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Geröstete Bohnen – Kaffee zum fairlieben

Geröstete Bohnen – Kaffee zum fairlieben
Copyright Rösttrommel GmbH Kaffeerösterei

Fair gehandelter Kaffee ist trendy. Und kann nicht nur hervorragend schmecken, sondern hat auch mit Wein einiges gemeinsam.

Kaffee hat mit Wein mehr Berührungspunkte als man zuerst annehmen mag. Dies beginnt beim Bauern, der sich sorgfältig um seine Pflanzen sowie um die Ernte kümmert und setzt sich fort bei den Röstereien beziehungsweise Weinkellern, der Kaufauswahl und dem Trinkverhalten. Der Trend bei den braunen Bohnen geht in Richtung Single Origin Kaffees.

„Das bedeutet, dass Konsumenten immer mehr auf sortenreine Kaffees Wertlegen, bei denen die Geschmacksunterschiede sehr fein sind, so wie beim Wein“, meint Moritz Waldstein-Wartenberg, Mitgründer vom Coffee Circle in Berlin. „Viele Röster beginnen, helle Röstungen anzubieten. um den Eigengeschmack der Kaffees stärker zu betonen.“

So wie die Winzer vermehrt auf den Einsatz von Aromenhefen verzichten, damit die ursprüngliche Note besser erhalten bleibt. „Mehr und mehr Käufer greifen zu süsseren und fruchtigeren Kaffees“, berichtet Matthias Heyder, Chef der Rösttrommel GmbH Kaffeerösterei. Auch da gebe es Ähnlichkeiten mit dem Wein, Frucht und Süsse sei derzeit wieder gefragt.

Das Geheimnis guten Kaffees

Auf der Suche nach dem perfekten Kaffeegenuss
Auf der Suche nach dem perfekten Kaffeegenuss

Was aber ist das Geheimnis eines wirklich guten Kaffees in der Tasse? Es beginnt zwar bei den Bauern und ihren Sorten, aber eine enorme Bedeutung kommt natürlich auch den Kaffeeröstereien zu. Und da geht in Deutschland der Trend zu kleinen Betrieben, die auf Qualität setzen.

Die Vorteile dieser so genannten Mikroröstereien sind, dass die Inhaber bevorzugt direkt vor Ort exklusive Rohkaffees von kleinen Farmen und Kooperativen zu fairen Preisen einkaufen und für ihre Produkte ein Alleinstellungsmerkmal geniessen, da es von manchen Kaffees nur sehr wenig gibt.

Ein richtiger Nachteil aber ist die Preisakzeptanz in der Bevölkerung. Die Mehrheit der Käufer möchte Kaffee so günstig wie möglich erwerben, auch da gibt es durchaus Parallelen zum Weinmarkt. „Dass sie dabei auf der einen Seite ein Produkt bekommen, das schon beim Rohkaffee als Ausschuss bezeichnet wird, müssen sie dann genauso akzeptieren, wie dass sie damit die Lebensbedingungen für Mensch und Natur in den Anbauländern nachhaltig verschlechtern“, kritisiert Matthias Heyder.

Er selbst geht mit gutem Beispiel voran und kauft sowohl Bio- wie auch Fair Trade-zertifizierte Kaffees ein, sofern die Qualität stimmt. „Soweit möglich kaufen wir unsere Kaffees direkt von Farmern, die von der Deutschen Röstergilde überprüft werden und Auszeichnungen für ökologisches und soziales Engagement bekommen haben. Auf diesem Weg versuchen wir die Chancen auf fairen Handel zu steigern.“

Gute Bohne, grosser Genuss

Auch beim Coffee Circle setzt man auf eine langfristige Beziehung zu den Kaffeebauern. Durch den direkten Handel übernehmen die Bauern die Verantwortung für die Kaffeequalität und diese allein bestimmt den Preis. „Für unsere herausragenden Kaffees zahlen wir rund den dreifachen Weltmarktpreis. Zusätzlich unterstützen wir mit einem Euro pro Kilo verkauftem Kaffee Entwicklungsprojekte, die wir selbst vor Ort umsetzen. So verbinden wir aussergewöhnlichen Genuss mit transparenter Zukunftshilfe“, berichtet Moritz Waldstein-Wartenberg.

Auch das Filtersystem beeinträchtigt den Geschmack enorm
Auch das richtige Filtersystem beeinträchtigt den Geschmack enorm

Sind die Bohnen erst einmal am Bestimmungsort angekommen, werden sie meist nur in kleinen Mengen geröstet. „Unsere Kaffees werden in kleinen Chargen von 12 Kilogramm in der traditionellen Trommelröstung bei circa 200 Grad in 12 bis 24 Minuten schonend geröstet. Dadurch können sich die Aromen ideal entwickeln“, versichert Matthias Heyder.

Und welche Tipps haben die Experten für den Genuss zu Hause? „Für eine Tasse Kaffee empfehle ich den Handfilter. Von der Firma Hario gibt es eine sinnvolle Weiterentwicklung des Melitta-Filters für circa 20 Euro. Wenn ich Espresso-Trinker bin, komme ich an einem Siebträger im Grunde nicht vorbei. Die vernünftigen Geräte beginnen bei circa 500 Euro“, meint Matthias Heyder.

Armin Machhörndl von der Nürnberger Kaffeemanufaktur Machhörndl empfiehlt alle Brühmethoden, etwa v60, cleverdripper oder AeroPress, und einen Überboiler. Moritz Waldstein-Wartenberg rät zu Brühverfahren von Hand, wie den klassischen Keramikfilter, die Chemex Kanne oder ebenfalls den AeroPress.

Mit diesen Verfahren könne man den besten Kaffee brühen. Und anschliessend, wie eben beim Wein, am Trinkgefäss schnuppern und jeden Schluck geniessen.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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