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Mendoza – Uco Valley, das neue Napa Valley

Mendoza – Uco Valley, das neue Napa Valley
Copyright Alice Gundlach

Die grösste Weinregion Argentiniens ist auf der Suche nach mehr regionaler Identität. Eine Unterregion wird derzeit besonders hochgehandelt.

Die Region Mendoza schmiegt sich in Argentiniens Westen an die Andenausläufer. Sie ist die mit Abstand grösste Weinregion des Landes, rund 70 % des argentinischen Weines wird hier angebaut. Der Fallwind Zonda von den Bergen erinnert an den Föhn in den Alpen und beschert so manchem Flugzeug eine turbulente Landung am Flughafen der Stadt Mendoza.

Im Strassenbild fällt sofort etwas auf: Durch die ganze Metropole ziehen sich künstliche Wasserkanäle. Sie sind ein Hinweis auf die ursprüngliche Landschaftsform hier: Wüste.

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„Alle Pflanzen, die man in der Region sieht, sind von Menschenhand angebaut“, erklärt Ignacio Torti, Verkaufsleiter der Bodega Kaiken. Die Bewässerung ist daher ein wichtiges Thema – nicht nur, weil man das Wasser aus teilweise weit entfernten Bergquellen transportieren und verteilen, sondern auch, weil man damit sparsam umgehen muss.

Öko im Weinberg, kurios im Keller

Gelagerte Holzfässer in einem Weinkeller
Gelagerte Holzfässer in einem Weinkeller

Kaiken wurde in den 1930er Jahren von einer italienischen Familie gegründet und 2002 von Aurelio Montes übernommen, der als namhaftester Weinmacher Chiles gilt. Im Weinberg findet man Anklänge an biodynamische Bewirtschaftung – wenn auch nicht zertifiziert: Unter den Reben wächst Gras, das von hauseigenen Schafen kurzgehalten wird.

Gänse und Hühner im Weinberg halten Insekten fern. Ansonsten ist Aurelio Montes auch für andere unkonventionelle Ideen zu haben: Die Top-Weine der Linien Ultra und Mai werden in einem separaten Keller mit Gregorianischen Chorälen dauerbeschallt, während eine Engelsstatue über sie wacht.

Als eines der ersten argentinischen Weingüter zertifiziert für biodynamisches Wirtschaften wurde die Bodega Krontiras in Luján de Cuyo, einer Unterregion von Mendoza. Dazu gehören nicht nur begrünte Weinberge und Biodünger aus Kompost und Mist, sondern auch ein ausgeklügeltes Energiesparkonzept für die Gebäude.

Hier kommt Malbec meist in fruchtig-frischen Varianten in die Flasche – ein Weinstil, der derzeit international gefragt ist. „Vor Jahren bekamen wir noch gesagt: Malbec kann man doch nicht ohne Holzfass machen. Heute ist der Doña Silvina de Verano Malbec unser meistverkaufter Wein“, berichtet der Winemaker Leonardo Sesto.

Aber man kann hier natürlich auch anders: Wer starke Tannine liebt, wird gut bedient mit dem Doña Silvina Blend aus Malbec und Aglianico oder einem reinsortigen Petit Verdot, von dem gerade mit 2014 der zweite Jahrgang auf den Markt gekommen ist.

Kräuter im Weinberg statt Dünger und Pestizide

Ausblick in der Weinregion Mendoza
Ausblick in der Weinregion Mendoza

Beflügelt von der Idee, in Einheit mit der Natur zu wirtschaften, ist auch das Weingut Alpamanta des Österreichers Andrej Razumovsky: „Das gibt dem Ganzen eine Seele.“ Als er das Gut 2005 übernahm, hatte es zwei Jahrzehnte brach gelegen – für den studierten Betriebswirt eine Chance, etwas ganz Neues aufzubauen.

In seine Weine kommen nur eigene Trauben: „Das ist für Argentinien eher ungewöhnlich.“ Lesegut, das seinen Ansprüchen nicht genügt, verkauft er oder presst es zu Saft. Im Weinberg kommt er ohne künstliche Dünger oder Pestizide aus – stattdessen setzt er Kräuter aus eigenem Anbau wie Kamille, Schafgarbe und Löwenzahn. Zum Schutz gegen Pilzbefall kommt Cola de Caballo („Pferdeschwanz“) zum Einsatz, eine Schachtelhalm-Art mit sterilen Trieben.

Deutliche Kräuternoten tragen daher auch die Weine, etwa der Malbec Estate 2012, ein eleganter Wein mit dunkler Frucht und weichen, süssen Tanninen von der Barrique-Reife. Oder das Top-Gewächs, der kraftvolle Malbec Terroir 2012 aus der Einzellage mit erdigen und beerigen Aromen, aber weichen Tanninen.

Trendregion Uco Valley

Doch an Winzern, die biodynamisch anbauen, gibt es derzeit hier nur eine Handvoll. Was die Weinszene in Argentinien aktuell viel mehr umtreibt, ist ein anderes Thema: immer exakter bestimmte Herkünfte. Dabei fällt ein Name besonders häufig: Uco Valley. Diese Unterregion im Süden von Mendoza „ist der nächste grosse Ort für den Weinbau“, sagt Marcelo Rebolé, Sommelier aus Buenos Aires.

Einer der ersten, der sie entdeckte, war Michel Rolland, Star-Önologe aus dem Bordeaux mit einem Gespür für die neue Welt. Gemeinsam mit befreundeten Winzern aus seiner Heimat kaufte er hier 850 Hektare Land, das auf sieben Weingüter aufgeteilt wurde. Zwar hat jedes Gut seine eigenen Weine, aber die grösste Aufmerksamkeit erhält der Clos de los 7, ein Blend, zu der jeder Betrieb einen Teil beiträgt – jedes Jahr neu kreiert von Rolland persönlich.

Seine Kenntnisse stellt Rolland als beratender Önologe auch anderen Weingütern in Uco Valley zur Verfügung. Zum Beispiel Andeluna. „Viele sagen: Uco ist das neue Napa Valley. Ich behaupte: es ist viel interessanter,“ sagt Laura Yofe, Vertriebsleiterin Südamerika bei Andeluna. Das Weingut wurde von dem US-Unternehmer Ward Lay gegründet und startete 2003.

Durch die kalkhaltigen Böden gerate der Wein hier sehr mineralisch, die kargen Böden und die grossen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht seien für Malbec prädestiniert. „Eine starke Sonneneinstrahlung sorgt zudem dafür, dass die Trauben dickere Schalen ausbilden. Das verleiht den Weinen eine kräftige Farbe und ausserdem mehr Komplexität.“

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In den Weinbergen von Andeluna finde ein wahrer Präzisions-Anbau statt, berichtet Laura Yofe: „Wir bestimmen sehr exakt, welche Rebsorte wo angebaut wird, und was für welchen Wein genutzt wird, teilweise sogar zeilengenau. Dafür arbeiten wir mit Satellitenbildern.“

Mehr interessante Informationen über Mendoza finden Sie hier.

Über die Autorin

Alice Gundlach arbeitet seit 2005 als Journalistin, seit 2011 ist sie freie Autorin mit den Schwerpunkten Wein und Food. Davor schrieb sie schon als angestellte Redakteurin regelmässig über Weinthemen.

Sie ist spezialisiert auf die Weinregionen Deutschlands und Italiens.

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