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Pfalzagner – Ein Champagner-Macher in der Pfalz

Pfalzagner – Ein Champagner-Macher in der Pfalz
Copyright Weingut Reichsrat von Buhl

Einer der bekanntesten Champagner-Macher hat Frankreich Adieu gesagt und sich an die Verfeinerung deutschen Sektes gemacht. Was der gebürtige Elsässer und Ex-Bollinger-Kellermeister Mathieu Kauffmann in der Pfalz austüftelt, lässt Grosses erwarten. Und das auch dank einer Rebsorte, der viele Fachleute bislang keine überragenden Versektungsqualitäten zutrauen.

Monsieur Kauffmann hat soeben das Degorgieren der neuesten Charge Sekt beendet, lächelt zufrieden und lässt seinen elsässischen Dialekt erklingen. Die Frage nach der Eignung der Pfälzer Weissweinsorte Nummer eins kennt er schon. „Das höre ich fast jeden Tag, dass man aus Riesling keinen grossen Sekt machen könne!“ Zu aromatisch seien die Trauben, heisst es schliesslich vielerorts, zu viel Säure wiesen sie auf.

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Tatsächlich kommen viele deutsche Riesling-Schaumweine kaum über gehobenes Mittelmass hinaus, sind eher für den schnellen Konsum gemacht als für die lange Lagerung, lassen sich weder stilistisch noch qualitativ mit gutem Champagner vergleichen. Was aber nicht bedeutet, dass so was nicht zu verbessern wäre.

„Riesling ist eine tolle Rebsorte“, sagt Mathieu Kauffmann. Und eine schwierige. In seiner Anfangszeit im Elsass hat der Experte für Schäumendes schliesslich selbst erkennen müssen, dass Riesling in seiner prickelnden Variante bisweilen Probleme verursachen kann, dass Petrolnoten auftauchen, dass die Ergebnisse bescheiden ausfallen.

Ungeahnter Wechsel

Reichsrat von Buhl Geschäftsführer Richard Grosche (links) und Mathieu Kauffmann (rechts) im Weinkeller
Reichsrat von Buhl Geschäftsführer Richard Grosche (links) und Mathieu Kauffmann (rechts) im Weinkeller

Doch in Deidesheim herrschte von Anfang an Optimismus, wenn nicht gar Euphorie. Als vor rund eineinhalb Jahren die Meldung vom Wechsel Kauffmanns in die Pfalz die Runde machte, trauten viele Weintrinker ihren Augen und Ohren nicht.

Schliesslich hatte der Franzose als Chef de Cave des Champagnerhauses Bollinger das inne, was man eine Traumposition nennen konnte, hatte die Qualität der ohnehin schon bemerkenswerten Champagner nochmals gesteigert und mit seinen Spitzencuvées in weiss und rosé für Furore gesorgt; mehr als ein Jahrzehnt prägte Kauffmann das Unternehmen.

Was immer die Gründe waren, anschliessend beim deutschen Weingut Reichsrat von Buhl anzuheuern: Die Ambitionen waren gross, und sie scheinen seit Kauffmanns Amtsantritt sogar noch gewachsen zu sein.

Wenn man bedenkt, dass im Weingut Reichsrat von Buhl schon früher feinste Schaumweine hergestellt wurden, ist die Begeisterung, welche der kürzlich vorgestellte 2013er Rieslingsekt mit Kauffmannscher Handschrift entfachte, umso bemerkenswerter.

Vor allem deshalb, weil hier nicht versucht wurde, mit massiver Gewalt und der Brechstange zu vinifizieren, sondern weil das Ergebnis so wunderbar elegant wirkt, Trinkfreude auslöst, zum Nachschenken animiert.

Gewusst wie

Das alte Gutshaus in Deidesheim, Pfalz
Das alte Gutshaus in Deidesheim, Pfalz

Welche Geheimnisse zur Entstehung des erfrischenden, nachhaltigen und im besten Sinne Spass machenden Buhl-Sektes führten, wird eifrig diskutiert in der Pfälzer Weinszene. „Wenn man gute Trauben hat, geht es“, stapelt Kauffmann, der offiziell als Kellermeister und Technischer Direktor amtiert, bescheiden tief.

Wichtig sei es, die Beeren nicht zu spät zu lesen und damit jenen Fehler zu vermeiden, den auch namhafte deutsche Weingüter begehen. Die Versektung eines Grossen Gewächses, dessen Trauben lange Zucker sammeln durften, führt nämlich nicht automatisch zu einem noch grösseren Sekt, sondern oft lediglich zu einem allzu mächtigen Schaummonster. Auch die richtige Dosage dürfte eine Rolle spielen, die angemessene Reifung der Grundweine sowieso.

Und noch etwas ist entscheidend, damit der Sekt hinterher zwar nach Riesling schmeckt, aber all die Vorzüge eines grandiosen Champagners mitbringt. „Man muss die Trauben nur wenig pressen.“ Also keine Bitternoten im fertigen Produkt!

Das Beste erst später

Noch lässt sich nur spekulieren, ob bald die Pfalz im Allgemeinen, ob das Weingut Reichsrat von Buhl im Besonderen, wirklich reihenweise die besten Schaumweine Europas hervorbringen wird. Viele Flaschen ruhen noch undegorgiert im Gutskeller in Deidesheim, dürften erst 2015 oder 2016 auf den Markt kommen.

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Ein Spätburgunder in Rosé-Ausfertigung wird schon in wenigen Monaten zu verkosten sein, Ende des Jahres ist die Lancierung einer Cuvée aus Weissburgunder und Chardonnay geplant, und für die Zeit danach sollte man sich auf die richtig grossen Abfüllungen vorbereiten.

Am Riesling als Rohstoff für die Schaumweinproduktion wird man trotz aller Experimente mit anderen Traubensorten festhalten. „Riesling hat manchmal mehr Eigenschaften als Chardonnay“, schwärmt Mathieu Kauffmann. Wenn der Mann Recht hat, sollten sich wohl auch die grossen Champagnerhäuser warm anziehen.

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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