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Flüssige Rendite – Wein als Kapitalanlage, Teil 1

Flüssige Rendite – Wein als Kapitalanlage, Teil 1
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Schnell ein paar Flaschen Bordeaux gekauft, etwas warten und dann mit dickem Gewinn verkaufen. Klasse. Doch das sind Schlagzeilen von gestern. Heute muss man schon etwas näher hinsehen, wenn man auf Weine als Kapitalanlage setzt. Aber der Aufwand kann sich richtig auszahlen.

Bordeaux und Burgund, bei diesen Worten bekommen Weinsammler glänzende Augen. Alternative Geldanleger dagegen haben stattliche Gewinne im Sinn. Das stimmt zwar im Grossen und Ganzen, aber so einfach ist das im speziellen leider nicht.

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Zwar hat erst im Oktober 2014 ein anonymer Bieter auf einer Versteigerung in Hongkong 1,3 Millionen Euro für 114 Flaschen von der Burgunder-Legende Romanée-Conti gekauft. Und zwar für je sechs Flaschen der Jahrgänge 1992 bis 2010, umgerechnet also 11.200 Euro pro Flasche. Dagegen war der Kauf von 50 Kisten Château Mouton Rothschild des Jahrgangs 1982 vor etwa acht Jahren ein Superschnäppchen. Damals zahlte ein Weinfan 833.000 Euro.

Die teuersten Weine

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Weinflaschen im Keller des Château Cheval Blanc

Kostspieliger wird es meist noch, wenn Einzelflaschen oder nur eine Kiste zum Verkauf stehen. Für eine Flasche Château Pétrus des Jahrgangs 1961 können rund 15.000 Euro und für eine Flasche des 1899er Château Lafite-Rothschild knapp 12.000 Euro veranschlagt werden. Einzelne Jahrgänge von Château Cheval Blanc sind bei etwa 10.000 Euro angesiedelt.

Für aktuelle Jahrgänge dagegen muss man nur mit 1.000 bis 2.000 Euro pro Flasche rechnen. Also schnell kaufen, ab damit in den Keller und sich Jahre oder Jahrzehnte später vom Gewinn bei einer Auktion ein Wochenendhaus oder lieber den Supersportwagen zulegen?

Schön wär’s. Zwar sind die Preise gerade für ganz edle Weine in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen und manche Händler oder Besitzer dieser Tropfen haben damit mehr Plus gemacht als Börsengurus im selben Zeitraum.

Aber betrachten wir die Lage einmal ganz nüchtern. Wie kam es denn zu diesen Preisexplosionen? Ganz einfach, das hatte oder hat mehrere Gründe. Wie bei den meisten Luxusgütern ist auch der Weinpreis von der wirtschaftlichen Lage abhängig. Bei geringen Renditeerwartungen in Bezug auf Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder sonstigen Geldgeschäften sucht man nach attraktiveren Anlagen. Und da nach der Wende zuerst die so genannten Neureichen aus den früheren Ostblockstaaten ihre neue Vorliebe für exklusive Weine entdeckten und danach vor allem die Chinesen in diesem Segment aktiv wurden, kam es, wie es immer bei einer zu grossen Nachfrage kommt: Die Preise stiegen drastisch. Aber natürlich nicht auf breiter Front.

Augen auf beim Weinkauf

Gefragt sind in erster Linie weltweit Weine aus Bordeaux und Burgund, die schon seit längerem das Image von Blue Chips im Weinbereich geniessen. Wer sich für die Preisentwicklung dieser Weine interessiert, kann unter www.liv-ex.com die aktuellen Preisentwicklungen verfolgen.

Eingeführt wurde das Portal London International Vintage Exchange 1999 von den ehemaligen Aktienhändlern James Miles und Justin Gibbs. Es umfasst 100 Topweine, gut 90 Prozent davon sind Bordeaux-Gewächse, der Rest kommt aus Burgund, Champagne, Rhône und Italien.

Alternativ gibt es noch die Liste Liv-ex Fine Wine 50. Die Listen haben feste Bewertungskriterien für die Index-Zusammensetzung und deren Berechnung. Die interessantesten Zahlen jedoch sind nur für Händler und Weinfonds zugänglich. Aber die beiden Liv-ex-Listen sind ein relativ zuverlässiger Indikator für private Weinanleger.

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Leider jedoch schwanken nicht nur Aktienkurse mitunter sehr drastisch. Auch die Preise für hochkarätige Weine auf diesen Listen können abstürzen. Da heisst es entweder abstossen, um zu retten, was zu retten ist. Oder abwarten, bis sich die Lage wieder erholt. Und das ist bisher immer der realistischere Weg gewesen.

Zur Zeit spekuliert die Branche, nachdem die chinesische Regierung eine Art Kampagne gegen die Korruption und für die Sparsamkeit ausgerufen hat, auf ein steigendes Interesse von indischen, brasilianischen und afrikanischen Superreichen. Aber aktuell bleibt es eine Spekulation und in Zeiten schwächelnder Konjunktur kann man nur raten, ob der Weinpreis bei diesen Luxusweinen in Kürze wieder steigt oder fällt.

Doch wer sich ernsthaft mit dem Thema Wein als Geldanlage befasst, hat noch ganz andere Möglichkeiten. Darüber mehr in den kommenden Folgen…

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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