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Huberts Standpunkt

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Eine Pressemeldung – und was wirklich dahinter steckt

Kürzlich war in der Presse zu lesen, dass der Wein-Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland im vergangenen Weinwirtschaftsjahr bei 20,9 Liter und damit um 0,2 Liter unter dem des Vorjahreszeitraums lag. Die hierzulande konsumierte Weinmenge betrug danach insgesamt 17,2 Millionen Hektoliter.

Nun sind Statistiken auf den ersten Blick nicht immer wirklich hundertprozentig aussagefähig. Daher habe ich beim Deutschen Weininstitut, DWI, nachgefragt, was tatsächlich hinter den Zahlen steckt. Und, Überraschung, meine Ahnung hat nicht getrogen. Denn der Pro-Kopf-Verbrauch ist zwar tatsächlich leicht gesunken, aber die tatsächliche Weinmenge nicht.

Zum Beweis die Antwort von Pressesprecher Ernst Büscher.

„Lieber Wolfgang, schön, dass du unsere aktuelle Meldung zum Weinkonsum aufgreifst. Die hierzulande konsumierte Weinmenge lag in den letzten fünf Jahren immer schon bei rund 17 Millionen Hektolitern und der Wein-Pro-Kopf-Verbrauch zwischen 20,5 und 21 Litern. Die Entwicklung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauchs ist auch von der Bevölkerungsentwicklung beeinflusst. In dem aktuellen Bezugszeitraum ist die Einwohnerzahl in Deutschland um 0,3 Millionen auf 82,5 Millionen Einwohner angewachsen und 2016 sogar um 0,8 Millionen. Ein dennoch relativ stabiler Wein-Pro-Kopf-Verbrauch zeugt von einer anhaltend hohen Wertschätzungdes Genuss- und Kulturguts Wein in Deutschland.“

Bemerkenswerterweise ist dagegen der Schaumweinkonsum pro Person von 3,5 Litern gegenüber dem Vorjahr stabilgeblieben. Das heisst also, dass auf Grund der steigenden Bevölkerungszahl insgesamt mehr Schaumweine konsumiert wurden.

Zum Schluss merkte Ernst Büscher noch an: „Der Weinmarkt in Deutschland ist nach Experteneinschätzungen weitestgehend gesättigt. Grosse Mengensteigerungen sind angesichts des demografischen Wandels und sich verändernden Ernährungsgewohnheiten nicht zu erwarten. Positiv stimmen die aktuellen guten konjunkturellen Rahmenbedingungen, die dem Wein- und Sektkonsum hierzulande eventuell zusätzliche Impulse verleihen können.“

Das hoffen wir auch. Rechnet man übrigens Schaumwein hinzu, ergibt sich für Deutschland ein Pro Kopf-Verbrauch von 24,4 Litern Wein und Sektmit einer Gesamtmenge von rund 20 Millionen Hektolitern.

Und was lernt man aus diesem Artikel? Berichte immer genau lesenund eventuell hinterfragen. Denn die gerne verkürzt wiedergegebene Meldung, dass der Weinkonsum in Deutschland rückläufig sei, ist im Grunde nichts anderes als Fake News.

Wolfgang Hubert       

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Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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