden.

Aufgrund des grossen Schadens, den die Reben durch den Frost genommen hatten, rechnete er mit 60 – 70 % Ernteeinbussen – ein vernichtendes Urteil für einen jungen Betrieb. Aber Stefan Herter ist keiner, der die Hände in die Hosentasche steckt – untätig sein oder aufgeben ist nicht sein Ding.

Die Weine Herters erinnern schon auf den ersten Blick an altdeutsche Geschichten, die liebevoll designten Labels sind sein Markenzeichen. Adelheid, Strix oder Grimbart heissen die Weine zum Beispiel. Zur Erinnerung an das frostige Frühjahr hat Herter nun beschlossen, einen Rotwein und Weisswein mit dem passenden Namen Väterchen Frost zu keltern.

Mit diesem Wein, der aus Beeren anderer Schweizer Weingüter von Herter selbst gekeltert wird, möchte er dem schwierigen Jahrgang und den Tücken der Natur gedenken. Nebenher soll ihn der Erlös des Verkaufs dabei unterstützen, das klaffendste Loch der finanziellen Einbussen zu stopfen.

Um den anderen Winzern Trauben abkaufen zu können, hat Herter ein Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform gestartet. als Gegenleistung für die Spender gibt es – wer hätte es geahnt – Goodies rund um den Wein.

Für einen Beitrag von CHF 30 lockt eine Flasche Väterchen Frost, für einen Beitrag von CHF 720 kann man sich auf 24 Flaschen, eine Degustation und Vorpremiere der Väterchen Frost Weine sowie ein Nachtessen auf dem Weingut freuen.

Für CHF 800 kommt der geneigte Spender gar in den Genuss eines halbtägigen Rebbau- und Weinkurses inklusive Vorpremiere und Degustation beider Weine. Die 100 % Marke von CHF 20.000 wurde schon nach 10 Tagen überschritten, und dennoch spenden Fans und Unterstützer fleissig weiter.

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Herter, der laut eigener Aussage niemals mit einem so durchschlagenden Erfolg seiner Kampagne gerechnet hätte, bedankte sich in einem weiteren Video bei seinen Unterstützern, die ihm nicht nur geholfen haben, die gravierendsten Konsequenzen der Ernteeinbussen abzuwenden, sondern mit jeder weiteren Spende zum künftigen Erfolg des kleinen Weinguts beitragen.

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