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Hubert Botzet – Der Ökojungwinzer von der Mosel

Hubert Botzet – Der Ökojungwinzer von der Mosel
Copyright Hubertushof

(Lieser/Mosel). Kein Azurblau, aber der Fluss mäandert gemächlich durch das pittoreske Tal. Weinberge soweit das Auge reicht. Wir befinden uns an der Mosel, genauer gesagt in Lieser, das zu den grössten Weinorten der Mosel zählt.

Von Bettina Wieland

Ich bin mit Hubert Botzet verabredet, der gemeinsam mit seinem Vater Hermann-Josef Botzet das Ökoweingut Hubertushof leitet. Ein grosser, sympathischer Mann reicht mir beim Empfang kräftig die Hand. Hubert, Jahrgang 1984, das jüngste von drei Kindern, ist seit vielen Jahren schon im Weinberg mit dabei. Seine Leidenschaft seit Kindheit: Wein und Reben. Er erzählt, dass er bereits als junger Bub Bambusstöcke in die Erde steckte, festband und seine eigenen Weinreihen kultivierte. Von da an war ihm klar, er wollte nur eins werden: Winzer.

Lebenslauf – ein vielfältiger Winzer

Sein Lebenslauf klingt spannend: bereits mit 14 Jahren forderte das Leben von ihm kräftig mit anzupacken, nachdem sein Vater erkrankte. Hubert absolvierte zunächst eine metalltechnische Lehre, die einen unbezahlbaren Mehrwert einbringt, er kann die anfallenden Reparaturen im Weingut selbst erledigen. Danach folgte eine Ausbildung zum Küfer an der staatlichen Weinbaudomäne in Trier, die er als Jahrgangsbester abschloss. Im Anschluss folgte die Ausbildung zum Küfermeister in Weinsberg, ebenfalls als Jahrgangsbester. Seine beruflichen Stationen führten ihn durch Neuseeland, Italien, Spanien und Frankreich.

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Die Steillagen ökologisch bewirtschaftet

Wir steigen ins Auto und fahren die Steillagen hoch. Die Parzellen sind auf verschiedenen Lagen verteilt. Die Weinberge umfassen knapp zehn Hektar Rebfläche in den Einzellagen Niederberg-Helden und Rosenlay (Lieser), sowie Sonnenuhr (Maring-Noviand). Es werden die Weissweinsorten Riesling, Kerner, Weissburgunder und Müller-Thurgau, sowie die Rotweinsorten Blauer Spätburgunder, Dornfelder, Schwarzriesling und Domina kultiviert. Spätestens jetzt, beim Begehen der Steillage wird dem Besucher klar, wie aufwendig und anstrengend der Weinanbau hier ist. Moderne Fahrzeuge, wie Raupen oder innovative Gerätschaften unterstützen heute den Winzer in seiner Arbeit, jedoch wird für mich eine Flasche Wein aus dieser Lage zu etwas Besonderem.

Im Jahre 2007 erfolgte die Umstellung auf biologischen Weinbau

Vorort sind Mitarbeiter damit beschäftigt, alte Rebstöcke zu ersetzen. So steige ich die Steillagen ein Stück hinab und Hubert zeigt mir, wie eine junge Rieslingpflanze ihren Platz im Öko-Milieu einnehmen wird. Mit der Schaufel hebe ich schwarzes Schiefergestein aus, um dann das zarte Pflänzchen an den Pflanzenstab anzubinden, aufgeschüttet mit Erde, in der ich noch den Trester aus der letzten Lese identifizieren kann. Nun noch einen Schutz umlegen, gegen die unterschiedlichen Tiere, die durch den Weinberg promenieren und diese Feinkost sehr gerne mögen.

Traditionelles und Modernes treiben die ökologische Revolution voran

Wir befinden uns hier in Steillagen, die sich zwischen 43-63 Grad bewegen. Die Trauben wachsen auf reinem Devonschieferboden, mit dem Ziel ökologische, naturreine Weine, mit eigenem Charakter und vielfältigen Geschmacksnuancen anzubieten.
Die Trauben werden von Hand gelesen. Bereits hier fängt die Qualitätskontrolle
durch Aussortieren des Lesegutes an. Durch die niedrigen Erträge wird eine besonders gute Qualität erreicht. Feinfühlig wird auf die Verarbeitung im Keller geachtet: die Traubenbeeren werden vom Stiel entrappt, schonend
und gerbstoffarm ausgebaut. Bio-Trauben reifen früher. Die Trauben werden mit 300-600 kg Bütten eingefahren, man achtet sorgfältig darauf, das Lesegut niemals zu quetschen.

Es wird hohes Augenmerk auf Biodiversität gelegt. So erklärt mir Hubert, dass unter anderem Bienenweiden und Weissklee gesät werden. Ein Indiz für sauerstoffarmen Boden sind hingegen Disteln, Moos und Brennessel. Ein grosses Problem stellen auch nicht bewirtschaftete Rebflächen, sogenannte Drieschen, dar. Der grösste Feind der Steillagen sind die hohen Wildbestände wie Schwarzwild und Rehe, die Schwarzfäule sowie der echte und falsche Mehltau und die gefürchtete Reblaus.

Das Herz im Weingut – der Weinkeller

Wir begeben uns in das Herz des Weingutes: in den Weinkeller. Die Weine werden hier in Eichenfässern und Edelstahltanks ausgebaut. Das Holz der Fässer stammt aus heimischen Wäldern. Zum Einsatz kommen eigene Hefen. Hier werden mineralische, fruchtbetonte, gezügelt vergorene Weine ausgebaut.

Durch die Kombination aus modernster Kellerwirtschaft und langjähriger Erfahrung und dem einzigartigen Terroir dank mineralreicher Devonschieferböden, werden hier ausdrucksstarke Weine für Individualisten erzeugt.

Auch hier wird Wert auf eine umweltfreundliche Arbeitsweise gelegt. Alle notwendigen Geräte werden mit Energie aus einer Photovoltaikanlage betrieben.

Da steckt Passion drin – konsequente Bioproduktion

Die grossen Erwartungen an den 2015er Jahrgang wurden bereits erfüllt. Hubert freut sich in diesem Jahr einen Jahrhundert-Jahrgang präsentieren zu dürfen. Grosse Gewächse sind zu erwarten.

Prämierungen

Beim Internationalen Bioweinpreis 2015 war der Hubertushof ausserordentlich erfolgreich, Goldmedaillen gab es für den:
2013er Lieserer Rosenlay Riesling Spätlese sowie den
2014er Lieserer Niederberg Helden Riesling Spätlese.

Grosses Gold gab es beim internationalen Bio-Weinpreis MUNDUS vini Biofach 2015 für den 2013er Lieserer Schlossberg Steillage Riesling Kabinett trocken. In Deutschland 10 Mal vergeben und weltweit nur 50 Mal.

Von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz gab es für den 2014er Pinot Blanc QbA und den 2014er Kerner lieblich QbA eine Goldmedaille.

Der Mensch Hubert Botzet

Wir legen eine kurze Pause bei einer Tasse Tee ein und ich nutze die Gelegenheit, Ziele und Wünsche zu erfahren, von dem Mensch, der hinter diesen Weinen steht. So stellt sich mir die Frage, wie erholt sich ein Winzer und schaltet vom Alltag ab? Die Familie steht für Hubert an oberster Stelle, er liebt es mit seiner Partnerin und den Hunden seiner Schwester durch die Natur spazieren zu gehen oder am Abend durch die Weinberge zu joggen. Ich bin neugierig und frage ihn, wenn er die Wahl hätte, eine Rebsorte auf eine einsame Insel mitzunehmen, für welche er sich entscheiden würde? Nach reiflicher Überlegung wird es der Weissburgunder, er fühlt sich sehr zu dieser Rebsorte hingezogen. Jedes Jahr begeistert sie ihn aufs Neue mit ihrem grossen Potential und ihrer zahlreichen Aromenvielfalt.

Nicht dem Mainstream folgen

Wo geht der Weinbau hin, nach Huberts Meinung? Er hofft, dass zukünftig noch mehr auf Qualität gesetzt wird, die im Weinberg in der Hinwendung zur Natur entsteht, das kommt schlussendlich dem Verbraucher zugute.

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Die Vision

Hubert wünscht sich mehr Winzer vom ökologischen Weinanbau überzeugen zu können. Das setzt Kommunikation voraus und der Wille zur Zusammenarbeit. Mehr Jungwinzer sollten sich zum Bio-Weinausbau entscheiden. Ist doch eigentlich eine Win-Win Situation: Natur und Mensch profitieren davon.

Das Gästehaus – hell und freundlich

Dem Weingut ist ein Gästehaus angeschlossen. Die Zimmer sind sehr geräumig, hell und ruhig gelegen. Ein vollwertiges Frühstück, mit eigen abgefülltem Traubensaft und selbst hergestellten Weingelees garantieren dem Gast einen angenehmen Start in den Tag. Beim Ankommen spürt man bereits, hier herrscht ein guter Geist im Haus.

Die Gäste, die seit vielen Jahren ihren Urlaub hier verbringen, schwärmen von der tollen Atmosphäre und dem gemütlichen Flair, welches das Weingut umgibt.

Bei Führungen durch die Weinberge sowie geselligen Abenden in der Probierstube, erläutern Hubert und seine Eltern Interessierten alles zum Thema des biologischen Weinbaus. Die Weine können direkt ab Weingut bezogen werden.

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